Keine Reisewarnung für Thailand

Tote und Verletzte: Bombenserie in Urlaubsgebieten

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Polizisten an einem der Anschlagsorte, dem Urlaubsort Hua Hin.

Bangkok - Im Herbst beginnt die Haupturlaubszeit für Thailand-Touristen. Doch nun haben mindestens elf Bomben mehrere Menschen getötet und verletzt - auch Deutsche. Doch bisher gibt es keine Reisewarnung. 

Nach der Bombenserie in Thailand mit mindestens vier Toten hat die thailändische Polizei einen Terrorakt ausgeschlossen. "Das ist nur örtliche Sabotage, die sich auf begrenzte Gebiete und Provinzen beschränkt", sagte der stellvertretende Sprecher der nationalen Polizei, Piyapan Pingmuang, am Freitag in Bangkok.

Elf Bomben waren in insgesamt fünf Provinzen im Süden des Landes esplodiert. Vier Menschen wurden laut der Nachrichtenagentur AFP getötet, die dpa berichtete von drei Toten. Noch sei unklar, welche Gruppe hinter den Anschlägen stecke, sagte Pingmuang. Er wies jedoch Spekulationen zurück, wonach muslimische Rebellen verantwortlich sein könnten.

Mehrere Ausländer unter den Verletzten

Rettungskräfte kümmern sich um Verletzte.

Der beliebte Urlaubsort Hua Hin wurde von zwei Doppel-Explosionen erschüttert. Am Donnerstagabend detonierten zunächst zwei Sprengkörper in einem Kneipenviertel. Dabei wurde nach Polizeiangaben eine Thailänderin getötet. Es gab demnach mehr als 20 Verletzte, unter ihnen neun Ausländer. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurden auch drei Deutsche verletzt. Eine Sprecherin des sagte am Freitag: „Die deutsche Botschaft steht mit ihnen im Kontakt.“ Nach Angaben von Krankenhäusern waren unter den eingelieferten Verletzten Menschen aus Deutschland, Österreich, Italien und den Niederlanden.

Nach Polizeiangaben waren die Sprengsätze in dem Kneipenviertel in Blumentöpfen versteckt. Sie seien offenbar über Handys ferngezündet worden, sagte Hua Hins Distriktchef Sutthipong Klai-Udom. Am Freitagmorgen explodierten dann zwei weitere Bomben in kurzem Abstand in der Nähe des Uhrenturms von Hua Hin. Dabei wurde nach Angaben der Polizei ein Mensch getötet. Zur dessen Herkunft lagen zunächst keine Angaben vor.

Ebenfalls am Morgen wurden zwei Bombenexplosionen von der Urlaubsinsel Phuket gemeldet. Informationen über Opfer lagen hier zunächst nicht vor.

Zwei Anschläge im Süden Thailand

Zwei weitere Bombenanschläge gab es im äußersten Süden Thailands, der mehrere hundert Kilometer von Hua Hin und Phuket entfernt ist. In der Provinz Surat Thani wurde nach Behördenangaben eine städtische Angestellte getötet, als vor der Küstenpolizei eine Bombe explodierte. Bereits am Donnerstag war in der südthailändischen Provinz Trang ein Mensch bei einem Bombenanschlag gestorben.

Im Süden Thailands kämpfen muslimische Rebellen seit langem gegen die thailändische Regierung, es gibt hier immer wieder Bombenanschläge kleineren Umfangs. Sprengstoffattentate auf die weiter nördlich gelegenen Touristenzentren sind indes selten.

Attentäter wollten "Chaos und Verwirrung zu stiften"

Der Chef der Militärjunta in Bangkok, Prayuth Chan-Ocha, wertete die Anschlagsserie in einer ersten Reaktion als Versuch, "Chaos und Verwirrung zu stiften". Es gebe keine Grund, "in Panik zu verfallen", sagte er vor Journalisten. Wer hinter den Anschlägen stecke und welche Motive eine Rolle spielten, wisse er nicht. Die Ermittlungen seien angelaufen.

Die Anschläge erfolgten einen Tag vor einem Feiertag zu Ehren des Geburtstags von Königin Sirikit und wenige Tage nach einem umstrittenen Referendum über eine von der regierenden Militärjunta ausgearbeitete Verfassung.

Die Militärjunta, die 2014 nach einer Phase blutiger Unruhen die Macht ergriffen hatte, hält sich selbst zu Gute, das Königreich wieder zu Stabilität und Ordnung geführt zu haben. Allerdings ist es auch dem Militär nicht gelungen, den seit Jahren im äußersten Süden des Landes schwelenden Aufstand muslimischer Rebellen in den Griff zu bekommen. In den Konflikt wurden bereits mehr als 6500 Menschen getötet.

Vor knapp einem Jahr waren bei einem Anschlag in Bangkok zudem an einem beliebten Hindu-Schrein 20 Menschen getötet worden, die meisten davon ausländische Touristen. Es war der blutigste Anschlag der jüngeren Geschichte des Landes. Die Behörden machen zwei Uiguren aus dem Westen Chinas dafür verantwortlich. Die beiden Männer, die demnächst vor Gericht erscheinen sollen, bestreiten jedoch jede Verwicklung.

Keine Reisewarnung: Touristen müssen auf Kulanz hoffen

Bisher warnt das Auswärtige Amt nicht vor Reisen nach Thailand. 

Das bedeutet: Pauschalurlauber, die ihre geplante Reise stornieren oder umbuchen möchten, sind auf die Kulanz des Veranstalters angewiesen, erklärt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Angst und Sorge allein sind kein Grund für eine kostenlose Kündigung.

Er rät Pauschaltouristen, auf Veranstalter zuzugehen und diese um eine Einschätzung zu bitten, ob die Reise sicher durchzuführen sei. Fragen an den Veranstalter sollten unter anderem sein: Werden weitere Bombenanschläge erwartet? Gibt es Ausgangssperren am Urlaubsort? Patrouilliert die Polizei in den Touristengebieten? „Wenn sich alle Informationen dahingehend verdichten, dass eine Reise nicht mehr sicher durchzuführen ist, sollte man kündigen.“ Wichtig sei auch, wie das Auswärtige Amt sich in nächster Zeit zu Reisen nach Thailand äußert.

Öffentliche Plätze und Ansammlungen meiden

Es rät wie schon vor den Anschlägen lediglich weiterhin dringend davon ab, in manche Landesteile an der Grenze zu Malaysia und zu Kambodscha zu reisen. Allerdings empfiehlt das Amt seit dem Morgen nach den Anschlägen Reisenden, vor Ort nun äußerste Vorsicht walten zu lassen. Weitere Anschläge könnten nicht ausgeschlossen werden, heißt es im Sicherheitshinweis der Behörde. Urlauber sollten öffentliche Plätze und Ansammlungen meiden, die Medien aufmerksam verfolgen und den Anordnungen der örtlichen Sicherheitskräfte und Behörden unbedingt Folge leisten.

AFP/dpa

Mehrere Tote bei Bombenexplosionen in Thailand

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