Ostsee von oben betrachtet

Die Luftnummer

Zicker: Eine Buch am Südostzipfel von Rügen am Greifswalder Bodden.

So exotisch kann unsere Heimat sein: Wer sich die Aufnahmen in dem neuen Film „Die Ostsee von oben“ anschaut, wähnt sich so manches Mal in der Karibik – dabei wurde nur zwischen Flensburg und Usedom gefilmt.

Sie sind wieder in die Luft gegangen. Nachdem ihr Film mit faszinierenden Luftaufnahmen von der Nordsee vor zwei Jahren fast eine Viertelmillion Zuschauer in die Kinos lockte und damit zur erfolgreichsten Naturdoku avancierte, stiegen Silke Schranz und Christian Wüstenberg erneut in den Helikopter und flogen dieses Mal die Küste zwischen Flensburg und Usedom ab – seit Donnerstag läuft nun „Die Ostsee von oben“ in den Kinos.

Auch dieses Mal haben die beiden Filmemacher nicht den Anspruch, eine lückenlose Dokumentation der Küste auf die Leinwand zu bringen. Das hat zum einen banale Gründe wie schlechtes Wetter oder ungünstige Lichtverhältnisse, zum anderen sind es die Ansprüche des Duos. „Wir wollen die Küste in ihrer Unterschiedlichkeit darstellen“, sagt Christian Wüstenberg, zudem wollen sie auch Geschichten zu den Bildern erzählen. „Und da haben die besten Geschichten die weniger guten ausgestochen. Wir wollen schließlich unterhalten, nicht aufzählen.“

Eine spezielle Aufnahmetechnik sorgt dafür, dass es den Besuchern des Films nicht langweilig wird. Die Cineflex-Kamera, mit der gefilmt wurde, ist unten an einem Hubschraubern angebracht. Sie ist so gelagert, dass sie die Bewegungen des Hubschraubers ausgleicht und auch aus großer Höhe und bei voll ausgefahrenem Zoomobjektiv wackelfreie Aufnahmen machen kann.

Stolz verweisen die Filmemacher darauf, dass diese Technik vom US-Geheimdienst CIA entwickelt wurde, der damit aus einem Kilometer Höhe noch in gestochen scharfen Bildern Nahaufnahmen vom Boden machen kann. Während die US-Behörde eher auf der Jagd nach bösen Buben ist, nutzten Silke Schranz und Christian Wüstenberg Cineflex, um beispielsweise Tiere ungestört aufnehmen zu können.

Für den Film sichteten die beiden viele Stunden Filmmaterial. „Es galt nicht nur, die schönsten Bilder auszusuchen“, erinnert sich Silke Schranz an die langwierige Arbeit, „uns geht es darum, Geschichten zu erzählen.“ Die entdeckten sie oft beim Betrachten der Aufnahmen. Warum beispielsweise ein Wald auf der Halbinsel Darß seltsam hellgrün/dunkelgrün gestreift ist, ergab eine dieser Geschichten für den Film. Oder warum es in Rostock ein Kirchenschiff gibt, bei dem man nur aus der Luft entdecken kann, dass dort Wohnungen mit Balkon eingebaut sind – auch das ist eine Geschichte, die im Film erzählt wird.

Immer wieder erleben die beiden Filmemacher, dass Kinobesucher bei der Vorführung laut aufschreien, wenn sie ihren Heimatort oder eine ihnen bekannte Stelle entdecken. Sie können das gut verstehen. „Wann sieht man schon mal im Kino auf der riesengroßen Leinwand einen Ort, der einem vertraut ist?“

Um die Finanzierung des gesamten Projekts haben sich Silke Schranz und Christian Wüstenberg selbst gekümmert. Sie wurden von niemandem dafür bezahlt. Werbung mache in diesem 90-Minuten- Film nur eine, sagen die beiden, nämlich die Ostsee. „Diese Farben, diese Küste, das ist eine einzigartige Naturlandschaft.“ Wer sich dieses Naturereignis auf der großen Leinwand gönne, der wolle nicht mehr in die Karibik. Direkt vor unserer Haustür, da ist es so schön.

Volker Pfau

Die Macher: Ihr erster Film „Die Nordsee von oben“, der 2011 ins Kino kam, war nach eigenen Angaben die erfolgreichste Naturdoku im Kino. Jetzt haben die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg aus rund 40 Stunden Material eine 85 Minuten lange Naturdokumentation geschaffen, dieses Mal über die Ostsee. Am 10. Juli sind die beiden um 15 Uhr in München im Cinema zu Gast.

Die Kinotermine: Der Film läuft derzeit in folgenden Kinos in Oberbayern:

München:Neues rex, Studio Isabella.

Herrsching: Breitwand.

Seefeld: Breitwand im Schloss Seefeld.

Fürstenfeldbruck: Scala Kino-Center.

Starnberg: Breitwand.

Prien am Chiemsee: Mike’s Kino.

Unterschleissheim: Capitol.

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