120 Pfund für sechs Wochen

Britische Mütter bekommen Gutscheine fürs Stillen

London - In Großbritannien sollen Mütter mit Gutscheinen zum Stillen ihrer Neugeborenen ermuntert werden. 120 Pfund und mehr sollen Frauen bekommen, die ihrem Baby die Brust geben.

Wie die Organisatoren eines Pilotprojekts am Dienstag mitteilten, soll den Teilnehmerinnen ein Gutschein über 120 Pfund (rund 140 Euro) ausgehändigt werden, wenn sie ihr Baby sechs Wochen lang stillen. Der Betrag steigt bei einer Stilldauer von sechs Monaten auf 200 Pfund. Sollte der Test in den sozialschwachen Bezirken Derbyshire und South Yorkshire zufriedenstellend verlaufen, ist an eine Ausweitung des Programms auf das ganze Land gedacht.

Das Stillen ist in Großbritannien insgesamt selten geworden, die Rate stillender Mütter fällt in Vierteln mit schlechten Sozialstrukturen besonders niedrig aus. Die Teilnahme an dem Test wird zunächst 130 Frauen aus ärmlichen Gegenden angeboten. Kinderärzte gehen davon aus, dass Babies, die in den ersten Monaten gestillt werden, weniger Verdauungsstörungen und Atemwegserkrankungen haben. Darüber hinaus sinke bei gestillten Kindern die Wahrscheinlichkeit, dass sie später an Diabetes und Fettsucht litten, sagte die Ärztin Clare Relton.

Großbritannien habe "eine der schlechtesten Sill-Quoten weltweit", sagte Relton. Nur ein Drittel aller Kinder werde sechs Monate lang gestillt, obwohl der staatliche Gesundheitsdienst diese Dauer empfehle. "In einigen Gebieten gibt es ganze Generationen von Frauen, die niemanden beim Stillen beobachtet haben", erläuterte die Ärztin. Das Stillen gehöre nicht mehr "zur kulturellen Norm".

Die Hebamme Janet Fyle vom Royal College of Midwives kritisierte das Pilotprojekt. Die Motivation zum Stillen solle nicht "aus einer finanziellen Entschädigung" erwachsen. Vielmehr müsse eine Mutter dies "im Interesse der Gesundheit und des Wohlbefindens ihres Kindes" wünschen.

In dem nun gestarteten Versuch erhalten die Teilnehmerinnen die Einkaufs-Gutscheine, wenn sie versichern, ihre Babies zu stillen und wenn dies von den Hebammen bestätigt wird. Eine engmaschige Kontrolle ist nicht vorgesehen.

AFP

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