Eisfrei in Denklingen

Das Ende ist noch nicht besiegelt!

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Da war die Welt noch in Ordnung: In der Saison 2012/13 peilte der VfL Denklingen unter Coach Markus Weiß die Meisterschaft in der Bezirksliga an. Das Archivfoto zeigt VfL-Torhüter Christian Merkle in Aktion.

Denklingen – Fast geräuschlos geht in diesen Wochen eine bedeutende Ära im Landkreis-Eishockey nach fast 50 Jahren zumindest vorerst zu Ende. Der VfL Denklingen wird keine Mannschaft mehr für den Spielbetrieb 2015/16 melden, teilte der Verein unlängst mit. Abteilungsleiter Werner Kößl sieht das Ende aller Tage aber noch nicht ganz vor der Türe: „Wir haben vereinbart, dass wir im nächsten Jahr weiter trainieren und schauen, ob und wie es in Zukunft möglicherweise weitergehen könnte“, sagt er auf Anfrage des KREISBOTEN.

Sportliche Erfolglosigkeit dürfte es nicht gewesen sein, die die Abteilung zu dem gewichtigen Schritt veranlasst hat. Mit 14 Siegen schloss man die jüngste Bezirksliga-Saison auf Platz 4 ab, der 35-jährige Kößl selbst brachte in seinen zwölf Spielen 13 Tore und 27 Vorlagen auf den Scorerzettel – ohne jede Strafminute.

Allerdings fehlt es dem Kader seit Jahren an Tiefe. Zwar standen in der abgelaufenen Saison sagenhafte 36 Spieler auf der Meldeliste des VfL, doch bei genauerem Hinsehen relativiert sich das Bild schnell. Ein guter Teil rekrutierte sich eher theoretisch aus Nachwuchsspielern des Kooperationspartners HC Landsberg. „Da kann man sich die Spieler aber auch nicht herbeizaubern. Wenn die dort schon durch Jugend- und Senioren-Spiele eine Doppelbelastung am Wochenende haben, geht halt irgendwann nicht noch mehr“, weiß Kößl nicht erst seit mehreren Gesprächen mit den HCL-Verantwortlichen.

Keine Neuzugänge

Seiner Erfahrung nach fehlten in den letzten Jahren unter anderem die Neuzugänge zum VfL. „Wir haben ein Umfeld mit sehr vielen Vereinen, das macht es für uns nicht einfach.“ Nicht nur Apfeldorf und Buchloe in der Bezirksliga, auch Schongau und Bad Wörishofen, jeweils eine Klasse höher, stellten Alternativen für die jüngeren Akteure dar.

Dazu kommt, dass in Denklingen immer mehr Akteure der „alten Garde“ nach und nach ausfielen. Markus Weiss und Christian Reuter (beide 48) dürften ihren Leistungszenit bereits knapp überschritten haben, aber auch andere Stammkräfte stehen im Moment nicht mehr zur Verfügung. Werner Kößl: „Bei einigen ist es die Belastung durch die Arbeit, andere bauen und können nicht mehr jede Woche zum Training kommen. Wenn man nur noch wenige Spieler hat, auf die man regelmäßig zählen kann, geht es irgendwann nicht mehr.“

Bedauerlich ist diese Entwicklung schon deshalb, weil die Eishockey-Abteilung des VfL seit der Spartengründung 1964 nie ein Bezirks- oder Landesligist wie jeder andere war. Die Denklinger Fritz und Manfred Gayer sowie Jockl Ried wechselten von dort später zum EV Landsberg und feierten lange oberklassig große Erfolge, bevor sie zu ihrem Heimatverein zurückkehrten. Auch andere Landsberger Spieler traten noch viele Jahre nach ihrem Profi-Rücktritt für Denklingen an.

Werner Kößl selbst hat es ebenfalls zu viel gebracht – wie große Teile des legendären „Kößl-Clans“. „Ich habe noch unter Larry Mitchell in der Oberliga in Landsberg gespielt, danach in Peiting“, berichtet er und klärt auf Nachfrage auch auf, dass es tatsächlich „nur“ fünf Kößls waren, die bei Denklingen maximal auf dem Spielberichtsbogen standen.

In der 2. Liga

„Das ist eigentlich ganz einfach, wir sind zwei Brüder, Martin hat auch für den EVL und Schongau gespielt. Außerdem gibt es drei Cousins, auch alle Brüder.“ Deren bekanntester dürfte Helmut Kößl sein, der für Straubing und Ingolstadt auch in der 2. Liga spielte, allerdings nur einige Gastspiele für den VfL absolvierte.

In der Aufzählung fehlt noch das für den Verein wichtigste Familienmitglied, Rudi Kößl. Der hatte von 1983 bis 2008 ganze 25 Jahre die Abteilung Eishockey in Denklingen unter sich. Der Vater sei, auch im Vorstand, immer noch aktiv, weiß Werner Kößl, „der hört das nicht so einfach auf.“ Möglicherweise gibt es damit 2016 tatsächlich eine Fortsetzung der langen Geschichte des Eishockeys in Denklingen.

Christoph Kruse

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