Jahreshauptversammlung des SC Fürstenfeldbruck am 9. Juni in der Brucker Sportgaststätte

Tiefe Gräben zwischen den Fronten

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Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Sportgaststätte des SC Fürstenfeldbruck bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung. Im Hintergrund der wiedergewählte Präsident Jakob Ettner

Fürstenfeldbruck - Eine wahre Kampfabstimmung lieferten sich der amtierende Präsident des SC Fürstenfeldbruck, Jakob Ettner, und sein Herausforderer, Andreas Conrad, bei den vor allem auch in der Öffentlichkeit mit Spannung erwarteten Neuwahlen am 9. Juni in der Brucker Sportgaststätte an der Klosterstraße. Am Ende ging Ettner als klarer Sieger aus dem Duell hervor. Der Ex- Vizepräsident und Herausforderer Conrad erhielt mit seinem Team aus ehemaligen SCF-Funktionären eine herbe Abfuhr. Nur 32 Mitglieder (29 Prozent) votierten für den stets mit SCF-Trainingsjacke im Sportzentrum auftretenden Getränkemarkt-Besitzer, während Ettner 73 Stimmen (66 Prozent) erhielt und damit dem finanziell angeschlagenen Kreisstadtverein für die nächsten zwei Jahre weiterhin voransteht.

Bereits die Einladung zur Jahreshauptversammlung weckte die Neugier der Mitglieder. Um die Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft gegen mehrere ehemalige Präsidiumsmitglieder des SCF nicht zu gefährden, wurde die Mitgliederversammlung auf diesen späten Zeitpunkt verlegt, stand da zu lesen. Was das eine mit dem anderen zu tun hatte, war vielen Mitgliedern allerdings nicht klar. Dennoch ging die Rechnung auf, denn die Sportgaststätte war gesteckt voll. Ein weiterer Schachzug Ettners stellte die Abgabe der Versammlungsleitung an den Leiter der Alten Liga, Gerhard Knöchel, dar. Aufgrund der „tiefen Gräben“ zwischen den beiden Fronten befürchtete Ettner massive Angriffe auf seine Person. Ein ordnungsgemäßer Ablauf der Veranstaltung wäre wohl gefährdet gewesen. So hatten sich sogar auf Wunsch von Ettner zwei Polizeibeamte in Zivil unter die Mitglieder gemischt, um notfalls für Ordnung zu sorgen. Doch dank des SCF-Urgesteins Knöchel, der zu Höchstform auflief und jegliche Störung im Keim erstickte, war ein fast reibungsloser Ablauf gewährleistet. Sein Auftritt erinnerte so manch altes Mitglied fast in vergangene Zeiten versetzt, als Knöchel noch als Geschäftsführer und Abteilungsleiter den Verein „beherrschte“. Noch kaum gings los, gab es auch schon den ersten Zusammenstoß mit dem Ex-Vizepräsidenten Antonio di Gorga, der sich beschwerte, dass ihm die Mitgliedschaft verwehrt wurde, nachdem er seinerzeit aus Verärgerung aus dem Verein getreten war. Er wollte im Team von Herausforderer Conrad nun wieder als Vizepräsident kandidieren.

Der wiedergewählte Jakob Ettner und Versammlungsleiter Gerhard Knöchel (re.)

Doch laut Satzung kann ohne Angaben von Gründen eine Mitgliedschaft sogar vom Abteilungsleiter abgelehnt werden. „Das ist keine Demokratie“, entrüstete sich di Gorga. Auch Sieglinde Schmid, die sich im Team von Conrad wieder als Schatzmeisterin zur Verfügung stellen wollte, war verärgert, als sie keinen Stimmzettel erhielt. „Du wirst nicht als Mitglied in der Vereinsliste geführt. Also musst du ausgetreten sein und kannst demnach weder wählen, noch gewählt werden“, erhielt sie zur Antwort. Nachdem auch noch Ex-Vize Hannes Mühlberger „schmutzige Wäsche“ waschen wollte, wegen unregelmäßiger Zahlungen an seinen in der SCF-Elf spielenden Sohn Christian, griff Ehrenpräsident Albrecht Huber ein. „Das sind interne Geschichten, die haben hier nichts zu suchen.“ Auf seinen Antrag hin wurde die Diskussion beendet. Auf die Frage von Ex-Präsident Eckhard Lutzeier, der die Gründe für die fristlose Entlassung von Trainer Tarik Sarisakal wissen wollte, antwortete Ettner lediglich, er werde schon triftige Gründe gehabt haben. Conrad beging bei seiner Vorstellung, ins besonders seines Teams, einen großen taktischen Fehler, indem er einräumte, dass es schwierig war, eine „schlagkräftige Truppe“ zusammenzustellen. Etliche Kandidaten seien wieder abgesprungen. Spätestens da war für seine Bewerber, Eckard Lutzeier, Hannes Mühlberger, Alfred Januschke, Sieglinde Schmid, alle ehemalige SCF-Funktionäre aus jüngster Vergangenheit, die Wahl so gut wie verloren. Markus Ließ, ehemaliger Bayernliga-Fußballer, sowie Masseur Sven Jakob sollten das Team Conrad komplettieren.

Noch voller Zuversicht gibt Herausforderer Andreas Conrad seine Stimme ab

Für den wiedergewählten Ettner, der den Verein unmittelbar vor einer Insolvenz übernommen hat, hat die Konsolidierung des Vereins weiterhin Priorität. Bei einen letzten Angriff von Ettners Gegnern wegen des noch nicht abgerechneten Kunstrasens griff der BLSV-Kreisvorsitzende Stefen Enzmann ein. Der Bayerische Landessportverband habe den SCF mehrmals aufgefordert, zuletzt mit Email am 8. Juni, die Unterlagen beizuschaffen, damit die Bezuschussung erfolgen kann. Nachdem Ettner, sehr zum Gelächter seiner Gegner, behauptete, sein Rechner sei gehackt worden und er deshalb kein Mail erhalten habe sieht Enzmann die Abrechnung durch den BLSV gefährdet. „Egal, wer Präsident ist. Das amtierende Präsidium steht in der Verantwortung und hat die Unterlagen vorzulegen.“ Die Wahl, die von Bürgermeister Erich Raff sowie der Stadträtin Beate Hollenbach und dem BLSV-Kreisvorsitzenden Steffen Enzmann, durchgeführt wurde, ergab folgendes Ergebnis: Präsident Jakob Ettner, der auch in seinem Amt als Jugendleiter bestätigt wurde. Vizepräsidentin wurde Ursula Valier. Die Steuerberaterin des Vereins war zuvor schon kommissarisch als Vizepräsidentin eingesetzt, nachdem Conrad vor einigen Monaten sich eine „Auszeit“ als Vizepräsident nahm. Vereinswirtin Monika Brand wurde als Schatzmeistern bestätigt, ebenso wie deren Bruder Alfred Thurner als Fußball-Abteilungsleiter. Neu gewählt wurde hingegen als Beisitzerin Thurners Ehefrau Manuela sowie Kerstin Müske als Geschäftsführerin.

Dieter Metzler

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