Polizei durchleuchtet Leben der Amokläuferin

Lörrach - War der Amoklauf in Lörrach absehbar? Eine Antwort darauf könnten Verwandte und Bekannte der Amokschützin haben. Die Ermittler sind aber skeptisch: Letzte Gewissheit werde man wohl nie bekommen.

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Nach der Spurensuche an den Tatorten des Amoklaufs von Lörrach durchleuchten die Ermittler das private und berufliche Umwelt der Täterin. Vor allem die Befragung von Verwandten und Bekannten solle neue Erkenntnisse über das Motiv der 41-jährigen Anwältin Sabine R. bringen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch in Lörrach. Diese Arbeit werde wohl noch bis Ende der Woche dauern. Bislang deute alles darauf hin, dass Beziehungsprobleme Auslöser der Tat waren, bei der vier Menschen starben und 18 verletzt wurden.

Die Sportschützin hatte am Sonntag in Lörrach ihren Ehemann, den fünfjährigen Sohn sowie den Pfleger eines Krankenhauses getötet. Sie selbst wurde von der Polizei erschossen. Sie hatte mehr als 300 Schuss Munition dabei und schoss wild um sich.

Lörrach: Amoklauf im Krankenhaus

“Letzte Gewissheit, was die Frau zu dieser Tat bewegt hat, werden wir wohl nie bekommen“, sagte der Leitende Staatsanwalt Dieter Inhofer. Die Befragung von Angehörigen sei problematisch, sagte ein Polizeisprecher. “Wir müssen mit Menschen sprechen, die schwer traumatisiert sind.“ Sich aus diesen Gesprächen ein schlüssiges Bild zu machen, sei schwierig.

Die aus Ludwigshafen stammende Sabine R., die im nordbadischen Mosbach in einem Schützenverein aktiv war, galt zuletzt als psychisch stark angespannt und hatte offenbar die Trennung von Mann und Kind nicht verkraftet. 2004 hatte sie in dem Krankenhaus, das am Sonntag zum Tatort wurde, eine Fehlgeburt erlitten.

Anwohner und Augenzeugen suchen psychologische Hilfe

Ergebnislos ist Polizeiangaben zufolge bislang die Suche nach den Sportwaffen verlaufen, für welche die Frau eine Waffenbesitzkarte hatte. Außer der Tatwaffe seien keine weiteren Waffen gefunden worden - weder in der nach einer Explosion zerstörten Kanzlei noch im früheren Wohnhaus der Frau. Die Rechtsanwaltin und Sportschützin besaß die Berechtigung für vier Waffen.

Das mehrstöckige Gebäude, in dem die Frau seit Dezember vergangenen Jahres eine Rechtsanwaltskanzlei betrieben hatte und in der sie Ehemann und Sohn tötete, ist nach der Explosion einsturzgefährdet, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Die Bewohner wohnten derzeit bei Verwandten oder in Notunterkünften.

Ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sagte, noch immer meldeten sich Anwohner, Augenzeugen sowie Einsatzkräfte und fragten nach psychologischer Hilfe. In den kommenden Tagen soll es in Lörrach erneut Gedenkveranstaltungen geben.

dpa

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