"Alles ist verloren"

Kolontár - Nach dem Giftschlamm-Unfall in Ungarn haben in den verwüsteten Dörfern die Aufräumarbeiten begonnen. Die Anwohner sind nach dem Zwischenfall immer noch fassungslos.

Rettungskräfte in Schutzkleidung und mit Atemmasken bemühten sich am Mittwoch, den giftigen Rotschlamm von den Straßen und aus den Häusern zu entfernen. Ein Auffangbecken einer Aluminiumfabrik war am Montag zerborsten. Vier Menschen wurden getötet, als sich die giftige Brühe über ein Gebiet von geschätzten 40 Quadratkilometern ergoss. Die EU befürchtete Umweltschäden über die Grenzen Ungarns hinaus. In der nahe gelegenen Ortschaft Kolontár sagte Bürgermeister Karoly Tily, er könne den Bewohnern nicht garantieren, dass sich der Unfall vom Montag nicht wiederhole. In Kolontár waren Soldaten im Einsatz, um mit Pontons eine provisorische Brücke über den Rotschlamm zu bauen. Damit sollten die Menschen wenigstens für kurze Zeit in ihre Häuser zurückkehren und einige persönliche Dinge holen können. Andere Einsatzkräfte schütteten Gips in den Fluss Marcal, um den Schlamm zu binden und so zu verhindern, dass er in die 72 Kilometer entfernte Donau fließt. Die Einsatzkräfte trugen vollständige Schutzkleidung, während die Bewohner des Ortes mit Schneeschaufeln den dicken, roten Schlamm entfernten. Sie trugen zum Schutz lediglich Gummihandschuhe.

“Ich hab aus dem Fenster geschaut, und alles was ich sah, war ein zu einer Welle anschwellender Strom“, sagt die 61-jährige Erzsebet Veingartner aus Kolontár. Sie sei gerade in ihrer Küche gewesen, als die dreieinhalb Meter hohe Flutwelle ihr Haus traf. “Ich habe meine Hühner verloren, meine Enten, meinen Rottweiler und meinen Kartoffelacker. Die Werkzeuge und die Maschinen meines verstorbenen Mannes waren in dem Schuppen. Und nun ist alles verloren“, sagt die Frau, die mit umgerechnet rund 250 Euro Rente im Monat auskommen muss. “Das Feuerholz für den ganzen Winter war im Keller“, sagt die Frau beim Blick über ihren mit knapp zwei Metern Schlamm bedeckten Hof. Umweltstaatssekretär Zoltan Illes nannte den Giftunfall eine ökologische Katastrophe. Ministerpräsident Viktor Orban räumte ein, dass der Unfall die Behörden völlig unvorbereitet getroffen habe. Er erklärte, die Fabrik und das 300 mal 450 Meter große Auffangbecken seien erst vor zwei Wochen geprüft worden. Unregelmäßigkeiten habe es nicht gegeben.

EU bietet Unterstützung an

Die Europäische Union bot Ungarn Unterstützung bei der Bewältigung des Unglücks an. EU-Sprecher Joe Hennon erklärte am Mittwoch in Brüssel, man sorge sich nicht nur um die Umwelt in Ungarn, sondern auch in anderen Anrainerstaaten der Donau. Die Donau fließt unter anderem durch Rumänien, Bulgarien und die Ukraine, bevor sie das Schwarze Meer erreicht.

dapd

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