"Festival vielsaitig": Mit Rock, Balladen und viel Humor bringt die Stuttgarter Band das Publikum zum Tanzen

Eric Gauthier rockt den Kaisersaal

+
Eric Gauthier (links) präsentiert mit seiner Band, darunter Drummer Rainhardt Albrecht-Herz und Bassist Friedrich „The Fridge” Kienle, Britpop und Rock im Kaisersaal.

Füssen – Ein ganz anderer Sound war am Mittwochabend beim „Festival vielsaitig“ im barocken Kaisersaal zu hören. Statt Kammermusik gab es hier Britpop und Rock von Eric Gauthier und seiner Band.

Mit seiner Mischung aus gefühlvollen Balladen, rockigeren Klängen gewürzt mit witzigen Liedtexten und ganz viel Humor brachte der Frankokanadier am Ende zwar nicht alle, aber doch viele der 140 Zuschauer zum Tanzen bzw. Mitwippen. Rock und Barock? Wie passt das zusammen? Das fragte sich vermutlich nicht nur die Band aus Stuttgart. Der Rock habe sich aus dem Barock entwickelt, erklärte Karina Hager vom Veranstalter, dem Füssener Kulturamt. Deshalb gehöre zum Motto „baRock“ auch die Rockmusik. Die in den Barock zu bringen, das war nun die Aufgabe von Gauthier und seiner Band. 

„Wir versuchen unser Bestes“, versprach der Frankokanadier zu Beginn des fast auverkauften Konzerts. Die meisten der Besucher waren dagegen wohl noch im „Klassikmodus“: Hatten doch einige Stühle in den Saal gestellt, den das Kulturamt extra für das Rock-Konzert freigeräumt hatte. „Die Leute sitzen normalerweise nie“ bei seinen Konzerten, merkte auch Gauthier an und sorgte damit für die ersten Lacher des Abends. So stand dann auch gleich sein persönliches Ziel fest: Alle zum Tanzen zu bringen. Trotzdem ließ er es erst einmal ruhig angehen: Mit seiner Akustikgitarre und unterstützt von Jens Peter Abele an der E-Gitarre stimmte er das Hippie-Lied „Morning after Sun“ an, das die Zuschauer nach Woodstock in die sechziger Jahre entführte. 

Für eine Überraschung sorgt dabei Schlagzeuger Rainhardt Albrecht-Herz, der sich mit seinem Tamburin vor Konzertbeginn im Publikum versteckt hatte und sich langsam durch die Menge zur Bühne arbeitete. Kaum standen die restlichen Musiker an ihren Instrumenten, nahm auch das Lied an Fahrt auf. Flott ging es mit Gauthiers einzigem Country-Song „Matters of Heart“ weiter, das schließlich die erste Zuschauerin zum Tanzen brachte. 

Für Gauthier selbst gab es beim nächsten Stück „Janice“ kein Halten mehr: Der Frankokanadier, der eigentlich als Tänzer und Choreograph eines Tanzensembles in Stuttgart bekannt ist, wirbelt über die Bühne, hüpft ins Publikum und am Ende sogar in den Spagat. Davor aber spielt er den Animateur, um die Stimmung aufzulockern: Im ländlichen Allgäu werden die Zuschauer zur Kuh, die laut „Janice“ rufen sollen, wenn Gauthier im Refrain „das Euter drückt“. 

Während er beim ersten Mal noch „das Euter verpasst“, lobt der Frankokanadier die Füssener am Ende für ihren Einsatz als „wunderschöne Kuh.“ Persönlicher wird es beim nächsten Stück, das Gauthier für seine Mutter geschrieben hat und es deshalb auf französisch singt. Doch damit auch das Publikum den Text versteht, wechselt er nach der Hälfte ins Deutsche. 

Liebe zu Deutschland 

Um Deutschland bzw. die Liebe zu seiner zweite Heimat, dreht sich sein „Spätzle-Song“, bei dem er sich nur selbst an der Akustikgitarre begleitet. Darin zählt er alles an Essen und Getränken auf, was er in Deutschland mag. Doch „mein perfektes Dinner bleibt Käsespätzle“, singt Gauthier und dürfte damit ein paar neue Fans im Publikum gewonnen haben. Auf jeden Fall kassiert er dafür kräftigen Applaus. 

Während Gauthiers Temperament besser zu den rockigeren Stücken passt, kommt seine ausdrucksstarke Stimme erst bei den Balladen richtig zur Geltung. Seine Stücke, die er alle selbst schreibt, drehen sich um Liebe – mal zu Frauen, zu seiner Familie aber auch zu Johnny Cash oder den Rolling Stones. Nur einmal greift er auf einen Coversong zurück: Bei „Halleluja“ begleitet ihn allein Abele an der E-Gitarre. 

Dabei legt der Frankokanadier so viel Gefühl in das Stück, dass ein „wundervoll“ aus dem Publikum zu hören ist. Abele zeichnet sich bei seinen Soli durch ein gefühlvolles Spiel und die meisterliche Beherrschung seines Instruments aus. Nicht umsonst bezeichnet Gauthier ihn am Ende als „einen der besten Gitarrenspieler Deutschlands“. Ein kurze Kostprobe seines großen Könnens darf auch Marquis de Shoelch am Keyboard bei „Lullaby“, einer der drei Zugaben, abgeben. Er haut bei seinem Solo so kräftig in die Tasten, dass ihm gleich seine Mütze vom Kopf fällt. 

Am Ende schafft es Gauthier und Band zwar nicht, alle zum Mittanzen zu bewegen. Doch „es war ein wunderschöner Abend, das hätten wir nicht erwartet“, meint Gauthier. Und dass einige noch sitzen, sei auch okay.

Katharina Knoll

Meistgelesene Artikel

Torreigen gegen Türkheim

Lechbruck – Zwei Siege und volle Punktausbeute lautet die Bilanz des ERC Lechbruck vom vergangenen Wochenende.
Torreigen gegen Türkheim

EV Füssen übernimmt Tabellenführung

Füssen/Pfronten – Zwei Siege hat sich am Wochenende der EV Füssen erkämpft.
EV Füssen übernimmt Tabellenführung

Derby-Zeit im Ostallgäu

Pfronten/Füssen – Derbytime heißt es erneut am Sonntag, 15. Januar, in Pfronten. Dann treffen um 16 Uhr die der EV Füssen und der EV Pfronten zum …
Derby-Zeit im Ostallgäu

Kommentare