Warth und Lech

Hochzeit ganz in Weiß

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Sie liegen nur sechs Kilometer Luftlinie auseinander, die Skigebiete von Warth-Schröcken und Lech-Zürs in Vorarlberg. Doch im Winter trennten sie bisher Welten.

Seit dieser Saison sind sie durch den Augenfeldjet miteinander verbunden. Die Geschichte einer touristischen Vernunftehe, die die beiden Partner durchaus mit Leidenschaft eingegangen sind.

Gemütlich schwebt die Bahn rüber nach Lech. Toni Nardin schaut aus dem Fenster, schüttelt den Kopf, lacht. „Nach 40 Jahren... Ich kann es nicht fassen. Jedes Jahr hab’ ich meinen Gästen erzählt, nächstes Jahr steht die Bahn.“ 41 Jahre lang. Nun steht sie tatsächlich. „Ein Traum wird wahr.“

Diesen Satz sagen sie alle: die Warther und die auf der anderen Seite drüben in Lech. Liftbetreiber, Hoteliers, Skilehrer und Einheimische. Immer wieder. Sie müssen sich selbst erst mal klarmachen, dass es den Auenfeldjet nun wirklich gibt. Die Bahn, die die beiden Skigebiete endlich vereint.

Seit 1972 gab es Bestrebungen, die Skigebiete Lech-Zürs und Warth-Schröcken zu verbinden. Für eine Ehe zwischen Partnern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das große, moderne Lech-Zürs mit Fünf-Sterne-Schick, Champagnerbars und Glamour-Nachtleben. Und daneben, nur sechs Kilometer Luftlinie entfernt, Warth, zweitkleinste und höchstgelegene Gemeinde in Vorarlberg. Dörflich, gemütlich, verschlafen. Zumindest von 17 bis 8 Uhr. So lange die Lifte stehen.

Mit dem Auenfeldjet, der eine Strecke von 2071 Metern überwindet, kommen Wintersportler in acht Minuten von Lech nach Warth und umgekehrt. Damit wachsen die Skigebiete zusammen und bieten Wintersportlern nun 47 Liftanlagen und Abfahrten auf 190 Pistenkilometern.

Denn morgens herrscht Hochbetrieb, da rollen die Reisebusse durch den Ort, Skischuhe klackern über die Gehwege. Start in den Tag auf der Piste. Während die Urlauber in Lech noch Lachs zum Frühstück genießen, packen die Tagestouristen im Reisebus nach Warth die Wurstsemmel aus. 20 bis 30 Prozent der Skifahrer sind Tagesgäste. Warth-Schröcken ist beliebt für den Kurztrip in den Schnee. In zwei bis drei Stunden ist man von München und Ulm da. Durch den Auenfeldjet lohnt sich die Fahrt nun noch mehr.

„Wir brauchen die Tagestouristen“, sagt auch Lechs Skiliftbetreiber Michael Manhart. Ja, das schon, aber bitte nicht zu viele. Zwar wolle man sie kontingentieren. 14 000, mehr dürfen pro Tag nicht auf die Piste, „damit das Gebiet nicht überlaufen wird“. Damit die Wintersportler die eine Woche bleiben und viel Geld da lassen, weiterhin genügend Platz haben.

Auf die hofft nun auch Warth, wo derzeit auf 474 Einwohner 2650 Gästebetten kommen. Die neue Bahn soll den Tourismus ankurbeln, soll neue Hotels initiieren, mehr Urlauber bringen, die länger als nur einen Tag bleiben wollen. Dafür bot das Gebiet bislang zu wenig.

Der Auenfeldjet ist ein wichtiger Impuls, ein Schritt in die Zukunft, „ein Traum, der wahr wird“. Mit dem Slogan, edel geschrieben in goldenen Lettern, wird die Bahn vermarktet. Doch es ist mehr als Werbung und Imagepflege. Für die Menschen hier ist es die Wahrheit.

Das Geld haben sie gemeinsam in den Auenfeldjet gesteckt. Ein Gemeinschaftsprojekt. „Damit auch die Jungen eine Zukunft haben“, sagt Thomas Übelher von den Skiliften in Warth. Und meint: Damit die nächste Generation das Hotel der Eltern übernimmt und das Dorf am Leben hält. Und am besten auch noch die nächste Tourismusgeneration heranzieht. Denn die Einwohnerzahl sinkt.

„Die Größe des Skigebiets ist entscheidend für die Wahl der Urlauber“, meint Liftbetreiber Michael Manhart aus Lech. „Größer ist besser, das sagt der Gast.“ Und wer etwas auf sich hält, muss mithalten.

Lech-Zürs am Arlberg

„Die Skigebiete ergänzen sich perfekt“, sagt Übelher. „Wir wollen kein Ischgl werden“, unterstreicht der Prokurist der Warther Skilifte und fügt hinzu: „Und auch kein zweites Lech.“ Warth soll das ruhige Dörfchen bleiben. Eines, in dem „ab 16 Uhr wieder alles ist, wie es war“, sagt Thomas Walch, Inhaber des Warther Vier-Sterne-Hotels Walserberg. „Jeder Ort hat seine Berechtigung.“ Und seinen Anspruch.

Doch wer wo hingehört, zeigt sich nur bei der Abfahrt ins Tal. Oben, auf dem Berg, in den vielen zünftigen Hütten, sind sie alle gleich. Champagner versus Jagertee gibt es nicht. Jeder ist ein gern gesehener Gast. Snowboarder teilen sich die Sesselbahn mit Freeridern, geübte Skifahrer überholen bei der letzten Talabfahrt die Kinder vom Skikurs auf der blauen Piste. Warth-Schröcken und Lech-Zürs können jetzt alles bieten.

Skilehrer Toni Nardin sitzt in der neuen 10er-Gondel, schaut auf die Piste unter sich und schüttelt den Kopf. So richtig fassen kann er es immer noch nicht.

Janine Tokarski

Die Reise-Infos zu Warth & Lech

REISEZIEL Die Dörfer Warth und Schröcken liegen eingebettet zwischen Arlberg, Lechtal und Bregenzerwald. Sie sind über den Hochtannbergpass miteinander verbunden. Warth auf 1500 Metern ist der höchstgelegene Ort in Vorarlberg.

ANREISE Von München auf der Garmischer Autobahn und weiter auf der Ehrwalder Bundesstraße und dem Fernpass insgesamt 190 Kilometer nach Warth. Nach Lech über die A 8 bis Irschenberg, über den Fernpass nach Reutte und Imst. Die Verbindungsstraße zwischen Warth und Lech ist im Winter grundsätzlich wegen Lawinengefahr für den gesamten Verkehr gesperrt. Die einzige Verbindung ist der neue Auenfeldjet im Skigebiet.

DER AUENFELDJET Die neue Gondelbahn bringt Wintersportler in acht Minuten von Lech nach Warth und umgekehrt. Sie ist eine reine Verbindungsbahn ohne Pisten und befördert 1490 Personen pro Stunde in 10er-Gondeln. Ihre Länge beträgt 2071 Meter, zu überwinden hat sie 67 Höhenmeter.

SKIGEBIETE Warth-Schröcken (1494 Meter bis 2043 Meter) mit insgesamt 14 Liftanlagen und 66 Kilometern Piste. Lech-Zürs (1450 Meter bis 2377 Meter) mit 33 Liftanlagen und 124 Pistenkilometern. Die Verbindung beider Skigebiete durch den Auenfeldjet schafft nun das größte Skigebiet Vorarlbergs. Berühmt ist das Gebiet für seine Skirunde „Der Weiße Ring“ von Lech über Zürs nach Zug und Oberlech und zurück. Besonders beliebt ist das Gebiet bei

Freeridern wegen seiner Schneesicherheit und -masse. Mit durchschnittlich elf Metern Neuschnee pro Jahr zählt die Region zu den schneereichsten in den Alpen.

PREISE SkiArlbergPass (für alle fünf Skigebiete am Arlberg mit 94 Bahnen): Erwachsene 48 Euro pro Tag, Senioren und Jugendliche 43,50 Euro und Kinder 29 Euro.

Tagespass Warth-Schröcken (ohne Nutzung des Auenfeldjets und Verbindung nach Lech): Erwachsene 43,50 Euro, Senioren 41 Euro, Jugendliche 38 Euro und Kinder 24 Euro.

Tagespass Lech-Zürs: Dort gilt der SkiArlbergPass, einen eigenen Tarif nur für dieses Gebiet gibt es nicht.

Drei-Täler-Pass (vereint 29 Skigebiete Bregenzerwald, Großes Walsertal und Tiroler Lechtal): Für 2,5 Tage (Mindestzeit) zahlen Erwachsene 105, Senioren 100, Jugendliche 93 und Kinder 53 Euro.

PAUSCHALANGEBOTE Sieben Übernachtungen mit Halbpension und Sechs-Tage-Skipass (SkiArlberg) im Drei-Sterne-Hotel in Lech 825 Euro, in Warth 613 Euro. Drei Übernachtungen mit Halbpension und Zwei-Tage-Skipass (SkiArlberg) im Vier-Sterne-Hotel in Lech 447 Euro, in Warth 415 Euro Vier Übernachtungen mit Frühstück und Drei-Tage-Skipass (SkiArlberg) in der Pension in Lech 409 Euro, in Warth ab 232 Euro.

WEITERE INFOS über den Tourismusverband Warth-Schröcken unter Tel. 0043/5583/351 50, im Internet www.warth-schroecken.com. Tourismusbüro in Lech: Tel. 0043/5583/216 10, Büro in Zürs: Tel. 0043/5583/22 45, im Internet: www.lech-zuers.at.

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