Aus zehn Metern auf die Stiftspitze

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Voller Zuversicht reisen unsere Schützenstars zu den Olympischen Spielen nach Rio. Jakob Stainer, Schützenmeister der Dießener FSG, besuchte Daniel Brodmeier (links) und Michael Janker (rechts) beim Training in der Olympia-Schießanlage Garching-Hochbrück.

Dießen – Das Sportler-Credo „Dabei sein ist alles“ reicht Michael Janker und Daniel Brodmeier bei weitem nicht! „Wenn wir schon an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen, dann wollen wir nicht mit leeren Händen zurückkommen!“ Die beiden Sportschützen der „Kgl. privil. Feuerschützengesellschaft Dießen“ haben ihr Trainingsprogramm extrem erweitert, seit sie ihr Ticket nach Rio sicher in der Tasche hatten. Bis auf einen Kurztrip nach Hannover zur sogenannten „Einkleidung“ mit den offiziellen Olympia-Outfits trainieren die beiden Sportler täglich mehrere Stunden in der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück, die als größte und modernste zivile Schießanlage der Welt gilt. Zum exklusiven KREISBOTEN-Gespräch unterbrachen Janker und Brodmeier gerne ihr Training und legten Luft- und Kleinkalibergewehr zur Seite.

„Hier sind fast identische Wettkampfbedingungen wie in Rio“, erklärt Jakob Stainer, Schützenmeister der FSG Dießen. „Darum müssen unsere Jungs hier trainieren und nicht in unserer Dießener Schießstätte.“ Er ist unbändig stolz auf seine beiden Vereinsmitglieder und besucht sie immer wieder bei ihren intensiven Olympia-Vorbereitungen. Die beiden sympathischen Schützen freuen sich, dass ihr Sport endlich wieder einmal im Medieninteresse steht. „Obwohl wir in Deutschland 15.000 Schützenvereine mit 1,4 Millionen Mitgliedern haben, gilt Schießen leider immer noch als Randsportart“, meint Daniel „Brodi“ Brodmeier. „Allein in Bayern sind es 465.000 Schützen, fast jedes Dorf hat seinen Schützenverein!“ Um so stolzer können die Beiden sein, dass sie zu den 17 Auserwählten zählen, die der Deutsche Schützenbund DSB nach Rio entsendet. Vorausgegangen sind zahlreiche internationale und nationale Wettbewerbe, bei denen sich Janker und Brodmeier durch konstante Leistung qualifizieren mussten.

Michael Janker tritt in der Disziplin Luftgewehr an und muss im Stehendanschlag 60 Schuss auf die Scheibe in zehn Metern Distanz abfeuern. Trifft er genau die Zehn in der Mitte mit einem Durchmesser von nur 0,5 Millimeter, ist das der „Goldene Schuss“. Unvorstellbar für einen Laien, aus dieser Entfernung quasi eine Kugelschreiberspitze zu treffen. Bei diversen Wettbewerben und im Training ist Janker das schon mehrfach gelungen, weshalb er voller Zuversicht nach Rio fährt. Der 1992 geborene Polizeianwärter aus Hofstetten gilt als große Hoffnung, seit er 2012 von den Lesern der Deutschen Schützen-Zeitung zum „Schützen des Jahres“ gewählt wurde. Ob bei Weltcups oder Europameisterschaften ist Janker in seinen Leistungen „stabiler auf hohem Niveau“ geworden, so sein Trainer Mario Gonsierowski: „Michael ist immer für eine Überraschung gut!“

Neuling und Veteran

Für Janker ist es die erste Olympia-Teilnahme und entsprechend „kribbelt“ es bei ihm. Er bereitet sich akribisch vor, trainiert täglich mehrere Stunden und hat seine Ernährung auf viel Vierkornmüsli umgestellt. Dabei hört er dankbar auf die Ratschläge seines Freundes und Vereinskameraden Daniel Brodmeier, der bereits 2012 bei der Olympiade in London dabei war.

Brodmeier (28), im Hauptberuf Systemelektroniker, hat sich mit Gold und Silber beim Weltcup in Fort Benning in die Weltspitze mit dem Kleinkalibergewehr vorgearbeitet. Laut DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann ist er ein „potenzieller Podestkandidat“. Zumal er in zwei Disziplinen Medaillenchancen hat. Er tritt einmal an in der Kategorie „Liegend“, wobei er 60 Schuss auf die 50 Meter entfernte Scheibe abfeuern muss. Zusätzlich kämpft „Brodi“ in der Königsdisziplin des Dreistellungswettkampfes. Stehend, kniend und liegend hat er jeweils 40 Schuss auf die ebenfalls 50 Meter entfernte Scheibe zu absolvieren. Hier beträgt der Durchmesser der Zehn 10,4 Millimeter. Da die Kleinkaliber-Wettbewerbe im Freien stattfinden, müssen die Schützen auch Wind und Wetter mit einbeziehen in ihre Zielkonzentration. Brodmeiers Disziplinen finden am 12. und 14. August im Deodora Olympic Park im Westen der brasilianischen Metropole Rio statt, wo Michael Janker zuschauen kann, am besten mit umgehängter Medaille. Er ist nämlich bereits am 8. August mit dem Luftgewehr dran und kann dann in Ruhe die Spiele ansehen.

Einmarsch ins Maracana

Janker und Brodmeier fiebern schon der Eröffnungsfeier am 5. August im legendären Maracana-Stadion entgegen, wo sie mit den anderen deutschen Athleten einmarschieren werden. Wegen den fünf Stunden Zeitverschiebung können wir die beiden Schützen erst ab 0.15 Uhr im Fernsehen bewundern.

Sollten die beiden wirklich erfolgreich sein, gibt es neben den Medaillen auch Geldprämien: Für Gold 20.000, für Silber 15.000 und für Bronze 10.000 Euro. „Das klingt nach Viel“, meint Brodmeier. „Aber wenn man bedenkt, dass wir vier Jahre auf dieses Ziel hin trainieren und fast alle Unkosten selbst tragen, dann ist das doch nur eine Anerkennung.“

Ob Medaillen oder nicht – gefeiert wird auf jeden Fall. Nach ihrer Rückkehr richtet die FSG Dießen ein großes Fest für ihre beiden Olympia-Teilnehmer aus, wie Schützenmeister Stainer verriet. Vielleicht können sich Janker und Brodmeier vorher noch ins Goldene Buch der Marktgemeinde Dießen aus Medaillengewinner eintragen? Bürgermeister Herbert Kirsch drückt auf jeden Fall beide Daumen, damit dieser Termin zustande kommt.

Dieter Roettig

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