Stadt soll den Strom abgestellt haben

Brandtragödie: War eine Kerze schuld?

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Löscharbeiten am Saarbrücker Unglückshaus 

Saarbrücken - Nach dem Feuertod von vier Kindern in Saarbrücken erheben deren Eltern schwere Vorwürfe gegen die Feuerwehr. Unterdessen wurde die mögliche Brandursache gefunden.

Nach der Brandkatastrophe mit vier toten Kindern in Saarbrücken verdichten sich die Hinweise auf Fahrlässigkeit als Brandursache. Einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ (Montagausgabe) zufolge soll eine Kerze im Schlafzimmer das Feuer in der Wohnung im Dachgeschoss entfacht haben. Eine technische Ursache für die Katastrophe werde ausgeschlossen, weil der Energieversorger in der Wohnung den Strom abgeschaltet hätte, sagte Polizeisprecher Stephan Laßotta in Saarbrücken. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten das am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd aber weder bestätigen noch dementieren.

Die FDP-Fraktion im Stadtrat Saarbrücken und die Saar-Linke kritisierten unterdessen, dass ärmeren Familien der Strom abgestellt werde, wenn sie ihre Rechnung nicht bezahlten. „In unserem reichen Land darf so etwas nicht geschehen“, teilten die Linken mit. „Gerade wenn kleine Kinder im Haushalt sind, müssen Strom, Gas und Wasser verfügbar bleiben.“

Es wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Brandstiftung gegen unbekannt ermittelt. „Wir wollen das laufende Ermittlungsverfahren nicht durch die Herausgabe von Informationen beeinflussen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, Erik Schweitzer. Noch am Montag sollten die Eltern der gestorbenen Kinder zu dem Unglück befragt werden. Für die Ermittlungen hat die Polizei ein 40-köpfiges Team auf die Beine gestellt. „Das ist sehr viel“, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler hätten das ganze Wochenende an dem Fall gearbeitet.

Eltern stellen Strafanzeige gegen Feuerwehr

Ein Grund für den enormen Personalaufwand ist nach Angaben der Polizei die Strafanzeige, welche die Familie der Opfer über ihren Anwalt gegen die Feuerwehr gestellt hat. Dadurch erhalte der Fall noch mehr Brisanz, als er durch die vier toten Kinder sowieso schon habe: „Der Druck auf die Ermittler hat sich deutlich erhöht“, betonte der Polizeisprecher.

Laut Staatsanwaltschaft werfen die Eltern den Feuerwehrleuten vor, den Hinweis der Mutter ignoriert zu haben, in der Wohnung seien noch Kinder. Die Anzeige wegen des Verdachts unterlassener Hilfeleistung sei noch am Tag des Unglücks bei der Polizei eingegangen. Rechtsanwalt Wolfgang Köhl, der für die Familie Strafanzeige gegen die Feuerwehr gestellt hat, sagte am Montag: „Den Vorwürfen der Familie muss nachgegangen werden.“ Die Familie wirft der Feuerwehr nach Angaben der Staatsanwaltschaft vor, sie habe „gebotene Rettungsmaßnahmen unterlassen“, sagte Schweitzer. „Wir müssen prüfen, ob an den Vorwürfen überhaupt etwas dran ist.“

Der Leiter der Berufsfeuerwehr Saarbrücken, Josef Schun, betonte: „Wir haben alles getan, was wir konnten. Und haben alles richtig gemacht.“ Die Feuerwehr sei mit drei Trupps in die brennende Wohnung gegangen. Es sei „irritierend“, dass man das Leben aufs Spiele setze und dann gesagt bekommt, man habe es nicht richtig gemacht. Schun bedauerte, dass die Familie sein Gesprächsangebot abgelehnt habe.

Am frühen Freitagmorgen war das Feuer in der Dachgeschosswohnung der siebenköpfigen Familie ausgebrochen. Ein fünf und ein sieben Jahre altes Mädchen sowie drei Jahre alte Zwillingsbrüder kamen bei dem Brand ums Leben. Die Eltern und ein Säugling konnten von der Feuerwehr gerettet werden. Die Feuerwehr geht davon aus, dass es in der Dachgeschosswohnung keine Rauchmelder gab.

Vor dem Haus der Familie hatten Anwohner aus Anteilnahme Hunderte Kerzen aufgestellt sowie Kuscheltiere und Blumen abgelegt.

dapd/dpa

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