Tunesien im Überblick

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Alles im Blick: Sousse hat einen alten Stadtkern, der zum Weltkulturerbe gehört und von dem es nicht weit zu Badestränden ist.

Bei der Erlebnismesse „free“ ist heuer Tunesien das Partnerland. Das Land will den Besuchern mehr bieten als nur Strand und Sand – Reiseredakteur Volker Pfau ließ sich Tipps vom Experten geben.

Naceur Mani ist Direktor des tunesischen Fremdenverkehrsamtes in Deutschland. Er will mit seinen Tipps beweisen, dass sein Land mehr zu bieten hat als Saharasand und Mittelmeerstrände.

TUNIS: Paris als Vorbild

Direktor des tunesischen Fremdenverkehrsamtes in Deutschland Naceur Mani (48)

Wer die Avenue Habib Bourguiba entlangschlendert und unter den Bäumen wegen der kleinen Geschäfte, Bars, Zeitungs- und Blumenhändler an Paris denkt, liegt genau richtig: „Sie wurde nach dem Vorbild der Champs-Élysées gebaut“, sagt Naceur Mani, weswegen man die Hauptstadt des Landes schon mal als Klein-Paris bezeichne. Benannt ist die Prachtstraße nach dem ersten Präsidenten Tunesiens.

MEDINA: Exotisches Labyrinth

Es sind Weltkulturerbe-Steine, die die Altstadt von Tunis umschließen. Es ist die weltweit am besten erhaltene Medina – nicht zuletzt darum die Ehre durch die Unesco. Und wie soll man sich in den winkligen Gassen der Souks, den Märkten, zurechtfinden? „Es gibt kein System, auch ich habe mich hier schon verlaufen“, gesteht Naceur Mani. Und wie ihm sollte es früher auch potenziellen Angreifern gehen: Die Verwirrung war als clevere Abwehrtaktik gedacht.

EINKAUFEN: Tricks

 erlaubt Wenn Naceur Mani zurück nach Deutschland fliegt, hat er immer Couscous, Gewürze, Feigen-Konfitüre und Harissa, diese höllisch scharfe Paste, im Gepäck. „Feilschen Sie“, rät er dem Kaufwilligen, „Das macht Spaß!“ Dazu sollte man am besten noch ein bisserl jammern, so drücke man erfolgreich den Preis, verrät Mani seinen besten Trick.

MUSEUM: Welt der Mosaike

 „Nehmen Sie sich mindestens einen halben Tag Zeit für das Bardo-Museum bei Tunis“, empfiehlt Naceur Mani, denn hier ist die weltweit bedeutendste Sammlung römischer Mosaike zu sehen. Zwar ist der Palast gut besucht, dennoch kann man in den Sälen erahnen, mit welch verschwenderischer Pracht die Römer ihre Villen ausgestattet hatten und auf welch hohem Niveau die Handwerkskunst vor 2000 Jahren war.

KARTHAGO: Mit Phantasie

Aus dem Lateinunterricht kennen wir noch die berühmte Forderung Catos („Ceterum censeo Carthaginem esse delendam – Im Übrigen meine ich, dass Karthago zerstört werden muss.“), die hier, eine Autostunde von Tunis entfernt, sehr konsequent umgesetzt wurde. „Man braucht viel Fantasie“, sagt Naceur Mani, „Man sieht nämlich fast nichts mehr.“ Auf eines solle man vor allem an der Antoninius-Pius-Therme besonders achten, mahnt Naceur Mani: Im Hintergrund ist der Präsidentenpalast – und der darf auf keinen Fall fotografiert werden.

SIDI BOU SAID: Für Künstler

 „Dieser Ort ist am Abend am schöns ten“, sagt der 48-jährige Experte. Im weichen Licht verliert das tagsüber von Touristenmassen heimgesuchte kleine Künstlerdorf sogar ein bisserl was von seiner kommmerziellen Ausstrahlung. Genau dieses Licht hat schon die Maler August Macke und Paul Klee auf ihrer Tunesienreise im Jahr 1914 begeistert.

MORNAG: Das grüne Tunesien

Wer auf der gut ausgebauten Autobahn von Tunis aus in Richtung Süden fährt, kommt schon bald nach der Stadtgrenze an Äckern und Baumplantagen vorbei. „Das ist Mornag, das grüne Tunesien“, sagt der Fremdenverkehrsdirektor stolz. Trauben werden hier schon seit der Zeit der Punier angebaut, die Weinproduktion habe also eine über 2500-jährige Tradition. „Der Weinbau hier im Land ist älter als der Islam.“ Außerdem stehen in Mornag über 55 Millionen Olivenbäume und sechs Millionen Dattelpalmen.

 SOUSSE: Ab zum Strand

„Diese Stadt bietet eine Kombination von Stadt und Strand“, sagt Naceur Mani. Ganz in der Nähe, in Port El Kantaoui, sei 1979 das erste Feriendorf Tunesiens entstanden. Auch hier hat die Unesco die über 1200 Jahre alte Medina – die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt – in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Mittendrin ragt der Turm der Festung Ribat, die zur Verteidigung der Medina gebaut wurde, aus dem Gewirr der scheinbar ohne Plan durcheinandergewürfelten Häuser.

GETRÄNKE: Für Süße

Tunesien Karte

Kalorienbewusste Koffein-Freunde aufgepasst: „Der arabische Kaffee wird immer sehr süß serviert“, sagt Naceur Mani, „wer das nicht will, muss es gleich bei der Bestellung sagen.“ Und wer einen Tee bestellt, bekommt grünen Tee mit frischer Minze – sehr erfrischend! THALASSO: Im Trend Thalasso und Wellness seien eine ganz große Sache im Land, sagt der Tourismusmanager: Nach Frankreich ist Tunesien der zweitgrößte Anbieter von Meerwasser-Therapien. „Es gibt 48 Thalasso-Zentren in Tunesien“, so Mani, das erste sei 1994 in Sousse eröffnet worden.

Volker Pfau

DIE REISE INFOS ZU TUNESIEN

REISEZIEL Tunesien liegt in Nordafrika am Mittelmeer. Auf rund 164 000 Quadratkilometern (Österreich: rund 84 000 Quadratkilometer) leben rund zehn Millionen Menschen.

ANREISE Im Winterhalbjahr fliegt von München aus Tunisair montags und freitags nach Tunis sowie montags und samstags nach Djerba und mittwochs, samstags und sonntags nach Monastir. Air Berlin fliegt immer dienstags nach Monastir (über Djerba), Nouvelair fliegt sonntags nach Monastir. Deutsche brauchen zur Einreise einen noch mindestens drei Monate gültigen Pass. Seit Dezember 2009 ist der neue Flughafen Enfidha bei Hammamet in Betrieb, der aber von Deutschland noch nicht angeflogen wird.

KLIMA An der Küste des Mittelmeers herrscht ein ausgeglichenes Klima mit Höchsttemperaturen von über 20 Grad auch in den Wintermonaten. Nachts kann es derzeit aber mit 5 bis 10 Grad verhältnismäßig kühl werden. Gute Reisemonate mit angenehmen Tagestemperaturen von etwa 20 bis 30 Grad sind Oktober und November sowie März, April und die erste Maihälfte.

WÄHRUNG Ein Tunesischer Dinar (TND) entspricht 0,74 Euro. Dinare dürfen weder ein- noch ausgeführt werden. Der Wechselkurs des Dinars ist sowieso in Tunesien besser, und am Flughafen kann man vor der Ausreise zu einem fairen Kurs übriges Geld zurücktauschen. Wer mit mehr als 1000 Euro Bargeld einreist, muss dies deklarieren.

TIPPS Fragen Sie Menschen, die Sie fotografieren wollen, bevor Sie auf den Auslöser drücken. Es ist verboten, offizielle Gebäude sowie Polizisten und Soldaten zu fotografieren! Wenn man in die Stadt geht, sollte man angemessene, dezente Kleidung tragen. Der Badeanzug gehört an den Strand und nicht in die Stadt.

MESSE Tunesien ist das Partnerland der diesjährigen Messe „free“, bei der vom 18. bis 22. Februar auf dem Messegelände München alles zu den Themen Freizeit, Reise und Erlebnis gezeigt wird.

INFO Fremdenverkehrsamt Tunesien, Bockenheimer Anlage 2, 60322 Frankfurt, Tel. 069/133 83 50, www.tunesien.info.

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