Josef Stegherr und der Ötztaler:

Schlechtes Wetter gehört dazu

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Dr. Josef Stegherr (Foto) aus Kinsau hätte seine persönliche Bestzeit beim Ötztaler Ratmarathon gerne verbessert, doch das Wetter ließ es diesmal nicht zu.

Kinsau/Ötztal – Für den gemeinen Hobbyradler ist es ein Albtraum, für sportlich aktive Radfahrer ein echter Traum: der Ötztaler. Als schwierigster Marathon der Alpen gilt er und führt mit Start und Ziel in Sölden auf 238 Kilometer und 5500 Höhenmeter über vier Pässe.

Rund 20000 Radsportler wollen Jahr für Jahr diese Herausforderung in Angriff nehmen, doch nur 4500 dürfen an den Start. Unter ihnen war auch Josef Stegherr (53) aus Kinsau, zum vierten Mal schon. 9:43:16 Stunden saß er bei „äußerst widrigen Witterungsbedingungen“ im Sattel – Rang 39 in seiner Alters­klasse und Platz 495 im Gesamtfeld.

Der in Landsberg praktizierende Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde hatte sich für die vierte Teilnahme am Ötztaler Radmarathon (ÖRM) eigentlich viel vorgenommen: Seine persönliche Bestzeit, 8:40 Stunden, aus dem Jahr 2011 wollte er verbessern. Doch dieses Ziel schien trotz guter Vorbereitung schon Tage vor dem Rennen in weite Ferne zu rücken, die Wettervorhersagen ließen Schlimmes erahnen.

Exakt so kam es dann am Renntag. „Kälte und strömender Regen auf den ersten 127 Kilometern sorgten dafür, dass mehr als 1000 der insgesamt 4500 Teilnehmer entweder erst gar nicht an den Start gingen oder das Rennen vorzeitig beendeten“, berichtet der 53-Jährige. Für ihn kam das nicht infrage. Durchhalten und gesund ins Ziel kommen, lautete diesmal die Devise.

Langer Schlussanstieg

Der Ötztaler führt nach dem Start im Wintersportort Sölden in Tirol zunächst über den Kühtaisattel nach Innsbruck, dann über den Brenner- und Jaufenpass nach St. Leonhard im Passeiertal. Nach rund 180 Kilo­- meter folgt als ganz besondere Herausforderung, auch für die Psyche, das Timmelsjoch. Dieser „Schlussanstieg“ ist fast 30 Kilometer lang und weist knapp 1800 Höhenmeter auf. Ein letztes Mal trennt sich auf diesem Teilstück die radfahrende Spreu vom Weizen.

Wer dann aber die Passhöhe in 2509 Meter Höhe erreicht hat, für den werden die verbleibenden 28 Kilometer hinunter zum Ziel in Sölden zu einem adrenalingeladenen Hochgenuss – auch für Josef Stegherr sowie die beiden anderen Teilnehmer aus dem Landkreis Landsberg, Thomas Geisenberger (10:32) und Jörg Schmid (10:25), beide aus Apfeldorf.

Josef Stegherr bezeichnet sich selbst als „reiner Hobbyfahrer, der schon immer viel Freude an Sport und Bewegung“ hatte. Beruf und Hobby in Einklang zu bringen ist beim überaus zeitintensiven Radsport nicht ganz einfach. 80 Prozent seines Trainings, und das sind pro Jahr immerhin zwischen 8000 und 10000 Kilometer mit mehr als 100000 Höhenmetern, bestehen aus dem Weg in die Praxis nach Landsberg – etwa 25 Kilometer einfach.

„Das ist ein gutes Grundlagentraining“, sagt Stegherr, „und spart viel Zeit.“ Hinzu kommt noch Intervalltraining bevorzugt am Auerberg, Peißenberg, oder, „wenn es mal schnell gehen muss“, am Reichlinger Berg, der dann mehrfach befahren wird. „Und wenn es die Zeit erlaubt, wird natürlich an einem freien Wochenende oder im Urlaub der eine oder andere Alpenpass unter die Räder genommen – manchmal auch zusammen mit meiner Frau, die dieses Hobby mit mir teilt.“

Man weiß ja nie

Dann aber ist das Wetter selten so schlecht, wie heuer beim Ötztaler. Ob er bei solchen Verhältnissen noch einmal starten würde? „Ich bin mir nicht sicher“, gibt der 53-Jährige zu. Zum Glück wisse man ja nie genau, was man zu erwarten habe. „Schlechtes Wetter gehört nun mal zum Radsport dazu; man lernt dadurch den Sonnenschein umso mehr zu schätzen.“

Übrigens: Nur eine Woche nach dem „schwierigsten Marathon der Alpen“ war Josef Stegherr schon wieder bei einem Jedermann-Rennen unterwegs. Beim Alpenbrevet in der Schweiz ging der Kinsauer „nur die kurze Strecke“ an: über den Grimsel-, Furka- und Sustenpass mit 132 Kilometer und 3825 Höhenmetern. Fahrzeit: 5:17 Stunden; Rang 17 von 700 Teilnehmern. Gewiss eine gute Vorbereitung für eine neue persönliche Bestzeit beim Ötztaler Radmarathon 2014.

Toni Schwaiger

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