Cybercrime-Fälle bleiben meist ungeklärt

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Im Netz sind Kriminelle den Ermittlern oft weit voraus. Nur die wenigstens Delikte werden aufgeklärt. Foto: Nicolas Armer

Berlin (dpa) - Mehr als zwei Drittel der bekannten Fälle von Internetkriminalität bleiben in Deutschland ungeklärt. BKA-Chef Ziercke: "Wir können im Moment nur rund 30 Prozent der Fälle von Cybercrime im engeren Sinne aufklären".

"Das bedeutet, 70 Prozent werden nicht aufgeklärt. Das kann niemanden zufriedenstellen" so der scheidende Chef des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die Zahl der in der Kriminalstatistik registrierten Cybercrime-Fälle stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Im Jahr 2013 wurden insgesamt 64 426 Fälle erfasst. 2009 waren es 50 254. Dabei werden viele begangene Straftaten noch nicht einmal registriert: "Eine Dunkelfelduntersuchung des Landeskriminalamtes Niedersachsen aus dem Jahr 2013 kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich neun Prozent aller Delikte im Bereich Cybercrime angezeigt werden", heißt es im Bundeslagebild des BKA.

Ziercke, der seit Anfang 2004 Präsident des Bundeskriminalamts ist und sich in diesem Monat in den Ruhestand verabschiedet, sprach sich erneut für weitergehende Polizeibefugnisse wie die Vorratsdatenspeicherung aus. "Wir können Internetkriminalität nicht nur mit den Instrumenten aus der analogen Welt bekämpfen, die wir in den 70er, 80er und 90er Jahren entwickelt haben", sagte der 67-Jährige.

"Das Internet führt zu einer Entgrenzung von Kriminalität. Opfer können über das Internet von jedem Ort der Welt angegriffen werden", betonte Ziercke. Darauf könne die Polizei nicht richtig reagieren, wenn sie nicht die nötigen Instrumente habe. "Wir müssen darüber debattieren: Wollen wir die Kriminalität der virtuellen Welt genauso intensiv und konsequent aufklären wie die der analogen Welt?"

Als aktuelle Cybercrime-Phänomene gelten laut Bundeslagebild beispielsweise der Diebstahl digitaler Identitäten (etwa Account-Daten von E-Mail- oder E-Commerce-Konten), eine Zunahme digitaler Erpressungen sowie wieder steigende Fallzahlen beim Phishing. Bei Letzterem geht es etwa um das Abgreifen der Zugangsdaten fürs Online-Banking. Täter hätten sich inzwischen auf verbesserte Sicherheitsvorkehrungen der Banken eingestellt, so dass die Fallzahlen nach nahezu einer Halbierung im Jahr 2012 im darauffolgenden Jahr 2013 wieder deutlich gestiegen seien.

Ziercke zufolge hat das Internet auch generell zu einem veränderten Verhalten bei den Verbrechern geführt. "Wer anonym handeln kann, der ist eher bereit, Grenzen zu überschreiten und Rechtsverletzungen zu begehen", sagte er der dpa. "Internetkriminalität führt zu einer Entpersonalisierung kriminellen Verhaltens: Wer im Internet mit einem Mausklick Tausende schädigt, der muss seinen Opfern nicht in die Augen sehen. Das heißt, die psychologische Hemmschwelle ist für den Täter im Internet deutlich niedriger."

Aber auch bei den Ermittlern habe die digitale Revolution "zu erheblichen Veränderungen" geführt. "Wir haben Experten eingestellt und eine Spezialdienststelle zur Bekämpfung von Cybercrime geschaffen. Dort arbeiten derzeit 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", erklärte Ziercke. Zudem hätten die Bundesländer große Anstrengungen unternommen.

Lagebilder Cybercrime

Lagebild 2013

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