So sehen Sieger aus

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Julia Rösler mit ihrer Goldmedaille.

Ostallgäu/Los Angeles (USA) – Eine Goldmedaille und zwei fünfte Plätze im weltweiten Vergleich, dazu eine tolle Atmosphäre in der Metropole Los Angeles mit rund 6.500 Athleten aus aller Welt – die Fahrt zu den Weltmeisterschaften im Radeln ist für Julia Rösler das momentane Highlight ihrer sportlichen Karriere. Aber nicht nur dort.

Denn die Reise zu den diesjährigen Special Olympics in den USA war für die 26-Jährige auch in anderer Hinsicht eine Herausforderung. Die geistig behinderte Sportlerin machte ohne Eltern, nur in Begleitung ihres Teams und Betreuern, die Reise um die halbe Welt, um sich in der Disziplin Radfahren mit anderen Athleten zu messen. 

Julia Rösler stammt aus Obergünzburg, lebt aber seit vielen Jahren im Wohnheim der Lebenshilfe Kaufbeuren-Ostallgäu. Als die Lebenshilfe 2011 eine Radsportgruppe schuf, war für sie sofort klar: Da mache ich mit. Zweimal die Woche wird trainiert. 

Aus „einem bisschen Radeln“ ist dabei ganz schnell ein Hobby geworden, das viel Zeit und Kampfgeist in Anspruch nimmt, dafür aber auch mit sportlichem und persönlichem Erfolg belohnt wird – und nicht nur den Sportlern, sondern auch anderen Beteiligten eine Menge gibt. 

„Die Stimmung auf den Wettbewerben ist unglaublich, das macht so einen riesigen Spaß, da mit dabei zu sein“, erzählt Wolfgang Rösler, Julias Vater, im gemeinsamen Gespräch mit Blick auf regionale Wettbewerbe. In L. A. waren er und Julias Mutter nicht dabei. „Die Flüge wären zu teuer gewesen, außerdem war es für Julia eine tolle Geglegenheit, eine solche Erfahrung einmal ohne ihre Eltern zu machen“. 

Schade fanden es die Röslers deshalb, dass die Live-Übertragungen in Deutschland zu den Special Olympics eher knapp bemessen waren. „Da gibt es schon noch Nachholbedarf“, meint Wolfgang Rösler. Umso mehr, als die Special Olympics „eine tolle Möglichkeit sind, das Interesse am Behindertensport weiter zu fördern und zu zeigen, was auch geistig behinderte Menschen alles können, wenn man sie lässt“. 

Außer ihrer Goldmedaille im Fünf-Kilometer-Zeitfahren hat Julia Rösler noch zwei fünfte Plätze im Fünf-Kilometer-Straßenrennen und im Zehn-Kilometer-Zeitfahren erreicht. „Dass Julia mit einer Goldmedaille nach Hause kommt, war natürlich ein Wunsch, es war aber trotzdem eine tolle Überraschung und ein riesen Erfolg“, sagt der sportliche Koordinator bei der Lebenshilfe in Kaufbeuren, Markus Reichart. 

Außer Julia Rösler haben übrigens noch zwei weitere Athleten aus der hiesigen Region in L. A. Gold „abgesahnt“: Joel Kaiser (MOD) im Roller-Skate und Michael Huber (KF) im Halbmarathon.

von Michaela Frisch


Das Radteam der Lebenshilfe Ostallgäu 

Das Radteam der Lebenshilfe Ostallgäu besteht in der jetzigen Konstellation seit Oktober 2011. Einige Bewohner des Kaufbeurer „Weberecks“ nahmen erstmals 2010 am Mindelheimer Radkriterium teil. Dies war die Geburtsstunde der Radgruppe. Im Rahmen der Aufnahme der Raddisziplinen in das Programm von Special Olympics gesellten sich mehrere Sportler aus unterschiedlichen Wohnheimen und auch von außerhalb zur Radgruppe, die derzeit elf Sportler umfasst. Trainiert wird regelmäßig zwei Mal pro Woche, im Sommer draußen und im Winter drinnen. Die Teilnehmer bereiten sich zudem auf die jährlich stattfindenden Special Olympics sowie auf kleinere lokale Rennen vor, um dann – möglichst erfolgreich – daran teilzunehmen.

Die Organisation Special Olympics Deutschland 

Special Olympics Deutschland (SOD) ist die deutsche Organisation der weltweit größten, vom IOC anerkannten Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Schirmherrin ist Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck. 1968 von Eunice Kennedy-Shriver, einer Schwester von US-Präsident John F. Kennedy, ins Leben gerufen, ist Special Olympics heute mit fast vier Millionen Athleten in 170 Ländern vertreten.

Die Spiele 2015 in Los Angeles (USA) 

Bei den Special Olympics World Games Los Angeles 2015 gingen vom 25. Juli bis 2. August fast 7.000 Athleten aus 165 Ländern in 25 Sportarten an den Start. Special Olympics Deutschland ist mit einer 194 Personen umfassenden Delegation, bestehend aus 138 Athleten und Unified-Partnern aus 64 Einrichtungen und Vereinen, 45 Trainern und 11 weiteren Delegationsmitgliedern, bei den Weltspielen vertreten.

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