Eine halbe Stunde Druck

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Der TSV Landsberg hat derzeit eine Sieges- beziehungsweise Glückssträhne und führt die Tabelle der Landesliga Südwest weiterhin an.

Landsberg – In Thannhausen waren sich ausnahmsweise einmal alle Parteien einig: Der TSV Landsberg hätte nach 15 Minuten deutlich höher als 0:1 im Rückstand liegen können. Zur Halbzeit hätten die Gäste dann viel klarer als 2:1 führen müssen – um zum Schluss die drei Punkte doch wieder mitzunehmen.

TSV-Coach Kresin musste auf der linken Abwehrseite Arek Wochnik aus Krankheits- und beruflichen Gründen ersetzen und nicht nur deshalb legten die Gastgeber dort gleich mächtig los. „Sie haben wohl darauf gesetzt, dass wir hinten nicht immer ganz sattelfest sind und uns damit ja zu Anfang auch gut unter Druck gesetzt“, räumte der 37-Jährige ein. Beim 1:0 in der 5. Minute verschätzte sich der TSV-Außenverteidiger, sprang unter dem Ball durch, Jehle besorgte bequem die Führung für Thannhausen. Auch danach taten sich immer wieder Lücken zwischen dem defensiven Mittelfeld und den Verteidigern auf. „Dass die Viererkette in dieser Phase nicht attackiert hat und der Gegner sich bis 20 Meter vors Tor spielen durfte, hat mir nicht gefallen“, so Kresin.

Ganz anders sahen das die Gastgeber, die die Freiräume dankbar zum Abschluss nutzten. Grötzinger zielte knapp links oben vorbei (12.), Demirkiran scheiterte freistehend zentral an Heiland (15.) und schob nach einem weiteren Landsberger Fehler im Aufbau aus 18 Metern neben das Tor (22.). Anschließend baute der TSV allerdings urplötzlich für eine halbe Stunde offensiv derart Druck auf, dass Thannhausen gar nicht mehr dazu kam, nach Abwehrschwächen zu suchen.

Dass die beiden schön herausgespielten Treffer von Fülla (36.) und Sanktjohanser (37.) die Partie schon entscheiden würden, war da aber noch nicht abzusehen; zu groß war das Füllhorn von Chancen, die sich beiden Teams boten. Salemovic auf Landsberger Seite war wieder an beiden Toren beteiligt, verzettelte sich aber mehrfach aussichtsreich vor dem Abschluss. Aber auch Knechtel, Sanktjohanser und Spreitzer hätten den Sack früher zu machen können, der TSV wäre an diesem Nachmittag gut und gerne für sechs oder mehr Treffer gut gewesen.

Fehlpass-Geschenk

So aber machte sich nach knapp einer Stunde wieder leichte Konfusion in der Rückwärtsbewegung breit; die nie aufsteckenden Schwaben rochen den Braten schnell und machten selbst noch einmal Druck. Nach einem weiteren Fehlpass-Geschenk war Zinner am sehr weit herausgeeilten Heiland schon vorbei, brachte den Ball aber aus spitzem Winkel nicht mehr im Tor unter (62.).

Zwar hatte auch der TSV noch zwei gute Chancen, doch am Ende musste man noch einmal das Glück in Anspruch nehmen: Hatte Thannhausen in der 49. Minute noch kräftig durchatmen können, als nach einer klaren Notbremse an Salemovic der Pfiff des Schiedsrichters ausblieb, kam wiederum drei Minuten vor Schluss TSV-Stürmer Strohhofer bei einem beherzten Griff über die Schulter seines Gegenspielers ohne weitere Sanktion davon.

Erarbeitetes Glück

„Wir haben im Moment ab und zu ein bisschen das Glück, das man nur als Tabellenführer hat. Das muss man sich aber auch erst einmal erarbeiten“, nahm Trainer Kresin den knappen Erfolg zur Kenntnis. Das war auch in der letzten Szene des Spiels zu sehen. Nach einem 16-Meter-Schuss von Engel in der Nachspielzeit hob TSV-Keeper Heiland im sicheren Gefühl, dass der Ball weit vorbei gehen würde, schon den Arm und drehte sich weg. Die Überraschung war ihm deutlich anzusehen, als die Kugel an den linken Innenpfosten klatschte und von dort gegen sein Bein sprang, dann aber vor der Torlinie liegenblieb. Trainer Sven Kresin: „Es war wahrscheinlich sogar besser, dass er sich so verschätzt hat. Wenn er springt, geht der Ball wohl von seinem Rücken ins Tor.“ Sein Gegenüber Markus Deibler war jedenfalls bedient: „Bei dem Pech, das wir im Moment haben, wäre der bei uns auf jeden Fall vom Bein des Torwart reingesprungen.“

Die leichten defensiven Schwächemomente will man im Landsberger Trainerstab aber nicht überbewerten, Kresin verweist auf den langen ersten Teil der Saison. „Es sind jetzt schon 18 Spiele und wir betreiben einen hohen Aufwand, das geht natürlich nicht spurlos an uns vorbei“, so der 37-Jährige, der aber auch weiß: „Alle lassen irgendwann einmal ein wenig Federn.“

Tatsächlich gestalten die Landsberger ihre Spiele zuletzt stets knapp, aber erfolgreich, während die Verfolger Punkte liegenlassen. Gundelfingen musste sich nach einem 2:0 gegen Illertissen noch mit dem 2:2 begnügen, Nördlingen führte lange in Gersthofen und kam noch mit 2:5 unter die Räder. Damit wird das Nachholspiel der Landsberger beim TSV Kottern (inzwischen Tabellen-Dritter) immer interessanter, die Partie ist allerdings noch nicht terminiert. 

Sicher sind allerdings die drei noch ausstehenden Spiele: Am Samstag (14 Uhr) kommt Fürstenfeldbruck in den Hacker-Sportpark, in der Woche darauf geht es nach Mering (5.), zum Abschluss vor der Winterpause geht es am 30. November (14 Uhr) zuhause gegen Gersthofen (8.). Das Ziel ist klar: Die sechs Punkte Vorsprung auf Rang zwei sollen mindestens verteidigt werden.

Christoph Kruse

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