Zwei Punkte verschenkt

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Alles andere als zimperlich ging Andreas Fülla (Mitte) mit seinen Duracher Gegenspielern um.

Landsberg – 20 Minuten Vollgas sind zu wenig – das mussten die Landesliga-Kicker des TSV Landsberg auch im Heimspiel gegen den VfB Durach erfahren. Beim 1:1 (0:1) zeigten die Lechstädter nur in der Phase nach der Halbzeit ihr wahres Leistungsvermögen und kamen davor und danach nicht richtig ins Spiel.

Obwohl man die Probleme, die für das 1:4 in Oberweikertshofen ausschlaggebend waren, genau erkannt und besprochen hatte, ging es auch gegen die Oberallgäuer ähnlich los: Vor allem im Zentrum stand man zu weit von den Gegnern weg, wirkte nicht agil, kam nicht richtig in die Zweikämpfe und konnte nach vorne praktisch keinen Druck aufbauen. Die Gäste, wiewohl in ihren Mitteln durchaus eingeschränkt, nahmen das Geschenk dankbar und schnell an. Nach 2:28 Minuten verloren die Landsberger bereits zum vierten Mal den Ball, 18 Sekunden später lag er im Tor: Durachs Schedel durfte fast unbedrängt den langen Pass schlagen, Ostheimer ließ noch den herausstürzenden Heiland stehen und schob ins leere Gehäuse zum 0:1 ein. „Durchaus verdient“, wie TSV-Coach Sven Kresin fand, „wir waren wieder nicht griffig genug, das war eine Halbzeit, die ich gerne vergessen möchte.“

Wie es anders geht – und vor allem, was die Mannschaft zu leisten vermag – zeigte man dann nach Wiederanpfiff. Noch war keine Minute gespielt, da schlug Sanktjohanser einen sehenswerten Diagonalball auf Salemovic, der bediente an der rechten Eckfahne mit der Hacke Fülla und dessen präzise Flanke köpfte Strohhofer in bewährter Manier zum 1:1-Ausgleich ins Netz. Danach schien es kurz, als ob für Durach alles etwas zu schnell gehen würde. Ein Gewaltschuss von Krötz wurde gerade noch geblockt (50.), nach der folgenden Ecke retteten die Allgäuer zweimal in höchster Not auf der Linie (51.), nach einem Solo gegen drei Mann schoss Storhas freistehend einen knappen Meter rechts vorbei (62.), eine Minute später tauchte Salemovic vor dem Gehäuse auf, visierte aber beim Abschluss offensichtlich ein Verteidigerbein an.

Das beruhigte den bis dahin lautstarken Kresin an der Außenlinie ein wenig, doch prompt war danach der Spielfluss erneut wie abgeschnitten – was dem Trainer durchaus Kopfzerbrechen bereitet. „Solange ich draußen schreie und rumhample, läuft es und dann hören wir wieder auf“, rätselt er und stellt fest: „Vielleicht sollte ich so viele Lutschpastillen mitnehmen, dass meine Stimme das 90 Minuten durchhält.“

Zurückgepfiffen

Gegen Durach konnte seine Truppe aus dem Zwischenhoch jedenfalls kein Kapital schlagen, nahm sich wieder etwas zurück und hatte eine Viertelstunde vor Schluss sogar noch großes Glück, als der Schiedsrichter zum wiederholten Male Probleme mit der Vorteilsregel offenbarte und nach einem Landsberger Foul an der Mittellinie zwei Duracher aus dem 2:1-Konter zurückpfiff. VfB-Trainer Christl konnte sich angesichts des Fehlers gar nicht mehr beruhigen und wurde von der Bank verwiesen.

Erst gegen Ende der Partie konnte der TSV noch einmal Druck aufbauen (vor allem über Salemovic), insgesamt war es aber zu wenig, was man den 220 Zuschauern anbot. Warum man wieder in die alten Muster zurückfiel, hat Kresin noch nicht herausgefunden. Am mangelnden Willen liege es nicht, „manchmal wirken die Spieler ein bisschen gehemmt, aber das ist mit Sicherheit nicht das, was Co-Trainer Christian Detmar und ich ihnen vermitteln wollen. Noch dazu haben wir eine Achse, auf der Spieler mit 26 bis 35 Jahren stehen, da sollte dann die Erfahrung da sein, so ein Spiel durchziehen zu können.“ Zumal die Probleme im Training nicht auftauchen. „Wer das sieht, müsste glauben, dass wir zwei unterschiedliche Mannschaften haben“, berichtet der 37-Jährige von der ersten Übungseinheit nach den „zwei verschenkten Punkten“.

Dennoch wird es am kommenden Samstag im Heimspiel (14 Uhr, Hacker-Sportpark) gegen Illertissen voraussichtlich personelle Änderungen geben, wie Kresin durchblicken lässt. „Ich kann keine Trainingsweltmeister gebrauchen, die Mannschaft muss insgesamt ihre Leistung dann abrufen, wenn es zählt“, sagt er. Damit dürfte die Chance für den einen oder anderen Reservisten auf einen Platz in der Startelf gekommen sein, während andere durchaus infrage stehen – „von zwei, drei Spielern war das ganz einfach zu wenig“.

Unangenehm

Kresin hat Illertissen am vergangenen Wochenende beim 1:1 gegen Oberweikertshofen beobachtet und eine starke Elf gesehen, die den Gegner teilweise an die Wand spielen konnte. „Die sind auch mit Ball schnell, beweglich, haben gute Fußballer, denen nur teilweise die Erfahrung fehlt“, befand der Coach und warnt, „das kann unangenehm werden.“ Das sollte sein Team allerdings ohnehin wissen: In der vergangenen Saison brachten die Illertisser dem TSV Landsberg beim 1:5 die höchste Heimniederlage bei.

Christoph Kruse

Wenigstens ein Punkt beim Heimspiel

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