Missbrauchsprozess: Angeklagter widerruft Geständnis

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Der Angeklagte Detlef S. mit seinem Verteidiger Thomas Düber (re.).

Koblenz - Der wegen hundertfachen Missbrauchs angeklagte Familienvater aus Fluterschen hat sein vergangene Woche abgelegtes Teilgeständnis überraschend widerrufen.

Das erste Geständnis

Stiefsohn sagt aus

Stiefsöhne belasten Vater

Ehefrau verweigert Aussage

Das wurde nach Ende der Gerichtsverhandlung am Mittwoch in Koblenz bekannt. Der Widerruf des Teilgeständnisses gehe aus dem psychologischen Gutachten hervor, das am Ende der Verhandlung an die Prozessbeteiligten verteilt wurde, sagte der Verteidiger von Detlef S., Thomas Düber, der Nachrichtenagentur dapd. Sein Mandant habe das Geständnis im Gespräch mit dem Gutachter widerrufen, sagte Düber. Von dieser Entwicklung sei er “selbst überfahren worden“, fügte der Anwalt hinzu. Das psychologische Gutachten soll Thema der nächsten Verhandlung am Freitag dieser Woche sein. Am Mittwoch waren vier - zum Teil ehemalige - Mitarbeiter des Jugendamts Altenkirchen als Zeugen in dem Prozess um Hunderte Fälle sexuellen Missbrauchs geladen.

Amtsleiter Hermann-Josef Greb wies erneut Vorwürfe zurück, er sei mit dem Angeklagten näher bekannt gewesen. Greb bestätigte jedoch, dass er als junger Sozialarbeiter den damals 16-jährigen Detlef S. und seine minderjährigen Geschwister nach dem Tod der Eltern betreut hatte. 

Jugendamt: Detlef S. wollte guten Eindruck machen

“Er war sehr darauf bedacht, einen guten Eindruck zu machen“, sagte Greb über den Angeklagten.

Die Kinder hätten in Gesprächen mit Mitarbeitern der Behörde immer wieder abgestritten, dass sie misshandelt worden wären. In der vergangenen Woche hatten die mutmaßlichen Opfer dem Jugendamt vorgeworfen, es sei trotz etlicher Hinweise auf Missbrauch und Misshandlung nicht eingeschritten. Die für die Familie zuständige Sachbearbeiterin sagte, Ortstermine in deren Haus hätten sich meist schwierig gestaltet.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

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“Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich in seinem Haus willkommen war“, sagte die Sozialarbeiterin. Aus diesem Grund sei die Stieftochter des Angeklagten, Natascha S., immer wieder zu Terminen ins Jugendamt in Altenkirchen bestellt worden. Bei fast allen diesen Terminen sei Detlef S. dabei gewesen. Die 28-Jährige, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt, hat acht Kinder von ihrem Stiefvater bekommen, wovon eines kurz nach der Geburt starb. Der Jugendamtsleiter sagte, dass die Vaterschaft nie ein Schwerpunkt der Arbeit des Jugendamtes gewesen sei.

Dennoch habe er Detlef S. zu einem Vaterschaftstest geraten, als es erste Gerüchte gegebn habe. lm Zusammenhang mit dem Fall wird inzwischen auch gegen Jugendamtsmitarbeiter wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

Ehefrau verweigert Aussage

Die Ehefrau des Angeklagten machte vor Gericht von ihrem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch.

Ihr Auftritt als Zeugin dauerte am Mittwoch nur rund zwei Minuten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 48-Jährigen aus Fluterschen (Kreis Altenkirchen) 350 Fälle von sexuellem Missbrauch vor. Unter anderem soll er die Stieftochter Natascha und seine leibliche Tochter Jasmine zur Prostitution gezwungen haben. Bei der Fortsetzung des Prozesses am Freitag sollen unter anderen die mutmaßlichen Freier vernommen werden.

Von Marco Pecht

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