Jörg Michelbach feiert am Sonntag Jubiläum beim 15. Tegelberglauf

Zum 2000. Mal auf dem Tegelberg

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Jörg Michelbach bei einem seiner Trainingsläufe oberhalb der Rohrkopfhütte am Tegelberg.

Füssen – Den Weg auf den Tegelberg dürfte Jörg Michelbach wohl mit geschlossenen Augen finden. Der 69-Jährige feiert am Sonntag, 7. August, beim 15. Tegelberglauf ein ganz besonderes Jubiläum: Den 2000. Aufstieg auf den Füssener Hausberg.

Doch von Langeweile keine Spur: „Manchmal laufe ich fünf, sechs Mal die Woche auf den Tegelberg. Das ist so schön, das macht mir Spaß“, so Michelbach. Für sein Jubiläum hat er sich kein Ziel gesteckt. „Ich genieße, dass ich der Einzige bin, der alle (Tegelbergläufe – Anmerk. d. Rd.) gelaufen ist. Mein Ziel fürs Alter ist so lange wie möglich am Tegelberglauf teilzunehmen“, erklärt der 69-Jährige.

Sein Rekord liegt bei 43 Minuten. Den hat er als 57-Jähriger aufgestellt. Auch heute noch schaffe er den Tegelberg „locker unter einer Stunde“, selbst im Winter. Mit seinen 69 Jahren tritt er am Sonntag in der M65 an. Das bedeutet, dass viele seiner Konkurrenten deutlich jünger sein werden. „Drei, vier Jahre machen da schon was aus“, so Michelbach.

Für seinen 15. Tegelberglauf erhofft er sich deshalb „Kälte, Regen und glatte Steine, weil ich mich da doch relativ sicher fühle und weil ich weiß, dass dann weniger antreten werden“, erklärt er schmunzelnd. Der Weg zum Berglauf war für Michelbach lang: Mit 42 Jahren begann er erst mit dem Leistungssport.

Davor lebte er in Dresden, wo er bereits seine Liebe zum Wandern entdeckt hatte. Mit der Ehefrau gings im Trabi oft in die Karpaten oder den Kaukasus.

150 km pro Woche 

Doch im Jahr 1989, kurz vor dem Mauerfall, hatten die Michelbachs ein anderes Ziel: Mit einem Visum für Ungarn fuhren sie nach Tschechien und von dort in die BRD. „Wir waren allein an der Grenze“, erinnert sich Michelbach. Und hatten Glück, keiner hielt sie auf.

Ihn und seine Frau verschlug es nach Schwangau, schon bald fand er Arbeit. Von seinem Arbeitsplatz hatte er „einen tollen Blick auf die Berge“. Die Sehnsucht wuchs, die ersten Bergtouren führten ihn auf den Säuling und den Branderschrofen.

Bald schon stieg auch der Ehrgeiz. „Ich wollte gut sein im Laufbereich“, erklärt Michelbach. „Mich reizt die Bewegung.“ Er lief und lief und lief und geriet so zum Leistungssport. Er kam zunächst zum Marathon und dann zum Ultramarathon. „Um richtig gut zu sein, muss man 150 Kilometer in der Woche laufen“, erklärt der 69-Jährige.

Deshalb sei er in der Vorbereitung unter anderem um den Forggensee gelaufen oder auch zehn Mal zur Alpe Beichelstein geradelt und im Anschluss das Ganze nochmal zu Fuß. Doch irgendwann konnte er aus gesundheitlichen Gründen an keinen Straßenläufen mehr teilnehmen.

Geringere Belastung 

Deshalb riet ihm sein Arzt zu Bergläufen. Dort sei die Belastung durch die kurzen Schritte nicht so hoch. Michelbach testete es aus und kam auf den Geschmack.

Und der Tegelberg wurde zu seinem Trainingsberg. Die Salober Alm und der Buchenberg seien ihm einfach „zu wenig. Da wird man kaum warm“, so der Füssener. Der Tegelberg sei dagegen anspruchsvoller und liegt auch noch direkt vor seiner Haustür. „Ich habe mir die Kondition fürs Laufen und Radfahren dort geholt. Ich kenne viele Leute, die ebenfalls regelmäßig dort hoch laufen“, so Michelbach.

Da ist zum Beispiel Claudia aus Peiting. Die „treffe ich fast jede Woche“, so der 69-Jährige. Und wenn einer vom harten Kern mal zwei, drei Wochen nicht am Füssener Hausberg gesehen wird, heiße es gleich. „Wo warst du denn so lang“, sagt der Füssener.

Gerade diese Gemeinschaft sei schön. „Es kann schon sein, dass sich an einem einfachen Berg Freundschaften fürs Leben ergeben.“ Denn in den Bergen falle einfach eine Blockade weg, da ist man gleich beim Du. „Man kann sich ganz normal unterhalten“, so Michelbach.

Fünfter bei DM

Daneben fasziniert ihn die Natur, der Ausblick aufs Alpenvorland. So habe er einmal eine Nacht unter freiem Himmel dort verbracht und sich die Sternenbilder angeschaut. Zudem steige er jedes Silvester mit den Schneeschuhen auf den Tegelberg.

Von dort oben könne man sogar den Schein des Feuerwerks von Augsburg und München sehen, erzählt Michelbach. „Das behalte ich bei, solange es geht.“ Bei solchen Ausblicken komme man selbst zur Ruhe und richte die Perspektive nach Innen, aufs eigene Leben. Der Nebeneffekt: Michelbach holte sich die Kraft und Ausdauer für größere Bergtouren. Denn auch hier hatte ihn der Ehrgeiz gepackt: Es sollte immer höher und schwieriger werden. Aber: „Für die Extremsachen bin ich zu alt.“

Da habe er einfach zu spät mit dem Leistungssport begonnen. So hatte er Angst, als er mit 43 Jahren zum ersten Mal in einem Klettergurt nur einen halben Meter über dem Boden hing, erzählt er schmunzelnd. Trotzdem hat er etliche 4000 Meter Berge bestiegen.

Er war unter anderem im Ötztal unterwegs, auf dem Watzmann, auf dem Matterhorn und dem Mont Blanc, dem höchsten Berg der Alpen. „Technisch ist der nicht schwierig“, so Michelbach. Die Herausforderung liegt da in der Höhe. Auch mit seiner Ehefrau nahm er einige hohe Berge in Angriff. So war er unter anderem mit ihr auf dem Cevedale. „Da war ich schon stolz auf meine Frau“, so Michelbach. Ü

berhaupt habe sie ihn „sehr unterstützt über die ganze Zeit. Sie fand das gut.“ Während seiner Berglaufkarriere habe er auch bei der Deutschen Meisterschaft teilgenommen. Seine beste Platzierung war hier der fünfte Platz. Ihm ist klar, dass auch bei ihm ein Suchtverhalten da ist. „Das ist beim Leistungssport bei jedem so.“

Wenn man jedoch die Spielregeln einhalte – sich regeneriere und gesund ernähre – sei viel möglich, ist Michelbach überzeugt. „Mein Anliegen ist es anderen Mut zu machen, die sagen, sie sind zu alt für Sport. Man kann mit kleinen Schritten anfangen.“ Er ist überzeugt: „Das Positive beim Sport ist, dass viele Wehwehchen gar nicht zum Ausbruch kommen. Viel heilt durch Bewegung.“

Er selbst sei gesund, erklärt Michelbach. Trotzdem will er künftig nur noch bei Wettkämpfen in der Region teilnehmen.

Acht Mal hoch und runter 

So war er beispielsweise bei der Tegelberg Challenge vor drei Jahren dabei. Da er nicht Skifahren kann, startete er dort mit Schneeschuhen – und musste im Gegensatz zu den Skitourengehern den Berg auch wieder nach unten laufen. „In den 24 Stunden bin ich acht Mal hoch und runter gelaufen“, so Michelbach.

Dabei habe er ca. 7000 Höhenmeter und rund 65 Kilometer zurückgelegt. Doch sein Ziel hat er damit nicht erreicht: Zehn Mal den Tegelberg zu bewältigen. Dem möchte er sein Leben lang treu bleiben – und auch noch darüber hinaus. „Ich sehe oft Leute, die sich so abquälen“ auf dem Weg zum Gipfel, so Michelbach.

Deshalb soll nach seinem Tod eine Bank mit seinem Namen am Weg zum Gipfel aufgestellt werden. „Damit die Leute sich ausruhen können.“ Doch bis es soweit ist, hofft Michelbach noch oft den Füssener Hausberg besteigen zu können.

Katharina Knoll

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