Ein kleiner Bayer gibt Gas

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Luca Göttlicher ist mit seinen gerade einmal sieben Jahren der bisher jüngste Deutsche Pocket Bike Meister.

Schwifting – Während andere Buben sich auf dem Fußballplatz austoben, steigt Luca Göttlicher lieber auf sein Rennmotorrad und dreht Runde um Runde mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern. Der gerade mal siebenjährige Junge aus Schwifting ist einer der jüngsten „Mini-Rennfahrer“ Deutschlands. Auch „Lucky Luc“ genannt, wurde er diesen September, bereits 18 Monate nach der Sichtungsfahrt am Sachsenring, der bisher jüngste Deutsche Pocket Bike Meister im ADAC Pocket Bike Cup.

Schon zu seinem vierten Geburtstag bekam er von seinem Vater Herwig Göttlicher eine Yamaha PW 50 zum Geburtstag geschenkt, mit 5 Jahren fuhr er erfolgreich eine KMT SX 50 mit 12 PS im Motocrossgelände und Wettkämpfe. Seitdem absolviert Luca regelmäßig als einer der Besten zahlreiche Rennen, im Inland sowie im Ausland. Allein dieses Jahr absolvierte er über 15 Rennen mit meist jeweils zwei Tagesläufen.

Auf dem Bike ganz groß

Er kann eine stattliche Pokalsammlung präsentieren, zum Beispiel vom ADAC Pocket Bike-Cup, dem KTM-Kini Alpencup oder der Süd Bayern Serie im Rahmen des ADAC Clubsport Serie Motocross. Dank passender Schutzkleidung der Nolan Deutschland Group wurde Luca ei seinem Hobby noch nie verletzt.

Hohe Kosten 

Das Hobby ist – selbst in diesem Alter – sehr kostenintensiv. Luca trainiert für die Wettkämpfe überwiegend im Osten Deutschlands oder in Tschechien, da es kaum Trainingsstrecken in seiner Umgebung gibt. In den Wintermonaten fährt das Vater-Sohn-Duo nach Villingen-Schwenningen in die Trainingshalle MX-Raceland und in die norditalienische Stadt Rivarolo Mantovano. Zudem bietet Spanien im Winter optimale Trainingsbedingungen, weswegen Luca und Herwig Göttlicher jedes Jahr dorthin fahren, was aber eine sehr teure Reise darstellt. 

Weil Luca mit bereits 4 Jahren mit dem Sport begann, sind alle seine Fahrwerke der Rennmaschinen – von denen er jedes Jahr mindestens eine neue benötigt – Spezialanfertigungen der Firma HH Race-Tech in Rottenburg. Daher ist Lucas Vater ständig auf der Suche nach Sponsoren, auch wenn es nur um kleine Beträge geht, um seinen Sohn auch künftig unterstützen zu können. Das ist keine leichte Aufgabe, denn neben den Kosten ist der Sport auch sehr zeitaufwändig, insbesondere durch das intensive Training.

Leidenschaft Motorrad 

Bisher hat Luca schon über 300 Stunden allein auf KTM SX 50 Motocrossstrecken verbracht, sitzt bis zu drei mal wöchentlich auf einem Motorrad und wird gelegentlich zum Showfahren auf Messen und Firmenevents eingeladen. Herwig Göttlicher schätzt sich daher sehr glücklich, einen verständnisvollen und unterstützenden Arbeitgeber zu haben, da sich der gesamte Alltag in dem „Männerhaushalt“ in Schwifting ausschließlich um Lucas Leidenschaft dreht. „Alles, was Räder hat, liebt Luca, und ich stehe voll und ganz hinter ihm“, erklärt der Vater. Auch Schulstress ist kein Grund für den Jungen, sein Talent nicht unter Beweis zu stellen und noch weiter auszubauen. „Ich kann noch so viel lernen“, so Luca.

Nach bereits vielen Erfolgen stellt er sich nun einer neuen Herausforderung: dem Mini- Bike. Die Schwierigkeit bei dieser Maschine liegt unter anderem darin, dass sie, im Gegensatz zu seinen bisherigen Fahrzeugen, kein Automatik-Getriebe, sondern ein Schaltgetriebe besitzt. Außerdem verlangt sie mehr Kraft. Aus diesen Gründen fahren sie normalerweise erst Kinder zwischen neun oder zehn Jahren. Luca aber hat trotzdem schon Erfahrungen gesammelt, unter anderem im Mai dieses Jahres mit einer Honda NSR auf der Kartbahn in Bobingen, wo er von Ronny Heinrich eingewiesen wurde.

Mittlerweile wurde sogar das Ausland auf Lucas Fahrkünste aufmerksam. Diesen August wurde Luca neben vier weiteren europäischen Nachwuchsfahrern von der Katalonischen Föderation der RAAC in Alcarraz, Spanien, zu einer Sichtungsfahrt eingeladen. Nun darf er aufgrund seiner gezeigten Leistung und schnellen Auffassungsgabe mit dem Mini- Bike in der kommenden Saison die komplette spanische Meisterschaft „Mini GP“ in der Klasse Promo 50 bestreiten. Dort begannen neben dem aktuellen Moto GP Weltmeister Marc Marquez auch viele andere Fahrer, die heute Weltmeisterschaften fahren, ihre Karriere. Im Moment steht nun der Flug nach Spanien an. Dort wird Luca am letzten Novemberwochenende einen Zweitagestest mit seinem neuen Bike im Parcmotor Castellolí und einige Termine mit Journalisten und Fotoshootings absolvieren.

Spaß ohne Druck 

Luca hat inzwischen viele Freunde und viel Freude im Motorsport gefunden. Der Spaß am Sport ist Vater und Sohn sehr wichtig. Auf die Frage ob mal ein ganz großer Rennfahrer aus ihm werden könnte, antwortet Herwig Göttlicher nur: „Wir sind ganz am Anfang, darüber mache ich mir noch gar keine Gedanken. Luca soll einfach Spaß haben und sich entwickeln können ohne Druck.“ 

Die Meisterschaft erfordert natürlich neben dem hohen Zeitaufwand vor allem einen großen finanziellen Aufwand. Aufgrund der Distanz und zeitbedingt ist es ohne Flug und Mietwagen nicht zu schaffen. Ohne Partner und Sponsoren ist es nicht zu meistern und Papa Herwig ist bereits auf Suche nach interessierten Partnern. „Wir sind für alles offen und können von Werbung auf Motorräder und Wohnwagen bis hin zur eigenen Werbeplattform alles bieten“, erklärt Papa Herwig und freut sich über jede Kontaktaufnahme über Lucas Facebook-Seite und Unterstützung bei Rennen.

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