Fleischerbeil-Attacke

Soldatenmörder suchte Islamisten-Anschluss

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Der Täter hatte sich offensichtlich radikalisiert.

London - Der Hauptverdächtige im grausigen Mord an einem Soldaten in London soll versucht haben, sich der Al-Shabab-Miliz in Somalia anzuschließen und saß dafür im Gefängnis.

Bei dem Mordanschlag auf einen britischen Soldaten in London wird ein islamistischer Hintergrund immer wahrscheinlicher. Wegen seiner angeblichen Verbindungen zur somalischen Extremistengruppe Al-Shabab wurde einer der beiden Verdächtigen 2010 in Kenia verhaftet und später nach Großbritannien ausgeliefert. Um einer Radikalisierung von Muslimen entgegenzuwirken, kündigte die britische Regierung derweil die Gründung einer speziellen Taskforce an.

Michael Adebolajo habe sich an der kenianisch-somalischen Grenze mutmaßlich auf einen Einsatz bei Al-Shabab vorbereitet, sagte der Leiter der kenianischen Anti-Terror-Polizei, Boniface Mwaniki, am Sonntag. Gemeinsam mit fünf anderen sei er daraufhin festgenommen worden. Aussagen eines Freundes des Verdächtigen, wonach Adebolajo in einem kenianischen Gefängnis misshandelt wurde, dementierte Mwaniki.

Adebolajos Bekannter Abu Nusaybah hatte in einem BBC-Interview am Freitag erklärt, dessen Verhalten habe sich nach dem Missbrauch in einem kenianischen Gefängnis verändert. Nach seiner Rückkehr sei der junge Mann zudem vom britischen Geheimdienst MI5 angesprochen worden. Dieser sei daran interessiert gewesen, ob der junge Mann bestimmte islamistische Extremisten kenne. Die Agenten hätten ihn auch gefragt, ob er als Informant arbeiten wolle, berichtete Nusaybah in dem Interview. „Er hat ganz klar gesagt, dass er es abgelehnt habe, für sie zu arbeiten“, fügte er hinzu. Ob das stimmt, war zunächst nicht zu klären. Nusaybah wurde unmittelbar nach dem Interview festgenommen.

Am Samstagabend verkündete die britische Polizei zudem drei weitere Festnahmen in dem Fall. Allen drei Männern werde die Beteiligung an einem Mordkomplott vorgeworfen, hieß es.

Der 28-jährige Michael Adebolajo soll zusammen mit dem 22-jährigen Michael Adebowale am Mittwoch den britischen Soldaten Lee Rigby mit Messern und einem Fleischerbeil am helllichten Tage auf einer Straße im Stadtteil Woolwich ermordet haben. Der britische Premierminister David Cameron hatte von Hinweisen auf einen Terrorakt gesprochen. Beide Hauptverdächtige wurden nach der Attacke angeschossen und liegen bewacht in Krankenhäusern.

Nach dem Verbrechen war bekanntgeworden, dass Adebolajo vom Christentum zum Islam konvertiert war und sich nach und nach radikalisiert haben soll.

MI5-Generaldirektor Andrew Parker soll nächste Woche vor dem zuständigen Parlamentsausschuss erklären, was der Geheimdienst von den beiden Verdächtigen wusste und ob er das Verbrechen womöglich hätte verhindern können. Auch der Auslandsgeheimdienst MI6 und die Abhörorganisation GCHQ sollen Informationen beitragen.

Gründung einer Anti-Terror-Taskforce

Die britische Regierung reagierte unterdessen auf die Tat und kündigte die Gründung einer Anti-Terror-Arbeitsgruppe an. Die Taskforce solle untersuchen, ob im Kampf gegen religiösen Fanatismus und extremistische Botschaften von Predigern neue Gesetze benötigt würden, teilte Innenministerin Theresa May mit. Der Gruppe sollen führende Minister sowie der Londoner Polizeichef und der Leiter des Inlandsgeheimdienstes MI5 angehören. Sie soll in den kommenden Wochen erstmals zusammenkommen.

Tausende Menschen in Großbritannien seien möglicherweise für eine Radikalisierung empfänglich, sagte May dem Sender BBC. Daher müsse geschaut werden, was in Universitäten, Schulen, Gefängnissen und anderen Institutionen getan werden könne, um dies zu vermeiden.

Nach der Mord-Attacke geht auch die Sorge vor möglichen Nachahmer-Taten um. Am Samstag wurde in Paris ein Soldat von einem Unbekannten in den Hals gestochen. Nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums wurde er am Sonntag weiterhin im Krankenhaus behandelt, befindet sich aber nicht in Lebensgefahr. Ob ein Zusammenhang zu der Tat in London besteht, war zunächst unklar. Präsident François Hollande warnte davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

AP

Attentat in London: Soldat auf offener Straße ermordet

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