Sylt ohne Schampus

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Meine Insel, deine Insel: Nein, Sylt ist nicht nur prominente Gäste mit dickem Geldbeutel da. Und ein Bad im Meer ist mindestens so prickelnd wie die Flasche Schampus.

Sylt kann ein teures Pflaster sein, wenn man’s drauf anlegt. Auf der Insel trifft sich die High Society und die, die sich dafür hält. Doch es geht auch anders auf der Promi-Insel: Ein Wegweiser.

Edel wohnen zum kleinen Preis

Zweifellos besteht die größte Herausforderung darin, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Luxusherbergen sprießen förmlich aus dem kostbaren Sylter Boden: das Fünf-Sterne-Superior- Golfhotel Budersand in Hörnum an der Südspitze, das Grand Spa Resort A-Rosa Sylt in List im Norden mit Hideaway Suite und 3500 Quadratmetern für die Wellness. Von dieser Entwicklung im Hochpreis-Sektor profitieren aber auch Urlauber, die sich vierstellige Übernachtungspreise nicht leisten können. Denn um mit den neuen Häusern mithalten zu können, rüsten auch etablierte Hotels auf.

Zum Beispiel der Sylter Seewolf: Nach einer Rundumerneuerung im Winter präsentiert sich das Westerländer Traditionshaus jetzt ganz modern mit lila Teppichböden, lackweißen Möbel und einem stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Schon ab 69 Euro pro Person kann man hier übernachten, mit Seeblick für ein paar Euro mehr.

Ebenfalls mit moderner Einrichtung und angemessenen Preisen (DZ ab 136 Euro) zieht das Long Island House ein paar Straßen weiter Gäste an. Das kleine Hotel Garni gehört zur Sylter Fischdynastie Blum. Dementsprechend üppig gestaltet sich das Frühstück mit reichlich Krabben, Lachs und sonstigen Meeresfrüchten.

Noch günstiger sind die 102 Zimmer im Rantumer Dünenhotel (ab 36 Euro) und im Sylt-Motel in Westerland (ab 49 Euro).

Selbstversorger sparen mehr

Sparen durch Selbstverpflegung – ein Urlaubskonzept, auf das seit drei Jahren das Dorfhotel Sylt in Rantum setzt. 159 Appartements hat die Anlage. Wer die familiäre Atmosphäre eines alten Gründerzeit- Prachtbaus bevorzugt, mietet sich in den liebevoll restaurierten Wohnungen der Villa 1903 in Westerland ein. 95 bis 170 Euro zahlt man je nach Saison an Tagesmiete.

Aktiv zum Nulltarif

Was die Urlaubsaktivitäten betrifft, gibt’s in Sylt sogar Angebote ganz umsonst. Etwa die Gymnastikkurse, die die Kurverwaltung mehrmals wöchentlich am Strand veranstaltet. Statt ins Café geht’s anschließend in die Nolde- Lounge. Sie entstand zu Ehren des Malers Emil Nolde, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf Sylt lebte. Heute kann man in Ruhe zwischen schen Repliken seiner Bilder sitzen und die aktuellen Tageszeitungen studieren. Zum Nulltarif. Sogar das exklusive Kampen hat ein paar Schnäppchen zu bieten. Im Dorfpark gibt es eine kostenlose Boule-Bahn. Mit Metallbällen um Punkte spielen – fast wie in St. Tropez, nur den Pastis muss man selbst mitbringen.

Mit Leihrad über die Insel

Wer die Insel besichtigen will, kommt mit einem Leih-Fahrrad am günstigsten weg. Das gibt es fast an jeder Ecke ab sieben Euro pro Tag.

Schnäppchen im Osten

Wer mit kleinem Geldbeutel shoppen will, fährt von Westerland in Richtung Osten. Im ehemaligen Spar-Markt von Tinnum befindet sich das Mode-Outlet „Super Check Out“ mit Designerware, Schuhen und Taschen aus diversen Geschäften der Insel. Die Preise sind oft um mehr als die Hälfte reduziert. Das angeschlossene Bistro ist auch nicht teuer.

Idealerweise lässt man sich anschließend vom Westwind weiter nach Keitum treiben. Auf den ersten Blick ist das beliebteste Friesendorf der Insel mit seinen gepflegten Reetdachhäusern und den schicken Geschäften kein billiges Pflaster. Doch bei genauer Betrachtung gibt es auch hier Einiges für kleines Geld.

Kutsche und Kultur

Dazu zählt zum Beispiel das Erlebnis einer Kutschfahrt durch den verwinkelten Ort für sieben Euro. Lohnenswert ist auch das günstige Kombiticket der Keitumer Museen (6,50 Euro). Selbst, wenn man nicht auf Kunst steht, ist das „Altfriesische Haus“ einen Besuch wert. In dem original nachgebauten Wohnhaus einer Kapitänsfamilie aus dem 18. Jahrhundert lüftet sich das Geheimnis um die nur 1,50 Meter kurzen Alkovenbetten. Die Bewohner hatten früher einfach Angst vor Feuer und schliefen deshalb im Sitzen. Auch für das Heimatmuseum mit seiner bunten Trachtensammlung sollte man sich etwas Zeit nehmen.

Einkaufen im Bauernland

Je weiter man nun in den Sylter Osten vordringt, desto erschwinglicher wird die Insel. In dem von Landwirtschaft geprägten Teil findet man an den Straßenrändern noch kleine Stände mit allerlei selbstgemachten Produkten wie Marmelade, Liköre oder Obst aus dem eigenen Garten. Zu empfehlen sind auch die Hofläden der einzelnen Bauernhöfe: Kartoffeln und Gemüse bei Bauer Hoffmann. Eier beim Hühnerbaron Hansen. Fleisch und Wurst bei Bauer Dohle. Und Milch von glücklichen Sylter Kühen in der kleinen Meierei Nielsen, allerdings nur bis 7 Uhr, danach geht die Tagesproduktion in die Geschäfte. Droht nach all den Einkäufen der Fahrradkorb zu bersten, kann man mühelos auf den Bus umsteigen. Der fährt in kurzen Abständen zwischen den Ortschaften, zum Sondertarif und mit Transportvorrichtung für Drahtesel.

Austern & Krabben aus Eigenernte

Die Sparfüchse unter den Gourmets zieht es neuerdings in Scharen in den Norden der Insel. Ganz umsonst kriegt man hier die Austern in List. Neuerdings liegt die teure Gourmet-Spezialität zu Scharen im Watt. Durch die klimabedingte Erwärmung der Nordsee macht sich das Schalentier dort richtig breit. Fangfrische Krabben gibt es dagegen am anderen Ende der Insel in Hörnum. Das kleine Häuschen am Hafen ist sieben Tage die Woche geöffnet. Die Krabben sind hier günstiger als sonstwo auf der Insel, dafür muss man selbst puhlen.

Mittagstisch auf der Promi-Meile

Die „Whiskeystraße“ ist die Flanier- und Partymeile Kampens, die eigentlich Strönwai heißt und ziemlich teuer ist. Doch selbst hier gibt es einen Low-Budget-Tipp: das Bistro Odin, Selfservice auf Holzbänken mitten im Jahrmarkt der Eitelkeiten.

Schicker ist das Promi- Restaurant „Gretas Rauchfang“ gegenüber. Wer abends keinen Champagner bestellt, den guckt Wirtin Greta Arijes schon mal pikiert an. Tagsüber serviert sie dafür einen preiswerten Mittagstisch: Kohlroulade oder Königberger Klopse für acht Euro.

Eine günstige Mittagskarte gibt es auch ein paar Meter weiter im Szenetreff „Gourmet Eck“ sowie im Restaurant Sanders im Kaamp Hüs. Man kann es aber auch ganz billig haben: „Am schönsten ist der Sonnenuntergang mit einem Picknick hoch oben auf der Uwe Düne“, empfiehlt Kampens Tourismusdirektorin Birgit Friese.

Britta Schmidt

DIE REISE-INFOS ZU SYLT

REISEZIEL Sylt ist mit 99 Quadratkilometern die größte Nordseeinsel Deutschlands. Sie ist zwischen neun und 16 Kilometer vom Festland entfernt, mit dem sie seit 1927 über dem Hindenburgdamm verbunden ist.

ANREISE Mit Air Berlin (www.airberlin.com) oder Lufthansa (www.lufthansa.com) von München; ca 300 Euro. Mit dem Autozug von Niebüll nach Westerland in 35 Minuten (www.dbautozug.de) 83 Euro, Mitte der Woche 70 Euro.

KLIMA Sylt ist vom Golfstrom beeinflusst, das heißt, die Winter sind milder, die Sommer etwas kühler als an der Küste. Die Insel hat im Schnitt 200 Sonnenstunden mehr als der Bundesdurchschnitt. Auf einer Düne bei List liegt die nördlichste Station des Deutschen Wetterdienstes.

REISETYP Es gibt Inseln mit besserem Wetter, und es gibt Inseln mit günstigeren Preisen. Aber an das Image von Sylt kommt keiner ran. Einmal muss man es erlebt haben.

RUNDFAHRT Zweimal täglich startet ab Bahnhof Westerland die Inselrundfahrt mit dem Bus, die kleine Rundfahrt (zwei Stunden, 13,50 Euro) um 11 Uhr, die große (drei Stunden, 15,50 Euro) um 14 Uhr. Info bei der Sylter Verkehrsgesellschaft, Tel. 046 51/83 61 00, www.svg-busreisen.de.

WOHNEN Am besten bucht man Unterkünfte über www.sylt-travel.de (über 3500 Appartements und Hotels im Angebot, gute Last-Minute-Funktion) und www.sylt.de (Portal von Insel Sylt Tourismus Service).

Die Adressen aus dem Text: Hotel Sylter Seewolf, Westerland, Tel. 046 51/80 10, www.sylter- seewolf.de, DZ ab138 Euro. Long Island House, Westerland, Tel. 046 51/995 95 50, www.sylthotel.de, DZ ab 136 Euro. Dünenhotel Alt-Rantum, Tel. 046 51/85 90, www.bsw24.de, DZ ab 36 Euro. Sylt-Motel, Westerland, Tel. 046 51/20 14 83, www. sylt-motel.de, DZ ab 49 Euro. Villa 1903, Westerland, tel. 046 51/995 92 20, www.sylturlaub-koenig.de, Appartement von 95 bis 170 Euro.

WEITERE INFOS: Sylt Marketing, Westerland, Tel. 046 51/820 20,

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