Einrad - Zwölfmal stand die Viscardi-Gymnasiastin Valentina Rupp  im letzten Monat auf dem Stockerl

Selbst der kanadische Zollbeamte salutierte vor der Einrad-Spezialistin

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Valentina Rupp, Türkenfelder Einrad-Spezialistin, in Aktion. 

Türkenfeld – Der Zollbeamte am Montrealer Flughafen (Kanada) staunte nicht schlecht, als die 14-jährige Valentina Rupp ihren Koffer öffnen musste, weil beim Durchleuchten verdächtige Gegenstände geortet wurden und er die vielen Medaillen erblickte, die Türkenfelds Einradspezialistin bei den Unicon-Weltmeisterschaften abgeräumt hatte. Voller Anerkennung schlug er die Hacken zusammen und salutierte vor der jungen Türkenfelderin.

Insgesamt zwölfmal stand die Viscardi-Gymnasiastin bei der Einrad-WM vom 29. Juli bis 12. August auf dem Stockerl. Ihre Ausbeute bei 17 Starts kann sich wahrlich sehen lassen: viermal Weltmeisterin, einmal Vizeweltmeisterin und siebenmal gewann das Aushängeschild der Einrad-Abteilung des TSV Türkenfeld eine Bronzemedaille. Damit avancierte die junge Einrad-Sportlerin hinter einer Japanerin zur zweiterfolgreichsten und zur besten deutschen WM-Teilnehmerin hat Papa Stefan Rupp stolz ermittelt. 

Insgesamt nahmen an den 30 verschiedenen Disziplinen knapp 900 Einrad-Sportler aller Altersklassen aus aller Welt teil. Aus der Türkenfelder Hochburg reisten neben Valentina Rupp auch ihre Vereinskolleginnen Leonie Raia, Sarah Nowosadtko und Sophie Schubert mit ins kanadische Montreal. Auch sie durften sich über Edelmetall freuen. Die 15-jährige Sarah Nowosadtko wurde zweimal Vizeweltmeisterin und holte einmal Bronze, die gleichaltrige Leonie Raia sowie die 14-jährige Sophie Schubert holten jeweils zweimal Bronze. „Wir sind ein kleiner, aber dafür Deutschlands erfolgreichster Einrad-Verein“, freute sich TSV-Einrad-Abteilungsleiterin und Valentinas Mama Jeannette Rupp über den erneuten Medaillensegen ihrer Schützlinge.

Valentina Rupp: Viermal Weltmeisterin, einmal Vizeweltmeisterin und siebenmal gewann das Aushängeschild der Einrad-Abteilung des TSV Türkenfeld eine Bronzemedaille.

 40 Mitglieder zählt inzwischen die Einrad-Abteilung. „Alles Mädels“, berichtete Jeannette Rupp. „Sechs von ihnen sind Wettkampf-Fahrerinnen.“ Sie habe immer noch großes Lampenfieber, erzählte Tina, wie Valentina von allen nur gerufen wird. Obwohl sie eigentlich trotz ihrer 14 Jahre in der Sportart ein „alter Hase“ sei, denn nach der WM 2009/10 in Wellington (Neuseeland) und in Brixen (Italien) 2012 ist dies bereits ihre dritte WM-Teilnahme. Jeannette Rupp ist aufgefallen, dass die Mädels früher unbedarfter in den Wettkampf gingen. „Je älter sie werden, desto mehr beschäftigt sie der Wettkampf und desto mehr setzen sie sich unter Druck.“ Dem trug die Abteilungsleiterin Rechnung, indem sie sogar ein sportpsychologisches Coaching aus der Landeshauptstadt nach Türkenfeld holte. „Wenn man einmal bedenkt wie das ganze angefangen hat vor neun Jahren, als Tina von Nachbarkindern animiert vor dem Garagenhof mit einem über Ebay gekauften Einrad begann und was inzwischen daraus geworden ist, das hätten wir nicht für möglich gehalten“, erzählen Stefan und Jeannette Rupp einmütig. Beide engagieren sich stark beim TSV Türkenfeld und begleiten Tina entweder gemeinsam oder abwechselnd bei ihren großen Wettkämpfen auf der ganzen Welt. 

Beim TSV selbst musste Rupp inzwischen einen Aufnahmestopp verhängen. „Uns reichen die Trainer nicht, und die Halle ist zu klein“. Die vier „Großen“, die jetzt auch in Montreal dabei waren, fungieren inzwischen schon als Trainergehilfen. „Sie sollen einmal den Nachwuchs trainieren“, hofft Jeannette Rupp. Von einem Durchbruch, den man endlich geschafft habe, berichtete Stefan Rupp. „Der Einradsport, der bisher ein Schattendasein führte, wurde die 54 Sparte im Bayerischen Landessport-Verband (BLSV)“. Dank der Hartnäckigkeit der Vorsitzenden des Einrad-Verbandes Bayern, Petra Plininger (Mühldorf), die bis vor das Bundesverwaltungsgericht ging, sei man seit dem vergangenen Jahr ein anerkannter Sportfachverband. Als nächstes stehen im Oktober die deutschen Meisterschaften im Standrad-Skill in Lenting (bei Eichstätt) sowie die deutschen Meisterschaften in der Kür in Harpstedt im Landkreis Oldenburg auf dem Terminkalender. „Zeit für andere Hobbys bleibt da wenig“, meinte Mama Rupp zu den weiteren Freizeitaktivitäten ihrer sportbegeisterten Tochter.

Großes Lob sprach die Abteilungsleiterin dem Schulleiter des Viscardi-Gymnasiums, Direktor Walter Zellmeier, aus, der die Sportausübung der vier Türkenfelder Mädels unterstützt. So lässt er sie, wie zur WM nach Kanada, schon mal zwei Tage vor den Sommerferien ziehen. „Natürlich sind alle auch gute Schülerinnen“, fügte Mama Rupp hinzu. 

Dieter Metzler

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