Die Leistungssportlerin Marika Trettin zieht für ihre Leidenschaft Curling in die Lechstadt

Von Dresden nach Füssen

+
Marika Trettin lebt gern in der Altstadt von Füssen mit den Cafés am Magnusbrunnen. Von dort und von ihrem Arbeitsplatz erreicht sie schnell den Bundesstützpunkt Curling.

Füssen – Marika Trettin fällt auf. Und das nicht nur wegen ihrer Körpergröße von 1,80 Metern und ihrer roten Haarpracht, sondern vor allem wegen ihrer konstanten Leistungen als Curlerin.

Für ihre Leidenschaft zog Trettin extra von Dresden ins beschauliche Füssen. Doch das scheint sich gelohnt zu haben: Sie erkämpfte sich einen Platz in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und stand jetzt zum ersten Mal mit der Deutschen Frauennationalmannschaft bei einer Curling-Weltmeisterschaft auf dem Eis. 

Marika Trettin, Jahrgang 1983, ist ins Allgäu zugereist. Weil sie Hochdeutsch spricht, ist man doch überrascht, als sie im Altstadtcafé von ihren Wurzeln in den neuen Bundesländern erzählt. „Ich wurde in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Nach dem Umzug der Familie bin ich in Altenberg in Sachsen zur Schule gegangen.“ Doch damals hatte sie mit Curling noch nichts am Hut. Obwohl sie die Sportart erst als Teenager kennen gelernt hat, gelang es ihr sich zur Spitzensportlerin zu entwickeln.

 Es war ein Schlüsselerlebnis, als Trettin mit 29 anderen Kids in die Sportart hineinschupperte, die vor allem in Schottland, Kanada und der Schweiz beliebt ist. „Unsere Schülergruppe war zur Info-Tour nach Füssen eingeladen“, erklärt Trettin. Fasziniert vom Spiel mit den Granitsteinen trat die Schülerin anschließend in den neu gegründeten Club Geising ein, der bald Schlagzeilen in diesen Stadtteil von Altenberg machte. 

Vom Hörsaal aufs Eis 

Als Skip nahm Trettin schließlich mit ihrem Juniorenteam bei der Deutschen Meisterschaft 2000 teil und wurde Dritte. „Erster war natürlich Füssen mit der Dani (Daniela Driendl – Anmerk. d. Red.)”, mit der sie sich heute „fast schon schwesterlich verbunden” fühle, erzählt Trettin. Trotz dieses Erfolgs schlug sie zwei Jahre später nach dem Abitur einen anderen Weg ein: Trettin zog zum Jurastudium nach Dresden. Doch „diese Laufbahn war für mich nicht die richtige Wahl. Zudem hatte ich eine interessante Perspektive in Verbindung mit Curling entdeckt.“ 

Daniela Driendl – Mädchenname Jentsch – ist es gelungen, die Nachwuchs-Curlerin aus dem Geisinger Club zum Leistungssport zu motivieren. „In Danis Team einzusteigen, habe ich als Chance gesehen. Dafür wollte ich auch regelmäßig sehr hart arbeiten”, so Trettin. Möglich wurde der Weg ins Top-Curling über Sonthofen, wo „die Dani“ als Berufssoldatin stationiert war „und fleißig Curling in Hügelsheim in der Halle trainiert hat“. 

Nervös bei erster WM 

Auch Trettin gelang es, in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen zu werden und „diente“ zwei Jahre lang. „Durch Danis Familie war die Brücke nach Füssen gegeben, wo ich eine Ausbildung als Steuerfachangestellte gemacht habe und in diesem Beruf Vollzeit arbeite.“ Karin Lang aus der Partnerschaftsgesellschaft „Dorn & Lang“ hatte selbst Erfolge im Curlingsport gefeiert. „Auch schon im Vorgängerbüro Lecher hat mir mein Arbeitgeber die volle Unter-stützung gegeben“, so Trettin. Um den Leistungssport ausüben zu können, setzt sie Urlaubstage und nicht zuletzt auch eigenes Geld ein. Sie und ihr Team seien froh, „dass wir tolle Sponsoren auf unserer Seite haben.” 

Doch auch „jede neue finanzielle Hilfe ist uns herzlich willkommen”, fügt Trettin mit einem Lächeln hinzu. Während der Saison ist Freizeit für sie nur ein Fremdwort. Vom Büro geht es direkt nach Feierabend auf die Curlingbahn, zum Fitnessparcours oder zur Physiotherapie. Doch dieser Einsatz lohne sich, wie sie im Rückblick auf die „Erfahrungen bei meiner erste WM-Teilnahme“ betont. 

Gemeinsam mit dem Team das Prickeln zu spüren, wenn „Germany“ unter Beifall angesagt wird, sei fantastisch. Vor einer solchen Kulisse wie in Sapporo müsse sie dann kurz tief durchatmen. „Ich kenne meine Aufgaben auf der Curlingbahn. Dass ich dann plötzlich nervös bin, gehört dazu.“ In Japan kam sie zwei Mal auf der Position Lead zum Einsatz. Wenn sie als Guard einen Stein spielt, liegt der nach der Abgabe meist so präzise vorm Zielkreis wie es die jeweilige Spieltaktik vorsieht. 

Das Ziel: Olympia 2018 

Ihr großes Ziel ist es 2018 mit dem deutschen Team bei den Olympischen Spielen dabei sein, so Trettin. Jetzt steht allerdings nicht nur das Training am Bundesstützpunkt Füssen im Mittelpunkt. Trettin packt auch mit an, um das Turnier „Füssen & Friends“ vorzubereiten. Das Traditionstreffen der internationalen Curling-Familie findet an diesem Wochenende in Füssen statt. Und „dieses Mal bin ich nicht der Eismeister“, so Marika Trettin.

Chris Friedrich

Meistgelesene Artikel

EV Füssen übernimmt Tabellenführung

Füssen/Pfronten – Zwei Siege hat sich am Wochenende der EV Füssen erkämpft.
EV Füssen übernimmt Tabellenführung

Torreigen gegen Türkheim

Lechbruck – Zwei Siege und volle Punktausbeute lautet die Bilanz des ERC Lechbruck vom vergangenen Wochenende.
Torreigen gegen Türkheim

Der Favorit behält die Oberhand

Lindenberg/Lechbruck – Als Tabellenführer der Bezirksliga West hat sich am Samstag die Spielgemeinschaft Lindenberg/Lindau im Heimspiel gegen den ERC …
Der Favorit behält die Oberhand

Kommentare