Rotterin holt olympisches Edelmetall

Die Aschenputtel-Story von Rio

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Vor der Entscheidung: Auch wenn Monika Karsch das Finale nicht für sich entscheiden konnte, ist die olympische Silbermedaille ein riesiger Triumph für sie und den deutschen Verband.

Rott – An Dramatik nicht zu überbieten war der Auftritt, den Monika Karsch am gestrigen Dienstag bei den Olympischen Spielen hingelegt und mit einer Silbermedaille gekrönt hat. „Wahnsinnig viel Energie“ hatte es gebraucht, um sich im Finale zurück zu kämpfen, gab die 33-Jährige, die in Rott aufgewachsen ist, nach ihrem Herzschlag-Showdown gegen die Griechin Anna Korakaki zu. Und auch die Durchgänge davor dürften ihren Nerven gezerrt haben, denn immer wieder hatte sich Karsch bei den Wettkämpfen mit der Sportpistole in Rio aus verzwickten Situationen befreien müssen.

Schon nach dem geglückten Halbfinale war die Schützin in der Olympia-Schießanlage Deodoro freudetrunken auf und ab gesprungen. Denn mit dem geglückten Einzug in die finale Runde war klar, dass an diesem Tag mindestens die Silbermedaille um Karschs Hals baumeln würde. Eine echte Aschenputtel-Geschichte nahm ihren Lauf, denn das Olympia­-Debüt der Rotterin war überhaupt erst dadurch zustande gekommen, dass der Deutsche Schützen Bund den Weltverband um einen Tausch des Quotenplatzes ersucht hatte. Diese Möglichkeit hatte sich aufgetan, da die Gewehrschützen Daniel Brodmeier, Mitglied bei der FSG Dießen, der am Freitag und Samstag in Geschehen in Rio eingreifen wird, sowie Barbara Engleder als Doppelstarter in Rio antreten sollten. Und das zahlte sich aus: Mit ihrem Erfolg befreite Karsch den Nationalverband aus einer Schockstarre, die die historische Nullnummer 2012 in London, als kein deutscher Schütze mit Edelmetall im Handgepäck nach Hause kam, hervorgerufen hatte.

Doch der Weg zur Medaille war ein weiter: Nach dem ersten Halbprogramm der Qualifikation, dem Präzisionsdurchgang, lag Karsch mit 289 Ringen aus 30 Schuss auf Rang 15. Keine ganz schlechte, aber auch keine berauschende Ausgangsposition, um drei Ringe gutzumachen und zum notwendigen Sprung unter die Top Acht anzusetzen. Doch im Duellmodus klappte dann alles wie am Schnürchen: Karsch, die mit der Luftpistole Tage zuvor früh ausgeschieden war, beendete die Qualifikation mit starken 583 Ringen gesamt auf Platz 4 – der Einzug ins Semifinale war geglückt.

Dort war unter acht Kontrahentinnen mindestens die zweitbeste Leistung nötig, um die Tür zum Finale aufzustoßen. Die Deutsche erwischte einen weniger guten Start und fand sich nach zwei Serien à fünf Schuss mit sechs Treffern nur auf dem 5. Rang wieder. Und es ging noch schlimmer: Zwischenzeitlich hatte auch ihre Waffe bei einer Probeserie den Dienst quittiert. Eine schwierige Situation, wie die Olympia-Heldin selbst im Nachhinein feststellte. Doch Karsch fand ihren Fokus mit der Ersatzpistoler, im dritten Durchgang traf sie starke viermal. Der Anschluss zur Spitze war wiederhergestellt. Nach vier weiteren Treffern in der vierten Serie lag die Wahl-Regensburgerin mit zwei gleich zielsicheren Konkurrentinnen hinter der führenden Korakaki auf der wichtigen 2. Position. Ein fünfter Durchgang musste entscheiden, wer der erst 19-jährigen Griechin ins Finale folgen sollte. Und abermals bewies die Mutter zweier Kinder Nervenstärke. Wieder traf sie viermal ins Ziel – der Kampf um Gold konnte nach einem Freudentänzchen beginnen.

Im Finale wiederholte sich das bekannte Muster: Korakaki, mit der sich Karsch regelmäßig in der Bundesliga misst, legte einen Start nach Maß hin. Drei Serien in Folge gingen allesamt und teils deutlich an die Griechin. Von den ersten sieben Schüssen Karschs traf gerade mal einer das Ziel. Die 33-Jährige wirkte ernüchtert, Bundestrainer Detlef Genz verfolgte das Geschehen mit resignierter Miene. Es roch nach einer glatten Pleite, doch wieder kam die ehemalige Rotterin zurück: Beim Stand von drei verlorenen Sätzen und 0:6 Punkten gelang es ihr, den Bock mehr und mehr umzustoßen. Eine unentschiedene Serie hätte gereicht und das Finale wäre gelaufen gewesen, doch drei siegreiche Durchgänge am Stück katapultierten Karsch zurück auf Augenhöhe. Klar irgendwie, dass die Entscheidung mit dem letzten Schuss der finalen Serie fiel. Die Deutsche setzte ihren Versuch daneben, Korakaki traf. Dennoch war der Jubel groß: „Wahnsinn, das ist wirklich ein Traum“, freute sich Karsch, die im Anschluss ans Finale noch einige Tage die olympische Atmosphäre aufsaugen will und am Sonntag den Heimflug antritt.

ras

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