Späte Punkteteilung

Mehr als ein Lebenszeichen

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Mund abwischen, weitermachen: Gegen Pullach bewiesen Peter Knechtel und der TSV Landsberg, dass sie trotz des verpatzten Saisonstarts für Überraschungen sorgen können.

Landsberg – „Dass sich der gegnerische Trainer Frank Schmöller nach Abpfiff bei mir entschuldigt, dass Pullach einen Punkt mitgenommen hat, sagt eigentlich alles“, blickt TSV-Trainer Roland Krötz auf das letzte Heimspiel seiner Landsberger gegen den Spitzenreiter zurück. Die zuletzt in den Tabellenkeller zurückgefallenen Lech-Kicker hatten den Top-Favoriten lange Zeit an den Rand einer Niederlage gedrängt und sahen nach einem frühen Tor durch Neuzugang Daniel Jais wie der verdiente Sieger aus. Doch durch, aus ihrer Sicht, zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen und ein Gegentor in der Nachspielzeit, fällt die Ernte der starken Leistung mit 1:1 eher dürftig aus.

„Unterm Strich haben wir zwei Punkte nicht bekommen, obwohl wir sie verdient gehabt hätten“, ärgert sich Krötz. Unverständlich sei für ihn auch in der Nachbetrachtung noch, weshalb Daniel Neuhaus in der 86. Minute des Feldes verwiesen worden war: „Er liegt nach einem Pfiff am Boden und spitzelt den Ball weg. Das ist eine Gelbe Karte aber nicht Rot wegen ‚Nachschlagens‘, wie der Schiedsrichter es bewertet hat.“ Dennoch, auch danach habe sein Team das Geschehen im Griff gehabt. Erst in der vierten Minute der Nachspielzeit – derer drei seien angezeigt gewesen – habe sich das Blatt gewendet, denn Referee Johannes Huber erkannte auf Strafstoß gegen den TSV. Sebastian Bonfert hatte Pullachs Thomas Meyer geschoben. „Den Elfer kann er so schon geben, dann muss er die gleiche Szene kurz davor, als Andreas Beinhofer gefoult wird, aber genauso bewerten“, wettert Krötz. „So war das Ganze ein Geschenk.“ Das Pullach dankend annahm. Top-Torjäger Chaka Menelik Ngu‘Ewodo schnappte sich das Leder und besorgte den späten Ausgleich (94.). TSV-Keeper Philipp Beigl ahnte zwar die richtige, die linke, Ecke, den Einschlag verhindern konnte er aber nicht.

Der zweite Hauptgrund, den Krötz für die enttäuschende Punkteteilung anführt, ist hingegen hausgemacht: Die mangelnde Chancenverwertung. „Wir hatten eine Vielzahl an guten Möglichkeiten, die wir leider nicht genutzt haben.“ Egal ob Neuzugang Jais,

Philipp Siegwart, Bonfert oder Lukas Greif, der allein auf Pullachs Schlussmann Michael Hofmann zumarschierte – „da kannst du eigentlich reihum gehen, fast jeder unserer Spieler hatte das 2:0 auf dem Fuß.“ Doch Zählbares brachte sein Team nur einmal, in der 9. Minute, zustande. Jonas Meichelböck hatte einen Freistoß scharf vor das Tor geschlagen, Jais stand am langen Pfosten goldrichtig und überwand Hofmann, der, wie er selbst, einige Jahre lang das Trikot der Münchener Löwen übergestreift hatte.

Eigentlich war Spitzenreiter Pullach optisch leicht überlegen in die Partie gestartet, doch fortan nahmen die Hausherren das Heft in die Hand. „Wir waren sehr gut im Spiel, haben viele Zweikämpfe im Mittelfeld für uns entschieden“, resümiert Krötz. Doch eben ohne den Vorsprung auszubauen. „In der Pause haben wir gewusst, dass Pullach nochmal richtig kommen wird.“ Kurz nach Wiederanpfiff fand ein Abschluss Bonferts, nachdem dieser sich bis vor das Pullacher Tor getankt hatte, nur den Pfosten. Und auch wenn die Gäste nun vermehrt zu Chancen kamen und TSV-Schlussmann Beigl sich teils sehenswert auszeichnen konnte – Landsberg schien dem Dreier lange Zeit näher. Da wirken auch die sportlich-fairen Worte Schmöllers nur als schwacher Trost. Dem TSV blieben, wie schon in der Vorwoche in Unterföhring, mögliche Big Points auf dem Weg aus dem Tabellenkeller verwehrt, nachdem er lange Zeit daran geschnuppert hatte.

Auswärts in Dachau

Bleibt für die Landsberger Anhänger nur zu hoffen, dass das Spiel am kommenden Samstag eine glücklichere Wendung nimmt. Krötz zählt den nächsten Gegner Dachau als einen der erweiterten Aufstiegsaspiranten auf, bei dem auch eine entsprechende Erwartungshaltung herrsche. „Dachau hat seit Jahren einen festen Stamm an Spielern mit viel Regionalliga-Erfahrung, den sie gezielt verstärkt haben“. Unter anderem mit Qendrim Beqiri, der in der letzten Saison noch seine Stiefel in Landsberg schnürte. „Nach seinem Kreuzbandriss spielt er jetzt wieder, was er kann.“ Und das mit Erfolg, vier Treffer und sechs Vorlagen in acht Spielen hieven Beqiri auf einen der vordersten Ränge in der liga-internen Scorer-Wertung. Kommt da nicht Wehmut auf, einen ehemaligen Weggefährten im gegnerischen Trikot auflaufen zu sehen? „Es gab viele Gründe, für seinen Wechsel. Dachau hat auch einfach mehr geboten“, erklärt Krötz, der eine schwere Aufgabe erwartet.

Dabei mithelfen, diese zu meistern, könnte neben Manuel Detmar, der gegen Pullach nach fast einjähriger Leidenszeit sein Come­back gab, auch Moritz Wolf-Weisbrod. Der 23-jährige Außenbahnspieler schloss sich dem TSV vergangene Woche an, er kommt aus Pullach.

Rasso Schorer

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