Topspin, Konter, Schupf und Co.

Der Nachwuchs legt los

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Beim VfL Kaufering ist die Hallenkapazität nach Ende der Sommerferien wieder voll ausgeschöpft. In anderen Vereinen werden aber immer wieder Spielerinnen und Spieler gesucht.

Landkreis – Auf Schulhöfen und Spielplätzen, in Garagen und Kellern, im Urlaub oder in Sporthallen – beinahe jeder hat schon einmal Tischtennis gespielt oder übt den Sport sogar regelmäßig aus. Mit 53.000 Spielberechtigten allein in Bayern, davon gut 13.000 Jugendspieler, kann sich Tischtennis als Breitensport bezeichnen. Die Jugendlichen treten dabei in Einzel- und Mannschaftsturnieren sowie im Liga­betrieb an. Auch im Landkreis geht es wieder um Topspin, Konter, Schupf und Co., wenn kommende Woche der Startschuss für die neue Saison fällt. 103 männliche und 26 weibliche Spielberechtigte, verteilt auf 22 Mannschaften in 15 Vereinen, zählt der Jugendbereich in der Region.

Wie in vielen Sportarten sind die Mitgliederzahlen auch im Tischtennis seit Jahren leicht rückläufig. Zwar konstatiert man seitens des Bayerischen Tischtennisverbands (BTTV) eine relativ hohe Zahl an Neulingen, jedoch steht diese einer wachsenden Aussteiger-Quote im jungen Erwachsenenalter gegenüber. Die Ursachen hierfür werden unterschiedlich wahrgenommen: „Es gibt im Tischtennis keine leicht verdienten Erfolge. Der Fortschritt ist gerade am Anfang hart verdient, deswegen braucht es besonders Kinder mit höherer Konzentrationsfähigkeit. Die findet man eben verstärkt bei besseren Schülern, deren Zeitrahmen wiederum aufgrund schulischer Aktivitäten begrenzt ist“, urteilt beispielsweise Hubert Ammer, Jugendleiter beim TSV Rott und selbst Gymnasiallehrer.

Der Mehraufwand durch die G8-Reform erschwere das Vereinsleben ohnehin. Einen Ausgleich zum anstrengenden Schulalltag biete dann eher die mühelos erreichbare Elektronik-Unterhaltung, mit denen der Vereinssport zusätzlich konkurrieren müsse. Andere Ursachen ahnt man bei der florierenden Jugendabteilung des TSV Utting oder beim TSV Schondorf.

Hier wird trotz Mitgliederzuwachs ein Terminkonflikt mit Tennis und Fußball beobachtet. Dabei könnten die Vereine gerade mit der beliebtesten Sportart Deutschlands Synergien entwickeln: „Jugendliche mit Begabung für Fußball sind in den meisten Fällen auch talentierte Tischtennisspieler und umgekehrt“, meint Martin Danner, Jugendleiter der Tischtennis-Abteilung beim VfL Kaufering. „Die motorischen Ansprüche sind in etwa dieselben: Es geht um Antizipation einer Ballbewegung und um direkten Rückschlag. Viele unserer Anfänger wechseln von der Fußballabteilung zu uns, etwa, weil sie dort nicht genug Einsätze erhalten haben. Mit diesen Kindern arbeitet es sich gerade in den ersten Monaten erheblich leichter“.

Abwandernde Talente

Trotzdem bleibt das Problem mit der dauerhaften Motivation. Nicht nur das Freizeitangebot ist größer denn je, sondern auch die Möglichkeiten nach dem Schulabschluss. Viele Talente ziehe das Studium nach Augsburg oder München, bedauert Danner, andere sammelten Auslandserfahrung oder absolvierten Praktika. Es sei also kein Wunder, dass die umliegenden bevölkerungsreichen Kreise für einige Sportlerinnen und Sportler eine attraktive Wechselmöglichkeit darstellten.

Die geplanten Lösungen für das Spieler-Defizit sind so vielfältig, wie ihre Ursachen und werden auf allen Ebenen unterschiedlich angegangen. „Beim BTTV ist man zurecht stolz auf die flächendeckende Aus- und Weiterbildung von Tischtennistrainern, die pro Jahr etwa 50 neue Fachlizenzen im Freistaat hervorbringt“, findet Danner. Hinzu komme ein echtes Mammutprojekt: Die Errichtung eines Tischtennis-Zentrums in München bis 2020 könnte spürbare Fortschritte bescheren.

„Das Zentrum soll Tischtennis in allen Facetten beheimaten. Hochleistungssport – von der Sichtung über Kreis-, Bezirks-, Verbandsstützpunkte bis hin zum täglichen Training für Eliteschule, Leistungszentrum und Bundesstützpunkt. Genauso könnten dort Ausbildungen aller Art stattfinden, Turniere, Punktspiele sowie integrative und inklusive Projekte. Derzeit suchen wir in Politik und Wirtschaft nach Unterstützern für dieses ehrgeizige Projekt“, so Florian Leidheiser, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des BTTV.

Die Entwicklung im Landkreis Landsberg beginnt hingegen im Kleinen. Eine kreisinterne Reform der Ligenstruktur und des Spielsystems soll den Spaß und Ehrgeiz der hiesigen Jugend erhöhen. Statt einer gewöhnlichen Hin- und Rückrunde wird ab der Saison 2016/17 je eine vollwertige Herbst- und eine Frühjahrsmeisterschaft inklusive Auf- und Abstieg ausgetragen.

Neue Struktur

Die Spieltage erhöhen sich von im Schnitt zwölf auf 17, die Ligenzahl von drei auf fünf. Damit, so hofft man, wird eine schnellere Anpassung an die tatsächliche Leistungsfähigkeit talentierter Jugendmannschaft ermöglicht.

Darüber hinaus wird als neues Spielsystem das sogenannte „Braunschweiger System“ eingeführt. Es erlaubt eine flexible Mannschaftsstärke von wahlweise drei oder vier Spielern, wobei nicht wie bisher mit Erreichen des achten Punktes das Match beendet, sondern tatsächlich jede Partie ausgetragen wird.

Neben diesen Neuerungen setzt der junge Kreisjugendwart Simon Weber verstärkt auf das vorhandene Potenzial bei den Grundschulen. Schon in der vergangenen Saison wurden im Kreis drei statt bisher nur einer Mini-Meisterschaft ausgerichtet. Bei diesen sind nur Kinder startberechtigt, die noch keine gültige Spielerlizenz besitzen, sodass nach Durchführung üblicherweise zahlreiche neue Vereinsmitglieder angeworben werden können. „Nach meiner Erfahrung ist durchaus viel Interesse am Tischtennis bei den Jugendlichen da, man muss sie nur aktiv anwerben und am besten gleich im Kindesalter in den Verein integrieren. Dann schaffen wir es vielleicht auch, die Talente langfristig auch bei den Erwachsenen zu binden“, so Weber.

Motor Jugendarbeit

In der kommenden Saison wird mit dem VfL Kaufering auch weiterhin eine Jugendmannschaft aus dem Landsberger Kreis in der Bezirksliga vertreten sein. Ein sportlich errungener Aufstieg auf oberbayerische Ebene wurde auf Wunsch der Spieler nicht wahrgenommen – bezeichnenderweise aufgrund gestiegener schulischer Verpflichtungen. Immerhin positiv: von den 18 Tischtennisabteilungen im Landkreis betreiben 15 eine Jugendabteilung und auch die Teilnehmerzahlen bei Turnieren blieb in den vergangenen Jahren konstant.

Auch die Zahl der Mädchen, welche gerade im Tischtennissport oft lange Zeit mit dem Spielniveau der Jungs mithalten können, steigt im Kreis langsam wieder an. Inzwischen wird sogar leise wieder über ein Comeback der Mädchenmannschaften im Bezirk nachgedacht. Wie so vieles steht und fällt auch dieses Vorhaben mit dem Engagement der Ehrenamtlichen in den Vereinen. Doch gerade da könne der Kreis im regionalen Vergleich punkten, findet Danner. „Denn es ist klar: Nur über die eigene Jugend können die Vereine auf lange Sicht einen Schritt nach oben schaffen und damit auch einen größeren Anreiz für Neuzugänge und Sponsoren bieten.“ Weber pflichtet ihm bei und richtet einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft: „Dann ist auch wieder mehr Potenzial für Jugendtrainer oder Spielraum, beispielsweise für bezahlte Trainer da, um das Gleiche auf Jugendebene zu erreichen“, schließt Simon Weber seinen positiven Blick in die Zukunft. Die Kontaktdaten der Vereine finden sich unter www.bttv.de/click-tt. 

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