Riesenslalom

Maria Höfl-Riesch scheidet im Saisonfinale mit Knochenödem im rechten Knie aus

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Zum Glück hat sich Maria Höfl-Riesch nicht schlimmer verletzt.

Lenzerheide – Es war eine Schrecksekunde im letzten Rennen der Saison für Maria Höfl-Riesch. Die Fahrerin vom SC Partenkirchen war im Riesenslalom am Sonntag in der Schweiz im ersten Durchgang nach einem langen Linksschwung ausgeschieden, danach fasste sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht ans rechte Knie...

„Ich bekam einen Schlag, spürte einen Stich im Knie und brach daraufhin das Rennen ab“, schilderte Höfl-Riesch die Situation. Im ersten Moment konnte ein Kreuzbandriss nicht ausgeschlossen werden, doch im Laufe des Sonntag gab es Entwarnung. Die Untersuchung von Professor Christian Fink im Innsbrucker Privatklinikum Hochrum und eine Kernspintomographie brachten ein Aufatmen. Die Doppelolympia- siegerin zog sich nur eine leichte Knieverletzung zu: Ein Knochenödem im rechten Knie wurde diagnostiziert. Die Verletzung wird konservativ behandelt, eine OP ist nicht notwendig. „Ich bin sehr froh, dass ich mich nicht schwerer verletzt habe. In den nächsten Tagen werde ich mich behandeln lassen und die Verletzung ausheilen“, sagte Höfl-Riesch. Auch im letzten Saisonrennen war Tina Maze das Maß aller Dinge. Die Slowenin gewann den Riesenslalom vor der Französin Tessa Worley und Lara Gut aus der Schweiz. Viktoria Rebensburg verpasste das Podest als Vierte knapp. Weltmeisterin Worley verspielte im zweiten Lauf ihren großen Vorsprung aus dem ersten von 42 Hundertstelsekunden auf Maze, die in der Addition 0,35 Hundertstel schneller war als die Französin. Das Schweizer Publikum konnte den dritten Platz der Lokalmatadorin Lara Gut bejubeln, die Rebensburg um 36 Hundertstel auf Rang vier verwies. Mit dem Abschlusssieg brachte es Maze auf die historische Bestmarke von 2414 Punkten. Der Österreicher Hermann Meier hatte bislang die Gesamtweltcup-Bestmarke in einer Saison mit genau 2000 Punkten gesetzt (1999/2000). Der Vorsprung auf die Zweitplatzierte Maria Höfl-Riesch ist mit 1313 Punkten eindrucksvoll. Dritte wurde die Österreicherin Anna Fenninger mit 1029 Punkten vor den beiden US-Amerikanerinnen Julia Mancuso und Mikaela Shiffrin. Darüber hinaus kam Maze ins- gesamt 24 Mal auf das Siegertreppchen, zweimal häufiger als Maier vor 13 Jahren. Neben dem Gesamtweltcup gewann Maze außerdem die Wertungen im Super-G und im Riesenslalom, den Titel in der Abfahrt verfehlte sie nur um einen Punkt. Dieser ging kampflos an Lindsey Vonn, die sich bei der WM schwer am Knie verletzt hatte und bei drei Abfahrten des Winters ganz oben auf dem Treppchen stand. „Es war ein großartiges Gefühl, ihn nach der Saison in der Hand zu haben, den heiligen Gral“, sagt die Slowenin über die große Kugel und freute sich auch riesig über den Sieg zum Abschluss: „Das ist das beste Gefühl, das man haben kann. Wenn das heute nicht gut ausgegangen wäre, wäre ich nicht hundert Prozent happy. Obwohl ich das große Kristall und die Wertungen im Riesentorlauf und Super-G gewonnen habe. Man wird süchtig, der Sport ist dein Lifestyle. Ohne bist du nicht hundert Prozent glücklich. Gestern bin ich sehr enttäuscht gewesen.“ Höhepunkte gab es sehr viele: „Jedes Rennen war speziell. Wie ich in Sölden gestartet bin, war groß- artig. Dann der Super-G in St. Anton, weil es der erste Sieg in dieser Disziplin war. Dann vor Heimpublikum in Maribor zu gewinnen. Und der WM-Super-G, es war ein schwieriges Rennen, ich habe es geschafft, den Fokus zu halten. Und Garmisch, denn es war ein großes Ziel, noch einmal eine Abfahrt zu gewinnen, das war aufregend.“ Zum Verhältnis zu ihrem Lebensgefährten Andrea Massi, der auch ihr Trainer ist, meint sie: „Ich versuche, die Entscheidungen zu treffen, aber Andrea ist der Boss. Er ist da noch vom alten Schlag, der Mann ich der Chef. Auf einer Seite ist das auch gut, wenn ich Ski fahre, fühle ich mich nicht als Frau, ich fühle mich als Mann. Du musst den Sport machen wie sie und dich benehmen wie sie.“ Im Slalom am Samstag verpasste Maze die kleine Kristallkugel. „Ich war nervös vor dem Slalom, ich wollte diese Kugel und habe es nicht geschafft. Für mich war es das Schwierigste, das zu akzeptieren. Ich habe ein paar Fehler gemacht. Aber das gehört zum Sport, das lässt dich weitermachen, dich weiter verbessern“, sagte die Allrounderin, die am Ende 33 Punkte hinter Mikaela Shiffrin lag. Die US-Amerikanerin, die am Mittwoch ihren 18.Geburtstag feierte, lag vor dem letzten Slalom der Saison noch sieben Punkte hinter Maze. Doch dann legte im zweiten Slalomdurchgang gehörig vor. Fast zwei Sekunden hatte sie auf die Konkurrenz herausgefahren. Damit beeindruckte sie auch ihre schärfste Konkurrentin Maze. Die fuhr beim Finale lange nicht so befreit auf, wie im ersten Durchgang, den sie noch dominiert hatte. Gegen Shiffrins zweiten Fabellauf konnte sie aber zu wenig entgegensetzen. Maze fiel auf Platz drei hinter der Österreicherin Bernadette Schild zurück – und die kleine Kristallkugel der Slalomwertung ging an Mikaela Shiffrin. Dann rollten die Tränen: Shiffrin hielt sich nach dem Gewinn der Slalom-Wertung die Hände vor das Gesicht und weinte vor Rührung. „Es ist unglaublich, dass es noch funktioniert hat. Ich war so weit hinten nach dem ersten Durchgang. Im zweiten Lauf habe ich alles auf eine Karte gesetzt“, sagte sie. Einige Meter entfernt lehnte sich Ausnahmekönnerin Tina Maze beim Saisonfinale in Lenzerheide an ein Absperrgitter und heulte ebenfalls los, vor Enttäuschung. Dritte in der Wertung wurde Veronika Velez-Zuzulova aus der Slowakei. Maria Höfl-Riesch kam nach drei Torlauf-Ausscheidern in Folge auf Rang sieben und schnitt die Saison auf Rang neun im Slalom-Weltcup ab. „Tina hat hart gearbeitet, gut trainiert und ist sehr fokussiert. Sie ist jetzt wahrscheinlich genau da, wo sie sein wollte“, sagte sie. „Im Weltcup bin ich nicht konstant genug gewesen, auch wenn ich überall schnell war. Für das nächste Jahr muss ich an meiner Konstanz arbeiten. Das Ziel war, bei der WM Medaillen zu machen, das ist gut gelungen.“ Dazu bewertete sie das Torlauf-Abschneiden am Samstag letztlich als positiv, da die jüngsten Ausscheider arg auf das Gemüt gedrückt hatten.   tf

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