K1-Kickboxen

"Wir sind Weltmeister"

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Rums! Schwere Treffer landeten beide Kämpfer, doch am Ende lag Ibrahim Karakoc als neuer Weltmeister hauchdünn vor Kontrahent Antonio Dvorak.

Landsberg – „Wir sind Weltmeister“, hat Ibrahim Karakoc hineingeschrien in die Jubelstürme, die am Sonntagabend durch das fast ausverkaufte Sportzentrums tosten. Soeben war er nach einem harten Kampf gegen den US-Amerikaner Antonio Dvorak zum neuen ISKA-Champion im K1-Kickboxen gekürt worden. Doch der Weg zum ersehnten WM-Gürtel war ein weiter, sein Kontrahent hatte dem Landsberger Lokal­matador alles abverlangt. Entsprechend bange warteten die Fighter ebenso wie das Publikum auf das Urteil der Punktrichter, denn klare Vorteile hatte vorab keines der beiden Superschwergewichte verbuchen können.

Sechs Fights waren am Sonntag bereits über die Bühne gegangen, ehe es für Ibrahim Karakoc ernst wurde. In verschiedenen Gewichtsklassen ging es zur Sache, erfahrene Haudegen und junge Talente ließen Fäuste und Beine fliegen. Ringstrategen und Vollgas-Kämpfer waren genauso vertreten, wie der ein oder andere hochgeschossene Kämpfer. Doch der Einsatz stimmte immer und einige sehenswerte Schlag- und Trittkombinationen machten Lust auf mehr.

"Ibra" Karakoc holt sich den WM-Gürtel

Während Nachwuchshoffnung Kerim Can von Kickboxen Landsberg in seinem dritten Kampf die zweite Niederlage einzustecken hatte, verbuchte Stallkollege Benedikt Gruber einen klaren Sieg nach Punkten. Sein großes Engagement kam bei den knapp 1.200 Zuschauern an – es wurde laut im Sportzentrum. Doch dieser Geräuschpegel sollte noch einmal deutlich getoppt werden. Nachdem Oberbürgermeister Mathias Neuner den Ring geräumt hatte, betraten Ibrahim Karakoc und Antonio „Happy Feet“ Dvorak unter donnerndem Applaus die Halle.

Waren die mindestens 30 Kilogramm leichteren Vorkämpfer noch irgendwie durch die Seile geklettert, stieg der Koloss aus Minneapolis einfach darüber. Ein erstes Statement des 1,97 Meter großen und 127 Kilogramm schweren US-Boys. Von Beginn an entwickelte sich ein heftiges Gefecht zwischen den beiden Superschwergewichten. Wo in den Kämpfen zuvor noch die ein oder andere Sprung- und Flugeinlage für Applaus gesorgt hatte, regierte nun rohe Schlagkraft. Vorbei war es mit der tänzelnden Leichtigkeit, „Bums“ in Fäusten und Tritten war angesagt. Dabei erwischte Dvorak den besseren Start, Karakoc musste viel aus der Ecke heraus agieren. Ab der Mitte der ersten Runde war zwar sein Bemühen zu erkennen, das Zepter zu übernehmen, doch deutliche Treffer landete er nicht.

In die zweite Runde startete der Landsberger engagierter und das Publikum reagierte enthusiastisch: „Ibra, Ibra“-Rufe schienen die Decke des Sportzentrums geradezu anzuheben. Nach einem heftigen Infight in der Ecke flog TV Landsberg-Kameramann Stefan Schlageder die Ringstufen herab, konnte sich und sein Gerät aber mit Müh und Not retten. Dvorak kam wieder stärker auf; wer gedacht hatte, der nordamerikanische Champion bekäme ein konditionelles Problem, sah sich getäuscht. So auch Karakoc, der nach dem Fight einräumte: „Er war beweglicher und konditionell stärker als angenommen. Mein Plan war, die ersten beiden Runden zu überstehen und ihn dann fertig zu machen“.

Daraus wurde nichts, im Gegenteil. Der Landsberger kassierte in der dritten Runde einige heftige Treffer, Dvorak trieb sein Gegenüber immer wieder brachial in die Seile. Nach einem erneuten Scharmützel in der Ecke lag der Lokalmatador am Boden, doch der Schrecksekunde war lediglich ein Stolperer vorausgegangen. Die Verwunderung über das Durchhaltevermögen seines Gegners stand Karakoc jedoch kurz ins Gesicht geschrieben.

In die vierte Runde startete er wieder entschlossener, doch auch Dvorak blieb auf dem Gaspedal, erneut kam der Amerikaner zu klareren Aktionen. Die finalen zwei Minuten mussten damit die Entscheidung bringen. Unvermindert entschlossen gingen beide Kontrahenten zu Werke, hüben wie drüben setzte es Treffer. Aktiver mit seinen Beinen blieb Dvorak. Ein klarer Sieger war schwerlich erkennbar, entsprechend gespannt erwartete das Publikum das Urteil der Ringrichter.

Mit 48:47, 47:46 und 48:47 hatte am Ende Karakoc hauchdünn die Nase vorn, entsprechend groß war die Erleichterung bei dem Landsberger und seinen „hammer“ Fans. Antonio Dvorak hatte sich als absolut ebenbürtiger Gegner erwiesen, der nur hauchdünn am WM-Gürtel vorbeigeschrammt war. Der Applaus für den sympathischen Sportsmann fiel kaum geringer aus, als für seinen Gastgeber.

Bei Mama futtern

 „Schwerer als erwartet“, sei es gewesen, gab der neue Champion dann auch nach dem Kampf zu. In den ersten beiden Runden habe er sich um eine Nasenlänge vorne gesehen, die beiden folgenden Durchgänge hätte „Happy Feet“ für sich entschieden. Nun stünden erst einmal einige „cheat days“ an, also Tage, an denen Karakoc zumindest kulinarisch über die Stränge schlagen will. Der strenge Ernährungsplan rücke nun für eine Woche in den Hintergrund, bei „Mama und mit Freunden“ werde nun gefuttert, wonach ihm der Sinn stehe. Ein zumindest kleines Augenmerk liegt jedoch schon auf der Titelverteidigung: „Ich habe bereits Angebote aus dem Ausland und auch in Landsberg will ich noch mindestens einmal selbst kämpfen“, so der neue Weltmeister.

Rasso Schorer

"Fight Night" mit starken Kämpfern

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