Mick Jagger und Co feiern Bandjubiläum

Steinalt und höllisch laut: Die Stones werden 50

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Ron Wood, Mick Jagger, Charlie Watts und Keith Richards spielen im Rahmen der "Licks World Tour" 2003 im Circus Krone in München.

Kaum zu glauben: Die Rolling Stones feiern ihren 50. Geburtstag. Die größte Rock-Band der Welt bestritt am 12. Juli 1962 ihren ersten Auftritt. Es folgten Jahrzehnte voller Exzesse, Konflikte mit dem Gesetz, Streitereien – und ein Haufen guter Musik.

So viele Falten sich in die Visagen der größten Rock ’n’ Roller aller Zeiten gegraben haben, so viele Legenden ranken sich um die Herren Jagger, Richards und Co. Zum 50. Geburtstag der Rolling Stones haben wir ein paar Aspekte dieser unglaublichen Karriere herausgepickt.

Der erste Auftritt

Warum eigentlich der 50. Geburtstag? Angefreundet hatten sich Sänger Mick Jagger und Gitarrist Keith Richards immerhin schon 1961. Doch am 12. Juli 1962 gaben die Stones das erste große Lebenszeichen von sich: 16 Songs in 50 Minuten vor gut hundert (eher desinteressierten) Teens im Londoner „Marquee Club“.

Der Name

Am 2. Juni 1962 hatte Gitarrist Brian Jones eine Anzeige in der Zeitschrift „Jazz News“ geschaltet, um der frischgebackenen Band einen Auftritt zu verschaffen. Als man ihn einen Tag später am Telefon fragte, wie die Gruppe denn heiße, sah er der Legende nach eine LP des Bluessängers Muddy Waters auf dem Boden liegen. Ein Lied darauf hieß „Rollin’ Stone“, also improvisierte er: „Wir sind die Rollin’ Stones.“ Zu schön, um wahr zu sein.

Die Musik

Gleich zu Beginn der Fernsehserie „Irgendwie und Sowieso“ lässt Regisseur Franz Xaver Bogner seinen Helden durchdrehen. Der junge Bauernsohn Alfons Kerschbaumer (Ottfried Fischer), vom Vater drangsaliert, von der Angebeteten verschmäht, verbarrikadiert sich in einer Nacht des Jahres 1968 samt Stereoanlage auf dem örtlichen Kirchturm. Der dicke Teenager trinkt Bier und beschallt das verschlafene Nest mit „I Can’t Get No Satisfaction“ von den Rolling Stones, bis die Dorfgemeinschaft sich schimpfend versammelt, die Feuerwehr anrückt und man den wild gewordenen Bub mit dem Jagdgewehr vom Turm schießen will.

50 Jahre Rolling Stones: Eine Karriere in Bildern

50 Jahre Rolling Stones: Eine Karriere in Bildern

Ob die Rolling Stones jemals erfahren haben, dass ein bayerischer Filmemacher das Wesen ihrer Musik so anschaulich dargestellt hat? Rebellion, Ungeduld, Verlangen, Frustration, Gewalt – all das steckt in den aggressiven Gitarrensounds und Jaggers gockelhaftem Krähen. Die Mischung aus Chicago-Blues und zügellosem Rock ’n’ Roll musste auf das Establishment unheimlich wirken – dazu kam später noch das Emblem der herausgestreckten Zunge (designt vom Künstler John Pasche): Ein Fest für Jugendliche, egal ob in London, Moskau oder der bayerischen Provinz.

Übrigens: Für den Auftritt im Münchner Circus Krone 1965 erhoben die bayerischen Behörden Vergnügungssteuer. Es handele sich, so wurde amtlich verfügt, bei dieser Veranstaltung nicht um ein Konzert – weil ja keine Musik zur Aufführung komme, sondern nur Lärm erzeugt werde.

Trotz des Krawalls zeigten die Stones früh ihre Vielseitigkeit – bei „You Can’t Always Get What You Want“ stand der Londoner Bach-Chor im Studio, die Band liebäugelte mit Soul und Country und erweiterte ihr Repertoire später sogar in Richtung Reggae und Disco. Für schmelzende Balladen wie „Angie“ und „Wild Horses“ war eh immer Platz.

Die Beatles

Was für ein Luxusproblem! Aber in den 60ern war die Frage in den Klassenzimmern tatsächlich, auf welcher Seite man stand. Die Beatles: adrette Schwiegermutterlieblinge. Die Stones: böse Buben. „Würden Sie Ihre Schwester mit einem ,Stone‘ gehen lassen?“, titelte der Melody Maker im März 1964. „Ekstase, Ohnmachtsanfälle und Krawall“, erkannte Bild am Sonntag, „das sind offenbar die ,künstlerischen‘ Ziele dieser Boys.“ Und die Bravo vertraute den pubertierenden Lesern an: „Wenn Hass, Jubel, Flüche und allgemeine Rebellion in Großbritanniens Häuser einziehen, „dann sind die ,Rolling Stones‘ da.“

Dabei hatten die Beatles den Stones auf die Sprünge geholfen: Paul McCartney und John Lennon schenkten ihnen den Song „I Wanna Be Your Man“ als zweite Single – nach Beatles-Vorbild begannen Jagger und Richards zusammen Songs zu schreiben. Die Bands waren Konkurrenten um die Pop-Krone, aber doch Freunde. Er habe John Lennon nur immer aufgezogen, weil dieser bei Auftritten seine Gitarre so hoch trug, erinnert sich Keith Richards: „,Himmel noch mal, du hältst deine Scheiß-Gitarre direkt unter deinem blöden Kinn. Das ist doch keine Geige.“ Ein ungehobelter Kerl.

Die Liebe zu München

Zur Isarmetropole pflegten die Stones nicht nur geschäftliche Beziehungen (sie nahmen hier in den 70ern Platten auf), auch die Liebe zog sie nach München. 1965 hatten sie in der Redaktion der Bravo schon mal mit dem Münchner Kindl posiert, zur Sache ging es allerdings 1969, als die schöne Kommunardin Uschi Obermaier in das Leben von Jagger und Richards trat. Obermaier erinnerte sich später: „Das erste Mal, als Mick bei mir in München war und wir miteinander schliefen, wachte ich vor lauter Aufregung früher auf: Oh, da liegt Mick Jagger! Es war ein eigenartiges Gefühl. Mick Jagger – ein Mensch.“

Wie wichtig Obermaier Keith Richards war, zeigt eine lange Passage in dessen Autobiografie. Als sein guter Freund, der Countrysänger Gram Parsons, 1973 an einer Heroin-Überdosis gestorben war, zog es ihn an die Isar – zu Uschi: „Wenn jemand mein schweres Herz besänftigen konnte, dann sie. Wir checkten im Bayerischen Hof ein, wo in jedem Zimmer ein echter Rembrandt über dem Bett hing. ,Und‘, sagte Bob, ,was machen wir jetzt, Keith?‘ – ,Wir gehen nach Schwabing“, sagte ich, ,wir klappern die Clubs ab. Wir tun, was Gram getan hätte, wenn wir abgekratzt wären. Wir machen uns auf die Suche nach Uschi Obermaier.‘“

Die Drogen

1978 sollten die Stones in der US-Fernsehshow „Saturday Night Live“ auftreten. Eine Angestellte betrachtete Keith Richards und sagte: „Interessant, hier zu stehen und mit jemandem zu arbeiten, der tot ist.“

Wie es sich für Rockstars gehörte, begannen die Stones ungefähr ab 1967 damit, harte Drogen zu missbrauchen. Den Anfang machte Brian Jones (der 1969 in seinem Pool ertrank). In der Folgezeit tat sich insbesondere Richards als Heroinjunkie hervor. Er und Jagger wurden mehrmals wegen Drogenbesitzes verhaftet, durften in manche Länder nicht mehr einreisen.

Das Drogen-Image hat Richards weg, auch wenn er schimpft: „Die Leute glauben immer noch, ich sei ein gottverdammter Junkie. Dabei bin ich seit dreißig Jahren clean!“ An sein Verhältnis zur Polizei erinnert er sich so: „Ich habe nichts gegen eine höfliche Verhaftung. Mich störten nur die Manieren. Die platzten rein wie ein Überfallkommando.“

Der Zwillings-Zwist

Sie liebten und sie zankten sich, die von den Medien „Glimmer Twins“ – „Glimmer Zwillinge“ – getauften Ober-Stones. Bereits in den 70ern kühlte sich das Verhältnis der Alphatiere Richards und Jagger ab. Keith, unberechenbarer Vollblutmusiker, Mick, weltgewandter Businessmann. „Mick kümmerte sich um das Unvermeidliche, ich um die Drogen“, erinnert sich Richards. Als Jagger in den 80ern Solo-Allüren bekam, eskalierte die Situation. Bassist Bill Wyman stieg aus, und während die Stones immer mehr zu einem Großunternehmen wurden, gingen die Zwillinge auf Distanz zueinander.

Dann, in seiner Autobiografie, machte Richards auch noch abfällige Bemerkungen über Jaggers kleinen Mick – es krachte erneut. In einem gemeinsamen Interview zeigten sich die beiden vor kurzem aber versöhnlich: „Nach der Veröffentlichung des Buchs wurde deutlich, dass Keith sich ausgeschlossen fühlte, was wirklich schade ist“, sagte Jagger. „Zeit, um weiter nach vorne zu gucken, denk’ ich.“

Die Zukunft

Bedeutet das bald neue Songs, eine neue Tour? Zum 50. wird’s nichts – die Stones haben Auftritte erst für 2013 angekündigt. Wie umfangreich die sind, hängt wohl von der Gesundheit der Haudegen ab: Jagger, mittlerweile zum Sir geadelt, scheint fit wie ein Turnschuh, Schlagzeuger Charlie Watts hat seinen Kehlkopfkrebs überwunden. Gitarrist Ronnie Wood ist als Maler erfolgreich. Nur Richards, der seit 30 Jahren aussieht wie eine greise Indianer-Squaw und als Vater von Johnny Depp in der Piraten-Klamotte „Fluch der Karibik“ Kino-Lorbeeren einheimste, hat Probleme mit dem Rock’n’Roll-Körper.

2006 lachten die Fans noch, als Richards angeblich in der Karibik von der Palme gefallen war. Jetzt aber sagte ein wichtiger Vertreter der US-Konzertbranche dem Magazin Rolling Stone: „Sie wollen keine große Tour mehr. Sie möchten das Reisen nicht, und es gibt Bedenken wegen Keiths Verfassung.“ Das bedeutet für bayerische Fans, dass sie ihre Idole möglicherweise nie mehr live zu Gesicht bekommen. Immerhin: Neue Songs – wieder mit Bassist Bill Wyman – könnten bald erscheinen.

Das Fazit

Die Rolling Stones haben 200 Millionen Alben verkauft, Generationen inspiriert, sich kräftig danebenbenommen – und stehen immer noch. Zum Jubiläum ist jetzt im Prestel-Verlag der prachtvolle Bildband „50“ erschienen, der über 1000 Fotos aus der wahnsinnigen Bandgeschichte zeigt. Keith Richards kommentiert darin einmal mehr treffend: „Die Leute fragen mich immer, was uns zu dem macht, was wir sind. Wenn ich das wüsste, würde ich’s in Flaschen abfüllen und verscherbeln.“

Johannes Löhr

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