Neues Album

Rainhard Fendrich: Schwarzmaler mit Wiener Schmäh

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Rainhard Fendrich

München - Rainhard Fendrich gehört zu den beliebtesten Künstlern Österreichs. Am 7. Oktober veröffentlicht der 61-Jährige sein neues Album „Schwarzoderweiss“. Es zeigt den Wiener Charmeur von seiner bislang nachdenklichsten Seite.

„Schwarzoderweiss“ betitelt Rainhard Fendrich sein neues Album. Ein Schwarz-Weiß-Maler ist der Mann, der mit Titeln wie „Macho Macho“ und „Strada del Sole“ den Wiener Schmäh hittauglich machte, aber natürlich nicht. Im Gegenteil. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur erweist sich Fendrich (61) als nachdenklicher Künstler und Chronist unserer Zeit.

Beim Hören Ihres neuen Albums „Schwarzoderweiss“ gewinnt man den Eindruck, dass Sie früher alles besser fanden: von Vinyl-Schallplatten bis hin zu Freundschaften.

Fendrich: Ich bin keiner, der von der „guten alten Zeit“ schwärmt. Kommunikation und Information sind heute natürlich besser. Worüber ich schreibe, ist das Gefühl der Unbeschwertheit. Das hat man, wenn man jung ist und im Laufe eines Lebens verflüchtigt es sich. Ich sage also nicht, dass früher alles besser war - es war eben anders.

Aber Sie sparen in ihren Titeln nicht mit Zeitkritik.

Fendrich: Ich will ja nicht belehrend wirken, aber die Kunst war und ist seit jeher ein Reflektor der Zeit. Ich sehe mich als Singer/Songwriter, da ich auch auf die Musik großen Wert lege. Dennoch greife ich Themen auf, die Inhalte haben. Das hat mit Haltung zu tun.

Wer sind ihre musikalischen Ihre Vorbilder?

Fendrich: Meine Vorbilder kommen aus den 70er Jahren. Allen voran: Konstantin Wecker, Reinhard Mey, Udo Jürgens, Georg Danzer. Die haben mich geprägt. Aber auch die Kabarettisten der Wiener Kaffeehaus-Tradition, Leute wie Qualtinger, Bronner und Wehle. Musikalisch haben mich Künstler wie James Taylor, John Denver, Eric Clapton und Carol King beeinflusst.

Mancher Titel erinnert an die frühen Protestsänger.

Fendrich: Protest? Ich denke, es sind eher Aufschreie. Der Georg Danzer hat das einmal wunderbar formuliert. Er hat sinngemäß gesagt: Wir Liedermacher schreien auf für die Leute, denen etwas weh tut, die aber keine Stimme haben. Ich will mit meinen Liedern Diskussionen anregen. In der Politik verhärten sich ja gerade die Fronten. Ich versuche da eine konstruktive Diskussion anzufachen, um die verhärteten Fronten aufzuweichen.

In einigen Songs erinnern Sie an Udo Jürgens. Auch in der Art, wie Sie singen.

Fendrich: Udo Jürgens war immer ein großes Vorbild von mir. Ich war mit ihm auch befreundet, was nicht gerade einfach war. Aber er hat mich schon sehr geprägt, mit seiner Art und Weise, wie er gesungen hat. Als Bub habe ich ihn ja oft imitiert. Ich habe ihn zwei Jahre vor seinem Tod in einem dreistündigen Konzert erlebt. Hut ab vor diesem Mann. Was mich aber vom Udo unterscheidet: Ich habe keinen Michael Kunze, der mir die Texte schreibt.

Sie haben in den 90er Jahren die TV-Show „Herzblatt“ moderiert. Warum haben Sie das nicht weiter gemacht?

Fendrich: „Herzblatt“ zu moderieren, war nicht schwierig. Die Zeit war dafür genau die richtige und es ist mir in den Schoß gefallen. Aber ehrlich gesagt, kann ich gar nicht moderieren. Ich musste immer alles auswendig lernen. Außerdem ist Moderieren nicht kreativ. Man ist nur der Erfüllungsgehilfe der Idee eines anderen. Einzige Ausnahme ist Thomas Gottschalk. Der ist großartig mit seiner Spontanität.

Sie gehen ab Februar 2017 auf Tournee durch die größten Hallen Deutschlands. Sind Sie vor Auftritten noch nervös?

Fendrich: Immer. Je älter du wirst, je öfter du auf eine Bühne gehst, desto genauer weißt du, was alles passieren kann.

Haben Sie ein Mittel gegen die Nervosität?

Fendrich: Nein, das ist auch eher das Adrenalin. Ich habe ja keine Angst vor dem Auftritt, sondern bin wie ein Rennpferd vor dem Start: angespannt und konzentriert. Wenn man nach dem ersten Lied merkt, dass sich die Menschen freuen, dann gibt sich die Aufregung. Die Konzentration muss man aber aufrecht erhalten.

Was kann man bei der Tournee erwarten?

Fendrich: Es ist doch so: Wenn ich auf ein Bruce Springsteen-Konzert gehe, möchte ich „Born in the USA“ hören. Genauso ist es bei mir. Ich spiele also alle meine großen Hits, dazu kommen die neuen Lieder. Im Laufe der Tour kristallisiert sich schnell heraus, welche Lieder die Leute hören wollen.

Gibt es ein Ritual?

Fendrich: Nein. Aber wir haben feste Konzert-Elemente, wie einen Unplugged-Teil, wo ich nur mit Gitarre spiele, Songs wie „Macho, Macho“. Es ist ein tolles Gefühl, wenn die ganze Halle mitsingt.

Können Sie sich vorstellen, es wie Udo Jürgens zu machen und bis an Ihr Lebensende auf Tour zu gehen?

Fendrich: Solange es mir meine körperliche und geistige Verfassung gestattet und solange es ein Publikum gibt, das gerne meine Lieder hört, werde ich auftreten. Das ist das Salz in der Suppe. Nichts gegen CDs - aber erst wenn man auf die Bühne geht und den Applaus hört, weiß man, warum man sich das alles überhaupt antut.

ZUR PERSON: Rainhard Fendrich (61) gehört zu den bekanntesten Sängern Österreichs. Hits wie „Macho, Macho“ und „Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk“ sind längst Volksgut geworden. Mit „Austria 3“ feierte der gebürtige Wiener an der Seite von Wolfgang Ambros und Georg Danzer große Erfolge. In den 90er Jahren war er auch als Moderator tätig, unter anderem bei „Herzblatt“.

dpa

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