Wellness in der Wildnis

+
Spa und Safari – das Severin Camp im Tsavo-Nationalpark verbindet beides.

Plötzlich unterbricht Margaret ihre kreisrunden Massagebewegungen. Sanft tippt sie auf meine Schulter, ich hebe den Kopf und sehe sie lautlos zu den Vorhängen tippeln.

Den Zeigefinger über den Mund deutet sie nach draußen, als sie die weißen Laken einen Spalt zur Seite zieht. Eine Giraffe stolziert vorbei, majestätisch, graziös. Nach ein paar Metern hat sie ihr Ziel erreicht: das Wasserloch, das nur wenige Schritte von der Terrasse des Spa-Bereichs im Severin Safari Camp entfernt ist.

Das Erlebnis Spa erfährt hier eine Erweiterung, der Erfinder, Severin Schulte, hat es „Kenbali“ getauft, eine Wortmischung aus Kenia und Bali. „Safari ist für die Touristen eine Hetze von Tier zu Tier“, erklärt er. Deshalb hat er eine Wohlfühloase mitten im Busch geschaffen, wo man „still und staunend genießen kann“, so der Camp-Chef. Die luxuriösen Zeltbauten des Severin Safari Camps ducken sich in die Schatten eines kleinen Wäldchens in der Wunderwelt des Tsavo-West-Nationalparks. Es ist ein Ort, an dem selbst der Wind nur ein Flüstern ist.

„Natürlich sind die Big Five – Löwe, Nashorn, Büffel, Leopard, Elefant – eine große Nummer, aber ein Innehalten fördert den Safari-Genuss“, sagt Schulte. Der Pool des Camps ist in Ying-Yang-Form gebaut. Wer morgens hier seine Runden dreht, kann dabei Tiere am Wasserloch nebenan beobachten. Severin Schulte hat sein Herz 1973 an Afrika verloren. Als 19-Jähriger machte er sich auf, den Kontinent zu erkunden.

Über Umwege – Marokko, Algerien und Kamerun – kam er nach Kenia. 2001 wurde das Severin Camp eröffnet. Bereut hat er es nie. Als das Land 2008 Unruhen aufrüttelten, baute er gerade den Pool. Er rief alle Mitarbeiter zu sich, 55 an der Zahl, und fragte: „Was ist los – habt ihr kein Vertrauen?“ Später lud er das Kabinett zu Seminaren ins Camp, in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung wollte er zur Stabilisierung der Demokratie beitragen. „Ich glaube an dieses Land“, sagt er.

Schulte setzt auf Nachhaltigkeit, er verwendet in seinem Camp kein Plastik, kein Metall, alles besteht aus Naturmaterialien. Als er vor Jahren eine Kläranlage bauen ließ, schüttelten seine Konkurrenten die Köpfe. „Die haben gesagt, für das Geld hätten sie noch zehn Zelte mehr gebaut. Ich aber sage: Schaut euch um, wenn ihr eure Natur pflegt, haben eure Enkel noch was davon.“

Jetzt steht Severin Schulte auf einem Plateau, ein paar Fahrminuten vom Camp entfernt. Der Blick fällt ab in ein sattes Tal, man kann die Laufwege der Nilpferde sehen, die Leute hier nennen sie Hippo Highways. Gegenüber reckt sich der Kilimandscharo den Wolken entgegen. „Ich sehe mich um und sehe Kenia“, sagt Schulte, „ich sehe die Leute, und ich sehe Hoffnung, sehr viel Hoffnung für dieses Land.“

Andreas Werner

 

Meistgelesene Artikel

Hunderte Touristen sitzen auf Urlaubsinsel Bali fest

Auf der indonesischen Urlaubsinsel Bali sitzen wegen Flugausfällen hunderte Touristen fest. Es wurden am Donnerstag und Freitag sechs ihrer …
Hunderte Touristen sitzen auf Urlaubsinsel Bali fest

Warum sind Flugzeuge eigentlich weiß?

Wer an Flugzeuge denkt, hat meist das Bild einer schneeweißen Maschine vor Augen. Dabei könnte der Flieger auch jede beliebige andere Farbe tragen - …
Warum sind Flugzeuge eigentlich weiß?

US-Tourismus in Kuba legt kräftig zu

Angesichts der vorsichtigen Annäherung zwischen beiden Ländern besuchen immer mehr US-Touristen Kuba. Im vergangenen Jahr hätten 284 937 US-Bürger …
US-Tourismus in Kuba legt kräftig zu

Kommentare