Castor-Transport rollt durch Deutschland: Erste Proteste

Saarbrücken - Der nächste Castor rollt: Fünf Wochen nach dem von Massenprotesten begleiteten Transport nach Gorleben ist erneut ein Zug mit Atommüll in Deutschland unterwegs. Zwischenfälle gibt es zunächst nicht, aber erste Protestaktionen.

Begleitet von kleineren Protesten ist am Mittwoch ein Castor-Transport mit radioaktivem Müll durch den Südwesten Deutschlands gefahren. Der Zug mit etwa 2500 Brennstäben an Bord ist auf dem Weg von Frankreich zum Zwischenlager bei Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Am Nachmittag überquerte er bei Saarbrücken die deutsch-französische Grenze und passierte am frühen Abend Neustadt an der Weinstraße in der Pfalz. Die größten Proteste von Atomgegnern werden am Zielort erwartet, wo der Castor am Donnerstag erwartet wird.

Die Bahnstrecke wird von zahlreichen Sicherheitskräften überwacht. Bereits in Frankreich waren Hubschrauber im Einsatz, um mögliche Störungen früh zu erkennen. Die in vier Spezialbehältern auf dem Zug transportierten Brennstäbe stammen ursprünglich aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom deutschen Atomschiff “Otto Hahn“. Sie waren zuletzt jahrelang im südfranzösischen Kernforschungszentrum Cadarache gelagert worden. Der Castor-Zug hatte überraschend die Route über das Saarland genommen und nicht - wie zuletzt meist - bei Straßburg oder in der Südpfalz die Grenze überquert. In Saarbrücken führte der Fund einer Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg nahe der Route zu leichten Verzögerungen.

Eine Gefahr für den Castor-Zug habe aber nicht bestanden, teilte die Bundespolizei mit. Bei einem Zwischenstopp im saarländischen Neunkirchen wurden am Nachmittag die Lokomotiven gewechselt. Zuletzt war Anfang November - begleitet von heftigen Protesten - ein Castor-Transport von Frankreich ins niedersächsische Gorleben gefahren. Der neuerliche Transport wird mit einem großen Aufgebot an Sicherheitskräften geschützt. Etwa 3000 Beamte sind nach Angaben des Innenministeriums von Mecklenburg-Vorpommern auf deutscher Seite im Einsatz. Die Bundespolizei begleite den Transport “in vierstelliger Zahl“, sagte der Präsident der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, Joachim Franklin. Die Route des Castors hatte auch die Atomgegner überrascht. Sie hatten sich unter anderem im südpfälzischen Wörth zu einer Mahnwache versammelt. Als klar war, dass der Zug dort nicht vorbeikommen würde, zogen sie nach Neustadt an der Weinstraße weiter.

So wurde im November gegen den Castor protestiert

Castor: Proteste gegen den Atom-Müll-Transport

Am Saarbrücker Hauptbahnhof prostestierten etwa 20 Menschen gegen den Transport. Entlang der Strecke quer durch Deutschland waren Dutzende Veranstaltungen geplant, die meisten davon im Raum Greifswald nahe des Zwischenlagers. “Der Karlsruher Atommüll ist in Lubmin völlig fehl am Platz“, kommentierte Greenpeace-Sprecherin Anike Peters. So lange kein sicheres Endlager existiere, müsse der Müll wieder zurück in das Bundesland, in dem er produziert wurde. Die saarländische Umweltministerin Simone Peter (Grüne) befürchtet, dass künftig mehr Castor-Transporte durch das Saarland rollen werden. Wegen der von der Bundesregierung beschlossenen Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke werde sich die Zahl der Atommülltransporte in Deutschland erhöhen, erklärte sie.

dpa

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