TSV Landsberg verliert

Rabenschwarzer Spieltag

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Gästetorwart und Ex-Kaufbeurer Tobias Heiland hatte jede Menge zu tun, dennoch blieb es beim 1:0 für Kaufbeuren und die Landsberger stempeln die Partie unter „einfach schief gelaufen“ ab.

Landsberg – Wenn schon ausnahmsweise einmal schlecht, dann richtig: Beim TSV Landsberg lief im Landesliga-Derby in Kaufbeuren von Anfang bis Ende gar nichts zusammen, mit 0:1 verlor man ein Spiel, das insgesamt auf bemerkenswert schwachem Niveau stattfand.

„Wir machen einen Haken drunter“, so TSV-Coach Sven Kresin, „solche Tage gibt es, wir holen uns die drei Punkte eben woanders wieder.“ Für den Tabellenführer ist die Niederlage zu verschmerzen. Zwar rückte Gundelfingen damit wieder auf acht Punkte heran, hat aber bekanntlich schon ein Spiel mehr; Kottern kam nur zu einem 2:2 in Mering und liegt ebenfalls weiter acht Zähler hinter dem TSV. Dazu kommt, dass die Landsberger weiter eine höchst respektable Bilanz aufweisen: Lediglich viermal ging man bisher als Verlierer vom Platz, von den letzten zwölf Spielen gewann man neun und hat auch deshalb die deutlich beste Torbilanz der gesamten Landesliga Südwest.

Umso überraschender kommt da ein Auftritt wie der in Kaufbeuren. Von Beginn an brachte man keinen Spielfluss zustande, es entwickelte sich eine eigentümlich leblose Partie. „Manchmal merkt man das schon beim Aufwärmen, dass irgendetwas nicht passt“, resümiert Kresin, „und das Spiel lief dann auch so.“ In der Tat war in der ersten Viertelstunde meist ein Akteur der beiden Teams damit beschäftigt, den Ball nach einer missglückten Aktion aus den beträchtlichen Weiten des Kaufbeurer Sportgeländes in Richtung Spielfeld zurückzuholen, Zuschauer und Spieler betrachteten diese Unterbrechungen reglos und schweigend.

Zu weit weg

„Es entwickelte sich da von Anfang an keine Stimmung“, bemerkte auch der TSV-Trainer, der schon während des Spiels versuchte, seine Mannschaft aus der Lethargie zu reißen. „Da stehen wir viel zu weit weg, Jungs“, rief Kresin nach 33 Minuten noch ins Spielfeld. Damit hatte er zwar recht, seine Spieler hörten ihn aber offenbar nicht, denn nur Sekunden später ließ sich die Landsberger Hintermannschaft mit drei einfachen Pässen aushebeln, Ünal verzog dann allerdings vom linken Strafraumeck.

Damit war es an spielerischen Höhepunkten aber auch fast schon getan. Die Gastgeber präsentierten sich harmlos, die Gäste indisponiert und unkonzentriert. Kresin hatte schon vor der Pause genug gesehen und schickte Hauke nach 42 Minuten zum Aufwärmen, um Elmin Korora abzulösen. „Der hatte einen rabenschwarzen Tag“, so der Trainer, „aber damit war er nicht alleine.“ Hauke wiederum legte dann nach wenigen Sekunden gleich seinem Gegenspieler den Ball im Strafraum vor, Schmidbauers Schuss konnte Heiland aber noch rechts am Pfosten vorbeilenken.

Entsetzen über Strafstoß

Zu allem Überfluss trug auch der Schiedsrichter seinen Teil zu der zerfahrenen Partie bei und verlegte sich mit zunehmender Spieldauer immer mehr auf Diskussionen mit den 22 Akteuren. Sieben gelbe Karten verhängte der Mann in Schwarz in einer fairen Partie letztendlich – fast alle wegen angeblichen Reklamierens. Der Unparteiische stand auch bei der spielentscheidenden Szene im Mittelpunkt. TSV-Verteidiger Stahl ließ sich mit einem Diagonalball düpieren und konnte seinen Gegenspieler nur noch durch einen Rempler mit der Schulter bremsen. Der Kaufbeurer lief noch einige Meter, stürzte dann, der Referee entschied zum Entsetzen der Landsberger Bank auf Strafstoß. „Lächerlich“, fand Kresin, „da müsste es in der Bundesliga an jedem Wochenende hundert Elfmeter geben.“ Allerdings: „Man kann im 16er natürlich auch anders an seinen Gegenspieler hingehen.“

Ali Ünal, Kaufbeurens bestem Akteur, ging zwar zum Ende sichtlich die Luft aus, in dieser Szene reichte sie allerdings noch: der Angreifer verlud Heiland vom Punkt aus und traf zum 1:0. Viele Zuschauer beschlich schon in den nächsten Minuten die Ahnung, dass es das an diesem Nachmittag auch schon gewesen sein könnte. „Ich hätte erwartet, dass nach dem Elfmeter etwas mehr Reaktion kommt“, ärgerte sich Kresin später. Seine Mannschaft fand in den letzten 30 Minuten aber gar nicht mehr ins Spiel.

Die Landsberger kamen nicht in die Zweikämpfe, waren hinten anfällig, im Aufbau ungenau und auf den Offensivpositionen ungewohnt harmlos. „Die zweiten Bälle gingen allesamt an Kaufbeuren“, analysierte der Trainer, der ein Spiel „auf Bezirksliga-Niveau“ gesehen hatte. Die Hausherren wiederum konnten die Schwächen beim TSV nicht nutzen und waren oft schon im Mittelfeld mit ihrem spielerischen Latein am Ende. Bis auf einen gefährlichen Konter in der 87. Minute brachten auch die Ostallgäuer nichts Nennenswertes zustande.

Wieder gut machen

Tage, an denen alles derart schieflief, gab es für den Spitzenreiter in dieser Saison selten. Vor dem Kaufbeuren-Spiel präsentierte man sich zuletzt im August in Oberweikertshofen ähnlich schwach und kassierte beim Aufsteiger mit 1:4 die höchste Saisonniederlage. Da passt es gut, dass der SCO am Samstag (14 Uhr) im Hacker-Sportpark zu Gast ist. „Wir haben etwas gutzumachen und werden sicher nicht noch einmal eine solche Leistung abliefern“, so Coach Sven Kresin gelassen. „Da muss ich meinen Spielern gar nicht groß etwas erzählen.“

Christoph Kruse

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