Doppelmörder Jan O.: Neue grausame Details

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Der mutmaßliche Doppelmörder Jan O. bei seiner Gerichtsverhandlung

Göttingen - Im Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder von Bodenfelde ist dessen schriftliches Geständnis verlesen worden. Darin schildert der Angeklagte grausige Details seiner Verbrechen.

Das 19-seitige Schriftstück hat Jan O. in der Untersuchungshaft angefertigt. Darin heißt es, er habe zunächst vorgehabt, Nina zu vergewaltigen. Angesichts der grausamen Situation sei aber “nichts gegangen“. Tobias tötete er nach Angaben in der Aussage, weil er sich von ihm ertappt fühlte. Gegenüber dem Haftrichter erklärte der 26-Jährige laut Protokoll auch, dass er Menschen verachte, die Frauen vergewaltigen und die Todesstrafe für solche Menschen für angemessen halte. “Und jetzt bin ich selber so einer“, soll er gesagt haben.

Hinweise auf kannibalistische Handlungen hatte Jan O. vor dem Ermittlungsrichter nicht gemacht. In dem später in Haft angefertigten Geständnis nennt er jedoch entsprechende Handlungen. Am Dienstag verlas Richter Ralf Günther zudem ein weiteres Schriftstück des Angeklagten. In dem Ende März in Haft verfassten Schreiben zeigt sich Jan O. “verwundert“ über Details der Anklageschrift. Die dort behaupteten Tatsachen stimmten teilweise nicht, beklagt er.

Jan O. soll Nina und den 13 Jahre alten Tobias im November vergangenen Jahres erstochen haben, um sich sexuell zu befriedigen. Vor Gericht hat er bisher die Aussage verweigert, aber bereits beim Haftrichter die Morde gestanden. Er wird möglicherweise im Prozess noch selber aussagen. Zunächst sei ein Gespräch mit einem Sachverständigen vorgesehen. Anschließend werde sein Mandant entscheiden, ob er über das bereits verlesene schriftliches Geständnis hinaus noch Angaben mache, sagte Anwalt Markus Fischer am Dienstag vor dem Landgericht Göttingen.

Einem Gutachten zufolge war der Angeklagte zum Zeitpunkt der Morde nur eingeschränkt steuerungsfähig; die Staatsanwaltschaft spricht von “seelischer Abartigkeit“. Durch den Sachverständigen will das Gericht den Wahrheitsgehalt des schriftlichen Geständnisses prüfen.

Bekannte vernommen

Am Dienstag wurden Zeugen vom Gericht vernommen, die Jan O. vor und nach den Taten begegnet waren. Bekannte und Freunde schilderten, dass er vor der Tat nicht alkoholisiert gewirkt habe, obwohl er mehrere Biere getrunken habe.

Auch die Vorliebe für junge Mädchen wurde in den Aussagen deutlich. Ein Zeuge sagte aus, am Tatabend hätten die beiden am Busbahnhof in Bodenfelde gesessen. Als sich zwei 13 bis 14 Jahre alte Mädchen zu ihnen gesetzt hätten, habe der Angeklagte gesagt, “die sind aber süß“. Die Mädchen seien davongelaufen. Ein 15-jähriges Mädchen schilderte ihren Kontakt zu Jan O. Sie beschrieb ihn als “liebenswürdigen, netten Menschen“.

Nach Aussagen eines Zeugen konnte derMann mit Ablehnung nicht umgehen. “Wenn Jan O. bei Mädchen und Frauen abgelehnt wurde, ist er immer sofort sehr sauer geworden und hat sie übel beschimpft“, sagte der Mann am Dienstag vor dem Landgericht in Göttingen.

In der am Dienstag verlesenen Aussage von Jan O. vor dem Ermittlungsrichter bestreitet der Angeklagte, dass er vorhatte, ein weiteres Mädchen umbringen zu wollen. Seinen Eintrag im Sozialnetzwerk Facebook, in dem er weitere Taten ankündigte, könne er sich nicht erklären, sagte er aus. Zudem gab er dort an, bei dem Mord an Nina nicht nachgedacht zu haben. “Ich hatte keinerlei Plan“, soll er ausgesagt haben.

Zudem fordert er, von einer Zeugenvernehmung seiner Eltern abzusehen. Vor allem zu seinem Vater verbinde ihn eine “jahrelange persönliche Feindschaft“, was eine Aussage “wenig objektiv“ werden lasse, schrieb er.

Der Prozess soll am 9. Mai fortgesetzt werden. Dann soll vor allem das persönliche Umfeld des Angeklagten näher betrachtet werden. Ein Urteil wird voraussichtlich am 25. Mai nach elf Verhandlungstagen gesprochen.

dapd/dpa

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