Dioxin-Skandal: Bauern befürchten Millionenschaden

Berlin/Itzehoe  - Im Skandal um Dioxin-verseuchte Lebensmittel hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Futtermittelhersteller eingeleitet. Der Bauernverband rechnet mit einem Millionenschaden.

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Im Skandal um dioxinbelastete Futtermittel hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe am Dienstag ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche des Futtermittelherstellers aus Uetersen in Schleswig-Holstein eingeleitet. Dies sei das Ergebnis derVorprüfungen, sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper der Deutschen Presse-Agentur. Es bestehe der Anfangsverdacht des Verstoßes gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittel-Gesetzbuch. “Es geht um das Herstellen und Inverkehrbringen von Futtermitteln, die die menschliche Gesundheit beeinträchtigen können“, präzisierte der Oberstaatsanwalt. Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck. Die Firma Harles & Jentzsch soll jahrelang Reste aus der Biodieselherstellung und der Nahrungsmittelindustrie aufgekauft und für Viehfutter verarbeitet haben.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will unterdessen prüfen, ob Konsequenzen aus dem Skandal um dioxinverseuchtes Futtermittel gezogen werden müssen. Nach Informationen der Deutschen Presse- Agentur vom Dienstag soll untersucht werden, die Regeln für Futtermittelhersteller zu verschärfen. Zunächst soll die Ursache des Falles geklärt werden.

Bauern halten Millionenschaden für möglich

Nach der Sperrung von rund 1000 Höfen in Niedersachsen wegen der Gefahr dioxinbelasteter Futtermittel hält der Deutsche Bauernverband einen Millionenschaden für möglich. “Wir reden über eine Sperrung von vielleicht einer Woche. Das tut weh. Das sind sehr schnell 10 000 oder 20 000 Euro Umsatz weniger in einem landwirtschaftlichen Betrieb“, sagte Generalsekretär Helmut Born am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Er forderte Schadenersatz: “Wer den Schaden verursacht, bezahlt ihn auch.“

Der Bauernverband sieht keine Gefahr für Verbraucher. “Über Rückrufaktionen sind diese Partien jetzt zurückgenommen worden. Der Verbraucher kann sicher sein, dass ihm da nichts passiert.“ Das Kontrollsystem müsse aber besser werden. “Die Futtermittelfirma hat ja Ende November festgestellt, dass in Futtermittelfetten erhöhte Werte waren. Die Qualitätssicherungssysteme haben damals angeschlagen“, sagte er. “Was sich nun herausstellt ist, dass auf dem Weg zu den Bauern hin dann offenbar doch Chargen unterwegs waren, die den Behörden nicht bekannt waren.“ 

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), ein Zusammenschluss kleinerer Höfe, verlangte mehr Transparenz. “Das heißt konkret zu klären, wie die Wege bei der Futtermittelherstellung verlaufen, welche Futtermittelzutaten woher kommen und genaue transparente Angaben über die Zusammensetzung eines Futtermittels gewährleisten“, sagte AbL-Chef Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf. 

Dioxin-Suche in Agrarbetrieben läuft weiter

Das Ausmaß des Dioxin-Skandals in Sachsen ist noch nicht abzuschätzen. “Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren“, sagte der Sprecher des zuständigen Gesundheitsministeriums, Ralph Schreiber, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. “Klar ist, dass verseuchtes Futtermittel an zwei Betriebe in Sachsen gelangte.“ Betroffen seien ein Geflügelzuchtbetrieb im Raum Dresden sowie eine Agrarhandelsgenossenschaft im Raum Leipzig. Beide Unternehmen seien inzwischen gesperrt worden. Nun würden unter anderem die Lieferlisten der Handelsgenossenschaft geprüft. “Nach derzeitigem Kenntnisstand ist in Sachsen ausschließlich Geflügel betroffen“, sagte Schreiber. Mittlerweile sind 18 Agrarbetriebe gesperrt, teilte das Agrarministerium am Dienstag in Magdeburg mit. In 7 Fällen sei erwiesen, dass die Mastbetriebe mit Dioxin belastetes Tierfutter erhalten haben, in 11 Fällen bestehe ein solcher Verdacht. 

dpa/dapd

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