Ein Penzinger in Rio

"Drückt mir die Daumen"

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Tobias Englmaier (blau) kämpft sich durch: Nach seiner Genesung arbeitet er entschlossen an der Form für Rio. Am Ende will er vor allem seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden.

Penzing – Bis zuletzt war Zittern angesagt: Denn während Judoka Tobias Englmaier frisch operiert darum bangte, überhaupt rechtzeitig wieder fit zu werden, sammelten seine Verfolger in der Weltrangliste Punkt um Punkt. Und diese Zähler hatten eine weitreichende Bedeutung, ging es doch um nichts Geringeres als die Startberechtigung bei den Olympischen Spiele im brasilianischen Rio de Janeiro. Doch mittlerweile steht fest: Der Wahl-Münchener mit Penzinger Wurzeln ist Teil der deutschen Judo-Equipe, die ab Anfang August an der Copacabana um Medaillen kämpft.

„Die Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele dauerte zwei Jahre lang“, erklärt Englmaier. Das eigene Punktekonto in dieser Zeit prall genug zu füllen um einen Platz unter den Top 22 der Weltrangliste zu ergattern, sei eine wichtige Voraussetzungen, um gute Karten für eine Nominierung zu halten. Denn pro Gewichtsklasse und Land geht nur ein Athlet an den Start. Dass der 28-Jährige nun zum zweiten Mal nach London 2012 die deutschen Farben in der Judo-Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm vertritt, „war eine enge Kiste“. Fast das komplette letzte Jahr plagte sich Englmaier mit einer hartnäckigen Verletzung herum, die ihn zum Zuschauen verdammte.

„Bis zum letzten Turnier war meine Teilnahme fraglich“, zeigt sich der Maschinenbau-Student nun umso erleichterter. Denn die Vorfreude ist riesig: „Der sportliche Wettkampf bei Olympia 2012 in London war eigentlich wie immer. Aber das Drumrum war wirklich beeindruckend.“ Alles sei „zwei, drei Nummern größer“, die Dimensionen der Anlagen und das mediale Interesse hätten sämtliche seiner Vorstellungen übertroffen.

Von den Eindrücken, die ihn nun in Rio erwarten, konnte sich Englmaier bereits bei der dort ausgetragenen WM im Jahr 2013 ein Bild machen. „Die Bedingungen waren gut. In der Halle war es für Zuschauer zwar schweinekalt, zum Kämpfen ist das aber ideal“, lacht der Wahl-Münchner. Dass die derzeit in der Berichterstattung rund um die Spiele mitschwingenden kritischen Töne seine Vorbereitung beeinflussen, verneint er: Hinsichtlich der Sicherheit sei er überzeugt, dass die Behörden Herr der Lage seien. Schon in London habe nie ein Gefühl der Unsicherheit geherrscht und auch das grassierende Zika-Virus schrecke ihn nicht ab. Vorsichtsmaßnahmen gelte es aber natürlich ernst zu nehmen. Das betrifft auch den Verhaltensregeln in der Stadt selbst, wo eine hohe Kriminalitätsrate als Begleiterscheinung sozialer Probleme gilt: „Man wird natürlich sensibilisiert, menschenleere Ecken zu meiden.“ Sogar sein eigener Trainer sei in Rio schon überfallen worden. Bei vorgehaltener Waffe rücke auch ein Kampfsportler seine Uhr lieber heraus.

Ungeachtet dessen steckt Englmaier mitten in den finalen Zügen seiner Vorbereitungsphase: Ein dreiwöchiges Trainingslager in Österreich hat er bereits hinter sich, jeweils eines in Spanien und Berlin steht noch an. Dazwischen absolviert der Penzinger sein Pensum bei seinem Heimatverein, dem Bundesligisten TSV Großhadern. Auch während der regulären Saison betreibt er dabei einen hohen Aufwand: An vier bis fünf Trainingstagen unter der Woche rinnt in je zwei Einheiten der Schweiß und auch das Wochenende wird meist genutzt, um an der Form zu feilen. Diesen Aufwand mit den Herausforderungen des Studiums und dem Privatleben unter einen Hut zu bringen, sei keine ganz einfach Aufgabe.

Ein konkretes Ziel für Rio hat sich Englmaier nicht gesetzt, in London war er bereits in der ersten Runde enttäuschend ausgeschieden: „Aufgrund der Vorgeschichte mit meiner Verletzung ist es sicherlich schwierig. Auch wenn nichts unmöglich ist, habe ich diesmal keine große Erwartungshaltung. Ich will in jedem Kampf alles geben und am Ende mit mir selbst zufrieden sein.“ Denn so oder so markiere die Olympiade ein besonderes Highlight.

Auf die Teilnahme bei der Eröffnungszeremonie am 5. August wird der Penzinger Olympionike, wie schon in London, verzichten müssen. Denn schon tags darauf steht die erste Kampfrunde an. „Mehrere Stunden herumzustehen, macht dann keinen Sinn,“ so Englmaier. Sich selbst beschreibt er als variablen Gegner, der jeden Kontrahenten auf die Matte befördern könne. Ein Verteidigungsspezialist sei er indes nicht: „Es ist bei mir immer möglich, dass ich mal auf dem Hintern lande.“ Damit das nicht passiert, hofft der Penzinger auch auf die Unterstützer der KREISBOTEN-Leser: „Drückt mir ab dem 6. August bitte fleißig die Daumen!“

Rasso Schorer

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