Internationale Erfolge

Kein Feierabendsport

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Aufwärmübung vor dem Einsatz: Stella Heiß (v.l.), Corinna Scholz, Konstantin Kämpf und Daniel Neuner im Oberstdorfer Eissportzentrum.

Oberstdorf/Landkreis – Weit weg vom biederen Feierabendsport der Eisstockschützen trumpfen die Curling- Sportler immer wieder mit internationalen Erfolgen auf.

Eine Sportart, die zwar ein Schattendasein fristet und zumindest in Deutschland wenig Popularität genießt, aber dennoch den ganzen Mann und die ganze Frau fordert. Ein Leistungssport, der auch im Rahmen der Sportförderung der Bundeswehr unterstützt wird. Immerhin gibt es vier Curling-Spezialisten bei der Truppe – zwei Soldatinnen und zwei Soldaten. Einer von ihnen ist Konstantin Kämpf aus Sonthofen.
Curling? Eisstockschießen auf höchstem Niveau? Ein paar Unterschiede gibt es durchaus. Curling ist die „höhere Schule“ sozusagen. Das Prinzip des Spiels ist beiden Varianten durchaus ähnlich: Zwei Teams wollen ihre Steine möglichst gut um ein Ziel, das sich in einiger Entfernung befindet, platzieren. „Nein. Mit dem traditionellen Eisstockschießen hat unser Sport nicht viel zu tun“, betont Konstantin Kämpf, einer der vier Sportsoldaten, für die dieser rätselhaft anmutende Sport aus Schottland zum „Tagesgeschäft“ gehört. Der 23-Jährige aus Sonthofen hat es in seiner langjährigen Curling-Karriere schon zu vielen Erfolgen gebracht – in verschiedenen Teams. Jetzt ist er selber „Skip“, also Mannschaftskapitän des erfolgreichen Team Allgäu aus Oberstdorf.
Viele internationale Titel holte er mit seinem Verein. Übers Reinschnuppern als junger Bursche kam Kämpf wie sein Kamerad Daniel Neuner zum Curling – wie andere zum Fußball. Das habe in gleich fasziniert, erinnert sich Kämpf. „Ein vielseitiger Mannschaftssport, der Konzentration und Ausdauer gleichermaßen fordert – und auch viel Spaß macht.“ Er blieb dabei und arbeitete sich über viel Training und Wettkämpfe nach oben bei den Curlern des EC Oberstdorf. Ideale Bedingungen: Top-Trainingsmöglichkeiten quasi vor der Haustüre und eine stattliche Anzahl von Curling-Begeisterten.
Typischer Einstieg in den Curling-Sport: Mal schauen, mal probieren. Eine Karriere, die so auch für die beiden anderen Curlingsportler der Bundeswehr begann: Stella Heiß aus Köln oder Daniel Neuner ging es nicht anders. Und für alle vier stellte sich irgendwann die entscheidende Frage wie es mit der Sportlaufbahn weitergehen könnte, nach Schulausbildung und Lehre oder Studium.
"Drängte sich auf"
„Irgendwie kam dann der Tipp mit der Bundeswehr“, erinnert sich Obergefreite Corinna Scholz. Weil sie wie ihre Teamkollegin Stella Heiß bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnahm und auf sich aufmerksam machen konnte, ergatterten die beiden tatsächlich einen der begehrten Plätze bei der Sportfördergruppe. „Das drängte sich regelrecht auf“, sagt Scholz. Jetzt könne sie den Sport mit dem intensiven Training und vielen Wettkämpfen sogar noch mit dem Lehramtsstudium in Augsburg unter einen Hut bringen und sei obendrein finanziell abgesichert.„Besser kann es kaum laufen“, bestätigt auch Stella Heiß, ebenfalls Obergefreite und Mitglied der Sportfördergruppe Neubiberg. Auch sie könne zum Beispiel nach den Vorlesungen noch mehrmals in der Woche von München nach Garmisch fahren, um zu trainieren. Ohne die Zeit für den Leistungssport wären die anhaltenden Erfolge nicht aus dem Ärmel zu schütteln. Immerhin haben die Curler von September bis Mai Saison mit Liga-Spielbetrieb und vielen Turnieren weltweit.
Tatsächlich können die Sportler im Trainingsanzug mit dem Bundesadler auf der Brust ihre Erfolge nicht herzaubern. Curling auf internationalem Niveau setzt entsprechendes Training voraus. „Ein paar Schübe am Feierabend reichen nicht aus“, weiß Kämpf. Für lange Turniere muss Kondition gebolzt werden, beim Laufen oder Biken etwa, dazu Krafttraining. Und eben Eistraining, die Feinheiten des Curlings, die tausendfach geübt werden. Es gibt – kaum zu glauben – viele Parallelen zum Auto-Rennsport: Konzentration über Stunden, Taktieren strategisches Denken sind Trümpfe. Ein Turnier könne mitunter Stunden dauern, sagen Kämpf und Neuner. „Da muss man bis zum Schluss bei der Sache sein können – körperlich wie mental.“ Nicht umsonst wird Curling auch als „Schach auf dem Eis“ bezeichnet.
Rundes muss ins Runde
Das Runde muss ins Eckige, heißt es beim Fußball. Beim Curling muss das Runde möglichst ins Runde, ins runde Ziel. Bei dem Spiel auf dem Eis, speziell aufbereitet und mitnichten spiegelglatt, versuchen zwei vierköpfige Teams ihre acht Steine möglichst dicht am Zentrum eines blauen Zielkreises, dem „house“ zu platzieren. Jeder Spieler schießt pro Durchgang zwei Steine für sein Team. Das Spielfeld ist 44,5 Meter lang und 4,75 Meter breit. Für jeden Stein, der näher am Mittelpunkt des Zielkreises, dem „tee“, liegt als der Stein des Gegners, bekommt die Mannschaft einen Punkt. Wer nach acht Durchgängen die meisten Punkte hat, ist Sieger der Partie.
Überhaupt geht es beim scheinbar beschaulichen Curling um Sekunden und sogar um Zehntel und Hundertstel: Akribisch verfolgen die Spieler die Gleitzeiten ihrer Steine, um für den nächsten Durchgang womöglich eine Idee schneller oder langsamer zu schießen. Selbst kleinste Fremdkörper auf dem Spielfeld können einen Stein „aus der Bahn“ werfen. Volkssport ist Curling zum Beispiel in Skandinavien und Kanada, auch in der Schweiz gibt es bei Turnieren volle Hallen. Ohne gute Sportmöglichkeiten keine Basis für guten Sport. Ohne Curlingbahnen kein vernünftiges Curling, keine Teams, keine Basis für einen dauerhaften Sportbetrieb, so die Rechnung. Umso wichtiger, da ist sich das Curling-Quartett der Bundeswehr absolut einig, sei die Form der Sportförderung durch die Bundeswehr. Sonst wäre Curling „Made in Germany“ auf internationalem Parkett undenkbar.

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