Wandern auf den Spuren der Katharer

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Die Einsamkeit der Pyrenäen: Im Campcardos-Tal treffen Wanderer auf dem "Weg der guten Menschen" selten andere Menschen.

Die Kreuzritter im Nacken, flohen die Katharer im Mittelalter von Südfrankreich über die Pyrenäen nach Katalonien. Der Marsch um der Inquisition zu entkommen dauerte zwei Tage.

Es ist nicht immer leicht, ein guter Mensch zu sein. Doch in den Bergen der Pyrenäen kann man zumindest in die Fußstapfen der “guten Menschen“ treten, wie sich im Mittelalter die Katharer nannten. Auf ihren Spuren führt ein spektakulärer Wanderweg von Südfrankreich über die Pyrenäen bis ins spanische Katalonien.

Im Hochgebirge der Pyrenäen treffen Wanderer Pferde und Kühe, die das halbe Jahr allein gelassen auf den Almen grasen.

Seinen Anfang nimmt der Weg im südfranzösischen Foix. Die dicken Burgmauern des Grafen von Foix hielten dem Ansturm der Kreuzritter im 13. Jahrhundert lange stand. Doch am Ende mussten die Katharer ihre Heimat im Pyrenäen-Tal von Ariège aufgeben. Die Inquisition trieb sie über die Pyrenäen hinweg bis ins spanische Katalonien. Dort nahm sie der katalanische Adel auf, der im Zwist mit dem französischen König lag.

Die Katharer sahen Christus als einziges Fundament ihrer Kirche, nicht den Papst. Die Kirche nannte sie “Tiere Satans“ - und schickte die Kreuzritter los, sie zu töten.

Der zweitägige Marsch auf ihren Spuren bis zu den Ruinen der Burg Montségur führt durch spektakuläre Berglandschaften. Ob die Katharer den Weg genossen, ist zu bezweifeln. Bis sie die katalanischen Seite der Pyrenäen erreichten, waren sie nirgendwo vor der Inquisition sicher. Am Fuße der Katharerburg Montségur wurden am 16. März 1244 rund 250 Männer, Frauen und Kinder auf einem den riesigen Scheiterhaufen verbrannt. Ein Kreuz erinnert an ihren Feuertod.

“Dieser Ort hat etwas Besonderes“

Durch die wildromantische Schlucht Gorges de la Frau führt der Weg weiter nach Comus. Die Schlucht ist an manchen Stellen nur wenige Meter breit. Rechts und links ragen die Felswände fast senkrecht bis zu 250 Meter in die Höhe.

Unterwegs auf den Spuren der Ketzer - ein Wanderweg folgt der Route, auf der die Katharer im Mittelalter vom Süden Frankreichs über die Pyrenäen bis nach Katalonien geflohen sind.

Durch Fichtenwälder und malerische Bergdörfer wie Ascou oder Orlu geht es bergauf und bergab bis nach L'Hospitalet an der Grenze zu Andorra. Richtig einsam wird es im Campcardos-Tal mit seinen ausgedehnten Almen, Wiesen und Seen. Vorbei an rauschenden Gebirgsbächen kämpften sich schon damals die Katharer bis ins Hochgebirge bei Portella Blanca D'Andorra, mit 2519 Metern der höchste Punkt auf dem “Weg der guten Menschen“. Ein Granitblock markiert die Grenze zwischen Frankreich, Andorra und Spanien.

In Bellver de Cerdanya in der Region Lleida setzte sich einst Graf Nunó Sanç für die Katharer ein. Majestätisch liegt das Dorf mit seinen mittelalterlichen Gassen auf einem Hügel. Im Hintergrund erheben sich die Steilwände des Naturparks Cadí-Moixeró. In der flachen Ebene um Bellver zieht der Wanderer inmitten von Kornfeldern immer wieder an alten Kirchen vorbei.

Es geht weiter vorbei an malerischen Dörfern wie Gréixer und Bagà mit ihren prachtvollen Brücken und der aus der 9. Jahrhundert stammenden Kirche Sant Esteve. Alte Säulengänge und Kapellen zieren das mittelalterliche Stadtzentrum. Hier siedelten sich viele Katharer an. Der Freiherr von Pinós und Mataplana war einer ihrer größten Beschützer. In seinem Palast in Bagà ist heute das lohnenswerte “Zentrum für das Mittelalter und die Katharer“ untergebracht.

Im “Molí del Casó“, einer restaurierten und zum Landhaus umgebauten Wassermühle aus dem 14. Jahrhundert, empfängt Conxita jeden mit offenen Armen. “Dieser Ort hat etwas Besonderes“, sagt Conxita.

Enthusiastisch zeigt sie den Besuchern ihren Kräutergarten. Es duftet nach Lavendel, Rosmarin, Pfefferminz. Gleich daneben pflanzt sie ihr eigenes Gemüse an. Seit Jahren kocht die ehemalige Sterneköchin die vegetarischen Katharer-Rezepte aus dem Mittelalter nach. Gegessen wird mit Holzlöffeln, bei Kerzenschein.

Wie in Berga, Prullans, Solsona, Josa del Cadí und Bellver de Cerdanya werden auch in Bagà zwischen Juli und August “Katharer-Feste“ mit Wanderungen, Essen, Theaterspielen, Mittelalter-Märkten und Tänzen gefeiert.

Am 2497 Meter hohen Massiv des Pedraforca führt der Weg weiter über Almen und Wiesen bis zum Bergdorf Gósol mit seiner teilweise noch erhaltenen Burg aus dem 11. Jahrhundert. In der Festung nahm der Graf von Pinós damals die Katharer auf.

Nach Gósol führt der Weg wieder in die einsame Gebirgswelt Kataloniens. Das Ziel des Wegs, das Sanktuarium von Queralt in Berga, ist nur noch wenige Stunden entfernt. Hier erwartet die gotische Madonna aus dem 14. Jahrhundert die Wanderer - und eine spektakuläre Aussicht aus 1200 Metern Höhe auf die sich bis zum Horizont ausdehnende Ebene.

Von Manuel Meyer, dpa

MEHR REISE-INFOS ZU DER WEG DER GUTEN MENSCHEN

REISEZIEL: Der Fernwanderweg GR-107 führt von Foix in Südfrankreich durch das Zentralmassiv der Pyrenäen bis zum Heiligtum von Queralt in Katalonien. Für die knapp 200 Kilometer sollte man zehn Wandertage einplanen.

ANREISE: Wer die Wanderung im französischen Foix beginnt, fliegt nach Toulouse und fährt mit dem Bus weiter. Für einen Start im katalanischen Berga bieten sich Flüge nach Barcelona an. Von hier gibt es regelmäßige Busverbindungen nach Berga.

MEHR INFOS : Consell Regulador del Camí dels Bons Homes, C/ Pujada Palau, 7 - 08695 Bagà (Tel.: 0034/93 82 44 861, E-Mail: info@camidelsbonshomes.com). Im Internet unter www.camidelsbonshomes.com

Katalonien Tourismus, Palmengartenstraße 6, 60325 Frankfurt

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