Wo die Spione lauschten

Unterwegs auf dem Berliner Teufelsberg

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Die alte Abhörstation liegt auf der Kuppel des Teufelsbergs. Der Berg entstand erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus den Trümmern der zerbombten Stadt.

Die Radarstation auf dem Berliner Teufelsberg war jahrelang Sperrgebiet. Von hier aus hörten die Amerikaner im Kalten Krieg den Ostblock ab. Nun zeigt ein amerikanischer Soldat das Gelände.

Wer Mut hat, schaut runter. Doch für den Anfang muss der Blick geradeaus genügen. Kilometerweit grüne Baumkronen. Man hat einen schönen Blick von der weißen Kuppel, dem höchsten Punkt der alten Radarstation auf dem Berliner Teufelsberg. Aber der Blick ist riskant: Einen Schritt nach vorne und man fällt durch das Loch in der Fassade 26 Meter in die Tiefe.

Nur für Schwindelfreie.

Diese weiße Kuppel und ihre Schwestern auf der alten Radarstation sind eines der Wahrzeichen von Berlin. Anders als um die Siegessäule oder das Brandenburger Tor rankten sich um dieses Wahrzeichen viele Geheimnisse: Das Gelände auf dem Teufelsberg im Grunewald war jahrelang militärisches Sperrgebiet. Von hier oben wurde im Kalten Krieg der gesamte Ostblock ausspioniert. Seit einiger Zeit gibt es Touren auf dem Gelände.

Die weiße Kuppel auf der alten Radarstation ist eines der Wahrzeichen von Berlin.

Der Teufelsberg im Grunewald ist mit seinen rund 115 Metern deutlich höher als der Rest von Berlin. Der Berg entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern der zerbombten Stadt. Die „Field Station Berlin“ auf dem Teufelsberg wurde Anfang der 50er Jahre errichtet. Während des Kalten Krieges stellten Briten und Amerikaner dort Radaranlagen auf. So konnten sie die Kommunikation im Osten abhören.

„Rund 300 Kilometer weit konnte man von hier aus lauschen“, erzählt Christopher McLarren. Die Protokolle der Abhörstation seien deshalb von großem Interesse gewesen. Denn von kaum einem anderen Ort konnte man so weit ins Land des Feindes hören.

300 Kilometer Reichweite: Von keinem anderen Ort in Berlin konnte man während des Kalten Krieges so weit ins Land des Feindes hören.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs stand die alte Radarstation zunächst leer. 1995 kaufte eine Investorengruppe aus Köln das Gelände. Sie wollte dort Eigentumswohnungen bauen. Die Berliner protestierten: Sie wollten nicht, dass mitten im Wald ein Neubaugebiet entstand. Die Stadt entzog dem Investor daraufhin die Baugenehmigung. Nun passiert seit ein paar Jahren nichts.
Vom Innenhof geht die Tour weiter in den höchsten Turm der Radarstation. Überall liegen Müll und Scherben. Doch von Stockwerk zu Stockwerk werden die Graffiti spektakulärer. Eine Frau mit einer Pusteblume in der Hand ziert eine ungefähr drei Meter lange Wand. Gleichzeitig wird die Aussicht immer besser.

Der Amerikaner Christopher McLarren hat von 1973 bis 1975 auf der Abhörstation im Grunewald gearbeitet. Nun macht er die Führungen auf den Teufelsberg.

In der Kuppel angekommen, sitzen alle Besucher erschöpft auf Steinen. Der Mann mit dem Panama-Hut schaut zufrieden aus dem Loch in der Fassade. Christopher McLarren ist 65 Jahre alt und Amerikaner. Von 1973 bis 1975 hat er auf der Abhörstation als Auswerter gearbeitet. Seine Aufgabe war es, die abgehörten Protokolle zu sichten - und zu entscheiden, welche von ihnen in die Zentrale nach Washington geschickt werden. „Es war Puzzlearbeit“, sagt er. Details über die abgehörten Informationen will er nicht erzählen.

Dann geht es aus dem Turm zurück auf die Erde. Langsam steigt die Gruppe durch das dunkle Treppenhaus wieder hinab. Einen letzten Blick in die Stockwerke mit ihren Graffiti-Kunstwerken. Dann stehen alle wieder auf dem Vorplatz. Dort erinnert noch eine Getränkepreisliste an die Partys vergangener Tage.

Von Kristin Kruthaup, dpa

DIE REISE-INFOS ZUM TEUFELSBERG

TOUREN: Die Tour auf den Teufelsberg wird von der Firma Brandinavia jeden Samstag und Sonntag um 14.00 Uhr angeboten. Sie dauert zwei Stunden. Die Kosten liegen für Erwachsene bei 15 Euro, ermäßigt bei 8 Euro.

MEHR INFOS: Anfragen zu den Führungen richten Besucher an Shalmon Abraham (Tel.: 0163/858 50 96, E-Mail: teufelsberg@berlinsightout.de). Anmeldungen zu den regulären Führungen sind nur online möglich.

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