Florian Schütte nimmt am wohl härtesten Eintagesrennen der Welt teil

533 Kilometer in 30 Stunden

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Florian Schütte kämpft sich beim „race across the alps“ einen Pass hinauf.

Greene/Füssen – 533,5 Kilometer und 14534 Höhenmeter in 30:05 Stunden: Florian Schütte vom Team Orthopädie Manufaktur hat es geschafft. Er hat am vorvergangenen Wochenende an dem weltweit wohl härtesten Eintagesrennen für Radfahrer teilgenommen, dem „race across the alps“ (RATA).

Das gesamte Team unter anderem mit Teamchefin Maresa Lorenz und Florian Schütte aus Greene, Niedersachsen, reiste nach Nauders. Das Fahrerfeld des RATA war sehr stark besetzt. Neben dem letztjährigen Sieger des „race across America“, Severin Zotter, war der Titelverteidiger Robert Petzold, der 16-malige Starter des RATA, Paul Lindner, und die starke Radmarathon-Dame Nadja Prieling am Start.

Alle Fahrer freuten sich über die sonnige und trockene Wetterprognose für den Renntag. Am Freitag um 13 Uhr ging es für die Fahrer los. 37 Sportler gingen an den Start, darunter zwei Frauen, von denen am Ende nur 23 Fahrer das Ziel erreichten.

Trotz der langen Strecke ging es flott los: Mit 38 bis 50 km/h fuhren die Sportler am Reschensee entlang nach Prad am Stilfser Joch. Dort wartete der erste Berg mit 1900 Höhenmetern auf die Fahrer. Dabei mussten die Athleten anfangs mit Temperaturen um die 34 Grad kämpfen.

Rückstand aufgeholt

 Über die Abfahrt und Bormio ging es weiter zum Gaviapass und hinunter nach Aprica. Um 21.40 Uhr, nach 8:40 Stunden Fahrzeit und 198 Kilometern ging es in die Rampe zum Mortirolo. Die 12,4 Kilometer mit maximal 18 Prozent Steigung und 1300 Höhenmeter ging Schütte mit vier weiteren Fahrern an. Nach 210 Kilometern erreichten sie die Passhöhe mit durchschnittlich über 20 km/h.

„Die Abfahrten vom Mortirolo und später dem Apricapass konnte ich zum Regenerieren nutzen, um für den 34 Kilometer langen Berninapass Kraft zu schöpfen“, so Schütte.

Nichts geht mehr

In der Dunkelheit erreichte er die Passhöhe bei Kilometer 300 um 4.20 Uhr. „In den Abfahrten konnte ich viele Minuten auf die Konkurrenz gut machen. Am Berninapass holte ich einen Rückstand von über zehn Minuten zur Schweizerin Campassi auf“, berichtet Schütte.

Weiter ging es über den Albula im Sonnenaufgang in Richtung Davos. Pünktlich am Anstieg zum Flüelapass fing es zu regnen an. Während der Flüelapass laut Schütte nach 400 Kilometern noch gut zu fahren war, wurde der anstehende Ofenpass schon zu einer größeren Herausforderung. Die letzten zwei Kilometer sind sehr steil und die Temperaturen stiegen wieder an.

„An diesem Punkt kommen zum ersten Mal negative Gedanken. Gerade mit Blick auf den vorletzten Berg, dem Umbrail (13,5 Kilometer, 1126 Höhenmeter und 8,5 Prozent Steigung – Anmerk. d. Rd) fiel die Motivation in den Keller“, so Schütte. „Nach insgesamt 24 Stunden Fahrzeit und 452 Kilometern saß ich im Gras am Straßenrand, nix ging mehr, die Knie taten weh und bei dem Blick auf die letzten zwei Berge und zirka 80 Kilometer war an einen Zieleinlauf nicht zu denken. Nur dank des Teams um Jan, Stephanie und Maresa war es dann im zweiten Anlauf wieder möglich, den Umbrail hoch zu fahren.“

Letzter Pass zieht sich

Durch ein Gewitter kühlte außerdem die Luft ab, „was mir sehr zu Gute kam. Im Anstieg sah ich dann einen Fahrer an seinem Auto stehen, den ich überholen konnte. Das motivierte ungemein.“ Doch: „Der letzte Pass zog sich wie Kaugummi“, so Schütte. Der Reschenpass mit 24 Kilometern bei 583 Höhenmetern und ständigem Gegenwind wollte nicht enden. „Dabei wurde ich auf einmal von dem Begleitauto meines Radkollegen Peter Scherrer überholt.“

Scherrer hatte zirka zwei Kilometer Rückstand und holte weiter auf. „Beim diesem Anblick genehmigte ich mir nochmal einen Koffein Shot für die letzten 20 Kilometer. Das Team im Begleitauto hielt mich ständig auf dem Laufenden, was den Abstand zur Konkurrenz anging. Mein Tacho zeigte 40 km/h auf gerader Strecke und 56 km/h bei leichter Neigung ins Ziel an.“ Nach 30:05 Stunden, 533,5 Kilometern, 14534 Höhenmetern, einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 17,8 km/h, Temperaturen von bis zu 38 Grad Celsius und nach ca. 40 Liter Wasser erreichte Schütte um 19:05 Uhr das Ziel.

Der Sportler bedankte sich anschließend unter anderem bei seinem Team, seiner Familie und seinen Sponsoren für die Unterstützung. Florian Schütte: „Diese 30 Stunden werden alle nicht so schnell vergessen und wer weiß: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen.“

kb 

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