Heilbronner Klinik lässt Skandalarzt-Fälle prüfen

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Die Nachtaufnahme (Archivbild) zeigt ein Hinweisschild auf die Neurologische Klinik vor den SLK-Kliniken am Gesundbrunnen in Heilbronn.

Heilbronn - Ein niederländischer Skandalarzt praktizierte über Jahre unentdeckt in Heilbronn. Wie konnte das passieren? Die Klinik will jetzt alle Fälle des Mediziners unter die Lupe nehmen

Die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen gegen einen niederländischen Skandalarzt eingeleitet, der über Jahre unentdeckt in Heilbronn praktiziert hat. Man prüfe den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung, bestätigte ein Sprecher der Behörde am Montag. Eine Patientin hatte sich nach Angaben der SLK Kliniken vom Montag an Behörden und Medien gewandt und von Komplikationen nach einer Behandlung durch den Arzt berichtet. Zwei Patienten meldeten sich bei den Heilbronner Kliniken.

Diese lassen alle Behandlungen, an denen der Arzt beteiligt war, von externen Gutachtern prüfen. So solle sichergestellt werden, dass keinem Patienten Schaden entstanden ist, teilten die Kliniken am Montagabend mit. Die Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg habe sich bereiterklärt, alle Unterlagen zu überprüfen. Erste Ergebnisse werden im Laufe der nächsten Woche erwartet. Um wie viele Fälle es geht, ließ eine Sprecherin offen.

Klinikchef: Wohl kein Patient geschädigt

Wenn sonst jemand befürchtet, von dem Arzt nicht sachgerecht behandelt worden zu sein, solle er sich an die Klinik für Neurologie wenden. Die Gutachterkommission werde diese Fälle gesondert prüfen. Klinikchef Thomas Jendges hatte am Wochenende gesagt, in Heilbronn sei „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ kein Patient geschädigt worden.

Der Arzt, den niederländische Medien „Dr. Frankenstein“ tauften, arbeitete seit 2011 am Heilbronner SLK-Klinikum am Gesundbrunnen, obwohl er in den größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande verwickelt ist. Dort soll er in mehr als 20 Fällen Patienten fälschlicherweise unheilbare Krankheiten attestiert haben.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Die Klinik sucht weiter nach Erklärungen dafür. Nach ersten Erkenntnissen der Klinik hatte die Personalabteilung 2011 erste Gerüchte überprüft, nach denen der Arzt keine gültige Approbation habe. Der Mann habe allerdings eine gültige deutsche Approbation aus dem Jahr 2006 sowie eine gültige Facharzturkunde vorlegen können. Auch ein Krankenhaus, in dem der Beschuldigte zuvor gearbeitet hatte, habe auf Anfrage eines Chefarztes nicht über Auffälligkeiten berichtet.

Am Montag habe die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg mitgeteilt, dass die Approbation aus Sicht der Behörde im Jahr 2006 wirksam erteilt worden sei. Der Mann habe eine amtliche deutsche Übersetzung der damals angeforderten Unbedenklichkeitsbescheinigung aus den Niederlanden vorgelegt. Es habe keinen Grund gegeben, an der Echtheit der Dokumente zu zweifeln.

Bis jetzt habe die Bezirksregierung die Approbation weder zurückgenommen noch widerrufen noch ruhend gestellt. Aus Sicht der Behörde gebe es auch aktuell noch keinen Grund. Dies sei nur der Fall, wenn sich jetzt herausstellte, dass die damals vorgelegten Unterlagen gefälscht waren oder das Ermittlungsverfahren zu einem eindeutigen Ergebnis führen würde.

Krankheiten falsch attestiert

Der Mediziner soll Patienten fälschlicherweise Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson attestiert haben. Ein Patient habe Selbstmord begangen, nachdem ihm fälschlicherweise Alzheimer attestiert worden war. Bei mindestens 13 Patienten sollen wegen der falschen Diagnosen unnötig Gehirnoperationen ausgeführt worden sein.

2011 landete der Mediziner über eine Vermittlungsagentur in Heilbronn. Alle notwendigen Urkunden - einschließlich einer deutschen Approbation und einer Facharztanerkennung - hätten vorgelegen und keinen Anlass zur Skepsis gegeben, hieß es.

Politiker in den Niederlanden fordern eine europäische schwarze Liste, um solche Fälle zu verhindern. Heilbronns Klinikchef Jendges forderte ebenfalls neue Richtlinien: Angesichts der Personalnot an Kliniken in Deutschland müssten immer öfter Ärzte aus anderen europäischen Ländern beschäftigt werden.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, sagte der „Heilbronner Stimme“ (Dienstag): „Es sollte eine automatische, gegenseitige Information, etwa in Form eines zentralen Registers in Europa geben.“ So könnte verhindert werden, dass ein Arzt in einem Land praktiziert, wenn er woanders seine Behandlungserlaubnis verloren hat.

dpa

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