Das Aus für Ringen bei Olympia – Großes Unverständnis bei den Aktiven

"Kämpfer wollen Kämpfen"

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Sportdirektor des DRB: Jannis Zamanduridis.

Allgäu – Diese Meldung schlug ein wie eine Bombe: der Ringkampfsport soll laut Beschluss der IOC-Exekutive in Lausanne aus dem Olympischen Programm gestrichen werden.

Bei den Spielen in Rio de Janeiro 2016 wird wohl vorläufig die älteste Sportart der Welt zum letzten Mal ausgetragen. Auch Tage nach der Hammermeldung, dass das IOC das Ringen von der Liste der olympischen Disziplinen streichen will, ist die Frage nach dem Warum besonders groß. Doch die große Ringerfamilie lässt sich das nicht gefallen und schlägt zum Gegenangriff. Die Stimmung bei den Ringern schlug inzwischen um: von Entsetzen auf Kampf. DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis bringt es auf den Punkt. „Wir haben gelernt zu kämpfen, und das werden wir jetzt tun“. Erst wenige Wochen im Amt, dürfte auch ihm die Kinnlade heruntergefallen sein, als er von dieser Nachricht hörte. „Mit dieser Entscheidung stirbt ein Stück olympischer Gedanke“, spricht er damit wohl für seinen kompletten Trainerstab. Totales Entsetzen herrscht natürlich auch bei Manfred Werner, DRB- und BRV-Präsident. „Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Es war nie die Rede von einer Streichung der Ringer aus dem olympischen Programm“. In einem persönlich gerichteten Brief an Thomas Bach, DOSB-Präsident und IOC-Vizepräsident, zeigte sich Deutschlands Ringerchef bestürzt und fassungslos. „Mangelnde Medienpräsenz als Kriterium anzusetzen, heißt für uns doppelte Bestrafung. Denn gerade Olympia bietet uns und anderen Sportarten, die in einer vergleichbaren Situation sind, die einmalige Chance, ein breites Publikum anzusprechen und zu begeistern“, so der Veitshöchheimer (bei Würzburg). Allein 65.000 Mitglieder zählt der DRB, davon sind 470 Vereine im Ligabetrieb. Auch der TSV Westendorf gehört dazu. Thomas Stechele, Nachwuchs-Cheftrainer bei den Ostallgäuern dachte erst an einen Faschingsscherz seiner Buben. „Ich dachte erst, die wollen mich veralbern“, wollte er es anfangs gar nicht wahrhaben. „Mir ist dieser Gedanke nie zuvor gekommen. Das ist völlig unverständlich“, so Stechele, der in keinster Weise nachvollziehen kann, welche Sportarten an Stelle von Ringen nachrücken sollen: „Was ist denn Wushu?“ Sichtlich schockiert zeigte sich TSV-Ringer Steve Masuch. „Der Ringkampfsport wird mit so etwas kaputt gemacht“, ist er entrüstet über die Entscheidung des IOC. „Ringen wird doch eh schon kaum im Fernsehen gezeigt. Bei Olympia konntest du wenigstens etwas sehen“, gibt er die Hoff- nung nicht auf. „Wer weiß, was bis 2020 überhaupt noch passiert“. Er lasse in keinster Weise den Kopf hängen. Der 19-Jährige will ganz normal weiter trainieren und seinen Weg gehen. Thomas Stechele sieht mit der Entscheidung des IOC keine besonderen Auswirkungen auf seinen Verein, den TSV Westendorf. Für den Spitzensport befürchtet der Übungsleiter allerdings einige finanzielle Einbußen. „Da wird es wohl einige Fördergelder für den Verband weniger geben“, mutmaßt er. Für die Ringer dürfte es dadurch noch schwieriger werden, sich an der Weltspitze zu etablieren. Der Sportreferent des Bezirks Schwaben im Bayerischen Ringer-Verband (BRV), Peter Sedl-meir ahnte bereits gewisse Änderungen, „dass sie es aber komplett rausnehmen, ist schon krass“, ging er eigentlich „nur“ von einer Streichung des griechisch-römischen Stils aus. Derweil schlägt dem IOC ein eisiger Ostwind ins Gesicht, denn gerade in Osteuropa gehört Ringen zu den Nationalsportarten. In Russland, Aser- baidschan, im Iran, der Türkei, oder Armenien sorgt Ringkampf für volle Arenen. Bei der Weltmeisterschaft 2007 und der Europameisterschaft 2010 war die Heydar-Aliyev-Arena in Baku (AZE) mit 15.000 Plätzen restlos ausverkauft, 12.000 Zuschauer säumten die Ränge im Moskauer Olimpiskij bei der WM 2010, genauso viele dürften es bei der WM 2011 in Istanbul gewesen sein, die für eine grandiose Ringkampfstimmung sorgten. Doch auch in China, Japan, Korea, den USA und Kanada gehört der Ringkampfsport zu den angesehensten Sportarten. Der Ringkampfsport muss sich im Mai noch einmal bewerben, bei der Exekutive des IOC in St. Petersburg wird es dann Präsentationen von sieben weiteren Sportarten geben. Eine endgültige Entscheidung wird dann im September bei der IOC-Vollversammlung in Buenos Aires getroffen. 

Unterschriften-Aktion

Der Deutsche Ringer-Bund e.V. ruft in Form einer Unterschriftenaktion für den Erhalt der Sportart Ringen im olympischen Programm auf. Alle wichtigen Informationen gibt es online auf der Homepage des Bayerischen Ringer-Verbandes unter www.brv-ringen.de. von Stefan Günter

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