Alle Infos im News-Ticker

Hochwasser: Alle Entwicklungen vom Donnerstag

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Laut des Deutschen Wetterdienstes könnte es in der Katastrophenregion zu "markanten Gewittern" kommen.

Simbach - Hochwasser und Überschwemmungen erschütterten den Landkreis Rottal-Inn. Es gibt mehrere Tote, Menschen werden vermisst. Die Lage ist gefährlich. Alle Infos im News-Ticker.

  • In mehreren Gemeinden in Niederbayern gab es am Mittwoch schwere Überschwemmungen in Folge der heftigen Regenfälle. Besonders betroffen war der Landkreis Rottal-Inn mit den Gemeinden Simbach am Inn, Triftern bei Pfarrkirchen und Tann.
  • Das Hochwasser hat mehrere Todesopfer gefordert, mehrere weitere Personen werden vermisst: Davon wurden drei Leichen bei den Aufräumarbeiten in Simbach am Inn von Tauchern gefunden. Sie waren alle miteinander verwandt. Eine Leiche wurde bei Julbach entdeckt. Am Donnerstagabend wurde eine weitere Leiche gefunden.
  • Straßen, Häuser und Firmen kaputt. Schäden in dreifacher Millionenhöhe.
  • Auch am Donnerstag erwartet der Deutsche Wetterdienst wieder heftige Schauer für den Landkreis Rottal-Inn. Trotzdem starteten einige Gemeinden bereits die Aufräumarbeiten. Auf einer Pressekonferenz bestätigte Landrat Fahmüller, dass die Lage weiterhin ernst sei.
  • BÜRGERTELEFON des Landratsamtes Rottal-Inn: 08561 / 20-725
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    +++ Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem News-Ticker vom Freitag verfolgen.

    +++ Simbach hat ein weiteres Todesopfer zu beklagen. Wie die Einsatzzentrale des Landratsamtes Rottal-Inn am Donnerstagabend bestätigte, wurde eine weitere Leiche im Ort entdeckt. Nähere Informationen zu der Person liegen noch nicht vor.

    Laut des Deutschen Wetterdienstes könnte es in der Katastrophenregion zu "markanten Gewittern" kommen.

    +++ Nach der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern hat der besonders betroffene Landkreis Rottal-Inn hilfsbereite Bürger aufgerufen, mit möglichen Sachspenden noch zu warten. "Wir haben jetzt ganz einfach noch nicht die logistische Kapazität, um Sachspenden anzunehmen, zu lagern und zu verteilen", erklärte Landrat Michael Fahmüller am Donnerstagabend. Derzeit stünden schlichtweg andere Maßnahmen wie die Kontrolle und die Reparatur der Verkehrsinfrastruktur oder die Unterbringung von Menschen, deren Wohnungen unbewohnbar geworden seien, im Mittelpunkt des Handelns.

    +++ Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Donnerstagabend alle Unwetterwarnungen für Deutschland vorerst aufgehoben. Allerdings werde weiterhin vor "markanten Gewittern" in weiten Bereichen Deutschlands gewarnt, teilte der DWD in Offenbach mit. Die Gewitter sollten sich im Laufe der Nacht zum Freitag zwar weiter abschwächen, dennoch sind örtlich unwetterartige Entwicklungen weiterhin nicht ausgeschlossen, wie es vom DWD weiter hieß. Es würden dann entsprechend neue Warnungen herausgegeben.

    +++ Eine große Menge Schlammwasser hat sich am Donnerstag in den hessischen Ort Oberndorf ergossen und einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr ausgelöst. Verletzt wurde niemand, wie ein Sprecher des Landkreises am Abend sagte. Nach länger anhaltendem Regen war braunes, schlammiges Wasser über eine Wiese und eine Nebenstraße bis in die Hauptstraße des Ortes geflossen und hatte diverse Keller und Stallungen unter Wasser gesetzt.

    Vieles wurde durch die Fluten zerstört.

    Die Polizei sperrte den Ort ab, die Feuerwehr setzte mehr als 50 Kräfte für Aufräum- und Abpumparbeiten an 15 bis 20 Stellen ein. Am Abend seien die Arbeiten abgeschlossen worden, sagte der Sprecher. Zunächst hatte die Polizei von einer Schlammwasserlawine berichtet, die den Ort erfasst habe. Doch die Lage habe sich dann als weit weniger dramatisch entpuppt, sagte der Landkreis-Sprecher.

    +++ Das Hochwasser hat einer Radfahrerin in Hessen das Leben gekostet. Um den Fluten auszuweichen, fuhr die Frau über die Bundesstraße und wurde dort bei einem Unfall tödlich verletzt. Die 54-Jährige sei am Donnerstag von einem Auto erfasst worden und noch an der Unfallstelle gestorben, berichtete die Polizei in Wiesbaden. Der Unfall geschah auf der B42 im O Rheingau-Taunus-Kreis. Mit dabei war der Mann der tödlich Verletzten. Der Fahrradweg am Rhein sei wegen Hochwassers noch gesperrt, deshalb sei das Paar wohl auf der Bundesstraße unterwegs gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

    +++ Nach der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern haben die Behörden im besonders betroffenen Landkreis Rottal-Inn zu einem vorsichtigen Umgang mit Trinkwasser aufgerufen. So sollten Betreiber und Nutzer von eigenen Wasserversorgungsanlagen sowie kleiner Gemeinschaftsanlagen Trinkwasser derzeit nur in abgekochten Zustand verwenden. Sobald das Trinkwasser wieder verwendet werden könne, ohne es abzukochen, werde die Bevölkerung unverzüglich informiert, teilte das Landratsamt Rottal-Inn am Donnerstagabend mit.

    +++ In Hessen hat eine Schlammwasserlawine einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr ausgelöst. Verletzt wurde ersten Erkenntnissen der Einsatzkräfte zufolge niemand. Nach länger anhaltendem Regen war am Donnerstagnachmittag braunes, schlammiges Wasser über eine Wiese und eine Nebenstraße bis in die Hauptstraße des Ortes Oberndorf geflossen und hatte diverse Keller und Stallungen unter Wasser gesetzt. Die Polizei sperrte den Ort ab, die Feuerwehr setzte mehr als 50 Kräfte für Aufräum- und Abpumparbeiten an 15 bis 20 Stellen ein. Die Dauer der Arbeiten war zunächst ebenso wenig absehbar wie die Höhe der entstandenen Sachschäden.

    +++ Der Hochwassernachrichtendienst Bayern hat eine detailliertere Vorhersage für das Wetter in den Katastrophenregionen herausgegeben. In Niederbayern sei im Laufe des Abends örtlich unwetterartiger Starkregen mit stündlich mehr als 25 Litern pro Quadratmeter möglich. Vereinzelt müsse deshalb mit einem erneuten Anstieg der Wasserstände gerechnet werden. Auch Sturzfluten in kleineren Gebieten könnten nicht ausgeschlossen werden.

    +++ Im niederbayerischen Hochwassergebiet ist die Stromversorgung weitgehend wieder intakt. Abgesehen von Teilen Trifterns werde die Stromversorgung noch am Abend wieder gänzlich hergestellt sein, kündigte der Netzbetreiber Bayernwerk am Donnerstag an. In Triftern werden demnach 80 bis 100 Haushalte auch die Nacht zum Freitag ohne Strom auskommen müssen. Die zur Stromversorgung notwendigen Anlagenteile der Netzinfrastruktur seien nach wie vor nicht zugänglich, hieß es zur Begründung. Am Mittwochabend waren laut Polizei in dem Hochwassergebiet rund 10.000 Haushalte ohne Strom gewesen.

    Das Dorf Simbach am Inn wurde durch die Wassermassen komplett zerstört.

    +++ Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich bei einem Besuch im Hochwassergebiet angesichts der enormen Schäden fassungslos gezeigt. "Ich habe so etwas in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen", sagte Oster am späten Donnerstagnachmittag in Simbach am Inn. "Vor drei Jahren hatte sich die Katastrophe beim Jahrhunderthochwasser in Passau noch angebahnt. Aber jetzt muss es wahnsinnig schnell gegangen sein."

    +++ Aufgrund der gefährlichen Lage in den Hochwasser-Gebieten bleiben am Freitag weitere Schulen geschlossen. Auch für die Schüler des Heilpädagogischen Zentrums Rottal-Inn aus den Gemeinden Tann, Triftern, Simbach am Inn, Kirchdorf, Reut, Walburgskirchen, Wittibreut und Prienbach entfällt der Unterricht.

    +++ Es ist mit mehr Regnen zu rechnen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab eine bis Freitagnachmittag geltende Unwetterwarnung für große Teile Bayerns, Nordrhein-Westfalens und Niedersachens heraus. Zu den bedrohten Gebieten zählt auch das vom Hochwasser gerade besonders betroffene Niederbayern.

    Der Unwetterwarnung zufolge gibt es vielerorts Gewitter mit Starkregen über 25 Litern pro Quadratmeter. An manchen Orten seien auch Niederschlagsmengen von über 35 Litern pro Quadratmeter kleinräumig möglich, auch extreme Unwetterereignisse mit über 60 Litern pro Quadratmeter Regen seien nicht ausgeschlossen. Auch mit Hagel müsse teilweise gerechnet werden.

    Auch für den vom Hochwasser besonders stark betroffenen Landkreis Rottal-Inn gab der Wetterdienst eine Warnung vor starken Gewittern aus. Dort sei Starkregen mit bis zu 25 Litern pro Stunde und Quadratmeter möglich. Am Donnerstag hatte sich die Situation in dem Landkreis zunächst entspannt.

    Brigitte Müller (v.l.). Alexander Rechl sowie , Thomas und Nicole Meisenberger haben fast alles verloren.

    +++ Sie haben fast alles verloren: Krankenschwester Brigitte Müller (60), Landschaftsarchitekt Alexander Rechl (29), Industriemechaniker Thomas Meisenberger (40) und dessen Ehefrau Nicole Meisenberger (44, Sozialbetreuerin). Sie stehen vor ihren überfluteten Häusern in der Austraße in Simbach am Inn. Als sie das erste Mal in ihre Wohnungen gingen, schwammen Möbel durch den Flur. "Wir wurden total überrascht", schilderte Brigitte Müller der tz: "Weil wir alle in der Arbeit waren, konnten wir nichts mehr retten. Nur unsere Autos sind uns noch geblieben." Auch Nicole Meisenberger ist ratlos: "Versichert sind hier die wenigsten. Keiner kann sich die 600 Euro im Monat leisten. Wir werden alle einen Kredit aufnehmen müssen."

    Nur ein paar Straßen weiter ertranken drei Frauen in einem Kellerraum in der Wiesenstraße. "Das ist so furchtbar", so Meisenberger. "Letztlich müssen wir froh sein, dass wir mit dem Leben davongekommen sind." Insgesamt fühlte sich die Familie vor allem am Tag der Katastrophe von den Behörden und Einsatzkräften unzureichend informiert. "Natürlich ist das für alle eine Ausnahmesituation", sagt Brigitte Müller. "Aber wir wussten gar nicht, wo wir hin sollten. Ich habe dann bei einer Bekannten übernachtet."

    Wie Thomas Meisenberger schildert, brach der Damm des Simbach genau an der Stelle, an der noch vor wenigen Tagen Reparaturarbeiten vorgenommen wurden. "Die haben da große Steine rangekarrt", erzählt er unserem Reporter Johannes Heininger. "Wahrscheinlich war das alles noch nicht befestigt. Das war wohl die Schwachstelle." 

    +++ Im Landkreis Passau hat das Hochwasser einen Schaden in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages verursacht, wie Landrat Franz Meyer (CSU) mitteilte. Zwischen 400 und 500 Haushalte seien von der Flut betroffen und hätten Anspruch auf Soforthilfe in Höhe von 1500 Euro. „Gerade für die ersten wichtigen Anschaffungen nach der Flut ist es wichtig, schnell finanziellen Spielraum zu haben. Dazu ist das Sofortgeld die richtige Lösung“, sagte Landrat Franz Meyer. Wegen anhaltender Regenfälle sollen die Einsatzkräfte zunächst in Alarmbereitschaft bleiben.

    +++ Mit unvorstellbarer Gewalt hat eine Flutwelle im Landkreis Rottal-Inn ein Wohnhaus teilweise mit sich gerissen und die 80-jährige Bewohnerin getötet. Die Leiche der Frau aus Untertürken sei einige Kilometer weiter in einem Bachbett entdeckt worden, bestätigte das Polizeipräsidium Straubing. Das Haus ist nur noch eine Ruine. Nicht einmal mehr die Hälfte des Gebäudes steht. Wie ein Mahnmal ragt es in den wolkenverhangenen Himmel. An den schiefen Wänden hängen noch gerahmte Bilder. Die Deckenverkleidung ist größtenteils abgerissen und gibt den Blick auf die Holzbalken des Dachbodens frei. In den Resten des Hauses einige Habseligkeiten: Eine gelbe Lego-Box, Kisten, ein Staubsauger, an einem Geländer ein paar Hosen. Davor im einstigen Garten ein Blumentopf mit einer Geranie.

    +++ Weil es offenbar immer noch nicht alle verstanden haben: Die Polizei bittet diejenigen, die nicht vom Hochwasser betroffen sind oder helfen, fernzubleiben.

    +++ Der Landkreis Rottal-Inn hat nach dem schweren Unwetter in den Gemeinden Tann, Triftern und Simbach am Inn ein Spendenkonto eingerichtet. Entsprechende Anfragen seien vielfach aus der Bevölkerung eingegangen, teilte der Landrat Michael Fahmüller (CSU) mit. Es sei gut, dass so viele Menschen für die leidgeprüften Bewohner spenden wollten. Er selbst verbürge sich dafür, dass die Spendengelder nur für die Unterstützung der Betroffenen ausgegeben werden.

    Spenden an das Konto des Landkreises Rottal-Inn, Kennwort „Hochwasserhilfe“, IBAN: DE81 7435 1430 0570 0068 09, BIC: BYLADEM1EGF

    +++ Ein Dutzend Schulen im Landkreis Rottal-Inn bleibt wegen der angespannten Hochwasser-Situation auch am Freitag geschlossen. Wie das Landratsamt in Pfarrkirchen mitteilte, sind folgende Einrichtungen in Simbach am Inn, Triftern und Tann betroffen: Grund- und Mittelschule Tann, Grund- und Mittelschule Triftern, Grundschule Simbach am Inn, Mittelschule Simbach am Inn, Grundschule Reut, Grundschule Walburgskirchen, Grundschule Wittibreut, Grund- und Mittelschule Kirchdorf am Inn, Grundschule Prienbach, Realschule und Gymnasium Simbach am Inn sowie Betty Greif Schule in Simbach am Inn. An den Grundschulen in den Orten Zeilarn, Julbach und Ehring sowie an der Grund- und Mittelschule Ering findet am Freitag wieder Unterricht statt.

    +++ Die Polizei hat soeben bestätigt, drei Jugendliche - drei 16- und ein 14-Jähriger - festgenommen zu haben. Die Wasserwacht habe das Trio gegen 13 Uhr dabei beobachtet, wie sie aus einem unversperrten Kiosk Zigaretten im Wert von rund 300 Euro stehen. Gegen die Jugendlichen wird Anzeige erstattet, der Kiosk wurde von der Freiwilligen Feuerwehr verschalt.

    Bereits in der Nacht zum Donnerstag seien zwei betrunkene Männer festgenommen worden, die aus einem weggeschwemmten Auto das Radio hätten stehlen wollen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern.

    +++ Isselburg am Niederrhein bereitet sich mit Hochdruck auf die Hochwasserwelle des kleinen Flusses Issel vor. 15 000 Sandsäcke werden gefüllt, Böschungen werden auf Schwachstellen untersucht, Pegelstände kontrolliert und die Bevölkerung wurde informiert, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Die Hochwasserwelle von Hamminkeln am Oberlauf könnte gegen Mitternacht in Isselburg eintreffen, aber das sei schwer kalkulierbar, sagte der Leiter des Ordnungsamtes, Frank Schaffeld. Die Kleinstadt befürchtet, dass ein Teil des Stadtkerns überflutet werden kann.

    In verschiedenen Szenarien rechnen Fachleute durch, wann der beste Zeitraum ist, den Fluss zu entlasten und das Wasser durch eine Schleuse auf einen Überflutungsraum zu lenken. Eine solches Hochwasser durch die besondere Wetterlage am Oberlauf der Issel habe es wohl noch nicht gegeben, sagte Schaffeld. Nach dem Unwetter am Mittwoch war der Pegel der Issel in Hamminkeln von 50 Zentimeter auf zwei Meter gestiegen.

    +++ Aktuell sind noch etwa 3500 Haushalte im niederbayerischen Hochwasser-Gebiet noch immer ohne Strom. Das teilte der Netzbetreiber Bayernwerk mit. Seit Donnerstagmorgen seien rund 4000 Haushalte zwischen Simbach am Inn und Pfarrkirchen wieder ans Netz gegangen. Die Bewohner müssten aber weiterhin mit kurzfristigen Unterbrechungen rechnen. Etwa 3500 Haushalte, vor allem in den Gebieten um Anzenkirchen, Tann und Triftern, müssen zunächst noch ohne Strom auskommen.

    +++ Nationalspieler und FC-Bayern-Star Thomas Müller fühlt mit den Betroffenen des Hochwassers in Niederbayern.

    +++ In Simbach gibt es derzeit wieder sintflutartige Regenfälle. Die Angst wird größer und größer. Zuvor habe man zwischen 8 und 14 Uhr nur zwei bis sieben Liter Regen pro Quadratmeter gemessen, sagte Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. Entwarnung gab es deshalb jedoch noch nicht.

    +++ Die Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern sind auch auf dem Münchner Messegelände zu spüren. Um für Hilfseinsätze in den betroffenen Orten gewappnet zu sein, habe das Technische Hilfswerk (THW) mehrere auf der Umwelttechnik-Messe Ifat ausgestellte Hochleistungspumpen abgezogen, teilte die Messe München mit. Die Pumpen seien in der Nacht zum Donnerstag unter anderem nach Niederbayern gebracht worden.

    Das Öl in Simbach schwimmt überall.

    +++ In Simbach ist der Regen wieder da - und das Zittern bei den Menschen geht weiter, wie tz-Reporter Johannes Heininger berichtet. Im Ort müffelt es nach ausgelaufenem Heizöl, das überall schwimmt.

    +++ Die Soldaten der Bundeswehr stehen bereit, um gegebenenfalls bei dem Hochwasser in Niederbayern zu helfen. „Wir sind vorbereitet und kommen, wann immer die zivile Seite danach ruft“, sagte Oberstleutnant Carsten Spiering am Donnerstag. Zunächst müsse der zuständige Landrat aber eine Unterstützung durch die Bundeswehr beantragen: „Wenn der Antrag bei uns eingeht, werden wir uns in Marsch setzen. Der Landkreis Rottal-Inn habe sich bisher aber noch nicht für einen Einsatz entschieden, sagte der Oberstleutnant. Bei dem Hochwasser im Jahr 2013 waren die Soldaten laut Spiering vor allem als „helfende Hände“ eingesetzt worden, sie hätten Sandsäcke gefüllt und an die Deiche geschleppt.

    +++ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern ihr Mitgefühl ausgedrückt. "Wir trauern um die Menschen, für die die Hilfe zu spät kam", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Sie sei in Gedanken bei den Familien, die inmitten der vom Hochwasser angerichteten Zerstörung mit diesen Verlusten zurechtkommen müssten.

    Sie verfolge die Entwicklung sehr genau, sagte Merkel. Die Notsituation zeige aber auch, wie eng die Menschen in Deutschland beieinander stünden. Sie danke "allen von Herzen", die in diesen Tagen oft bis zur Erschöpfung im Einsatz seien.

    +++ Zumindest in einigen der betroffenen Gemeinden gibt es inzwischen wieder Strom.

    +++ Die Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern sind auch auf dem Münchner Messegelände zu spüren. Um für Hilfseinsätze in den betroffenen Orten gewappnet zu sein, habe das Technische Hilfswerk (THW) in der Nacht zum Donnerstag mehrere auf der Umwelttechnik-Messe Ifat (bis 3. Juni) ausgestellte Hochleistungspumpen abgezogen und unter anderem nach Bogen in Niederbayern gebracht, teilte die Messe München mit.

    +++ Das verheerende Hochwasser in Niederbayern hat allein im Landkreis Rottal-Inn Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht. „Es sind bestimmt 500 Häuser betroffen, Teile der Bundesstraße 20 wurden unterspült und dort ist auch eine Brücke um einige Meter abgesenkt“, sagte der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), am Donnerstag in Pfarrkirchen. Die vom Hochwasser betroffene Fläche habe die doppelte Größe des Chiemsees.

    +++ Die Polizei meldet, dass die Pegelstände an Donau, Inn und Rott leicht zurückgehen. Sie empfiehlt den Autofahrern, die gesperrten Straßen weiträumig zu umfahren. tz-Reporter Heininger berichtet, dass die Sonne rauskommt und es sofort drückend heiß und schwül wird. Das THW pumpt das Wasser aus den überfluteten Gärten.

    +++ Zahlreiche Campingurlauber sind in Altenahr im nördlichen Rheinland-Pfalz mit einem Polizeihubschrauber vor dem Hochwasser gerettet worden. Einige seien auf den Dächern ihrer Wohnwagen vom Wasser eingeschlossen gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Andere hätten sich auf einen nahe gelegenen Hügel mit einer Kapelle gerettet und seien von dort ausgeflogen worden. Die Ahr war in der Nacht zum Donnerstag über die Ufer getreten und hatte die Camper auf den Zeltplätzen überrascht. Die Ahr habe mit 3,96 Metern am Vormittag einen bislang noch nie gemessenen Höchststand erreicht, sagte der Polizeisprecher. Sogar beim Jahrhunderthochwasser 1993 habe der Pegel darunter gelegen. Normalerweise liegt der Pegel der Ahr bei rund einem Meter.

    +++ tz-Reporter Johannes Heininger ist in Untertürken, Gemeinde Julbach, wo ebenfalls eine Tote gefunden wurde. Danach geht es weiter nach Simbach. Am Damm steht das Wasser hüfthoch. "Meine Mutter hat hier gewohnt. Sie hat alles verloren", sagt ein Mann. "Einsatzkräfte haben sie gerettet." Auch beim Nachbar sieht es schlimm aus, doch der sei im Urlaub. "So ein Ausmaß habe ich noch nicht erlebt", meint er.

    +++ Nach der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern ist die Zahl der Toten auf fünf gestiegen. Am Donnerstag wurde nach Polizeiangaben in Simbach am Inn die Leiche eines 75-jährigen Mannes geborgen.

    Die Zerstörung der Häuser ist enorm.

    +++ Im Hochwassergebiet von Niederbayern wird es Tage dauern, ehe die Wasser- und Stromversorgung wieder hergestellt ist. „Wir sind dabei, die Lücken zu schließen und stellen Wasseraufbereitungsanlagen auf“, sagte Johann Prex von der Feuerwehr Rottal-Inn am Donnerstag in Pfarrkirchen. Zudem müssten die vom Heizöl verschmutzten Keller geräumt werden. Vorrangig ist nach Angaben von Prex die Suche nach den Vermissten und die Sicherung der Gebäude, die einsturzgefährdet sind. Bei den mehr als 2000 Einsatzkräften habe es keine Verletzten gegeben.

    +++ Merkur-Reporter Ametsbichler berichtet, dass es in Simbach nieselt. Die Folge der Anwohner auf den leichten Regen: Sie schauen besorgt gen Himmel. Ab 13 Uhr ist auch wieder Starkregen angesagt. Die Unwetterfront zieht auch in die Münchner Region.

    +++ Am Tag nach dem Hochwasser wird klar, wie stark die Überschwemmung die Orte verwüstet hat. Bilder aus Niederbayern finden Sie auf Merkur.de.

    +++ Das Landratsamt Rottal-Inn verweist darauf, dass keine privaten Drohnen eingesetzt werden dürfen. Sie gefährden im Überschwemmungsgebiet die Arbeit der Rettungspiloten massiv. "Wir werden im Falle von Drohneneinsätzen, die rechtlich nicht zulässig sind, die nötigen juristischen Schritte unternehmen", betont Landrat Michael Fahmüller.

    Nach Hochwasser: Viele Bewohner weiter ohne Strom

    +++ In den vom Hochwasser betroffenen Orten harren viele Bewohner noch immer ohne Strom aus. Wie viele Menschen betroffen sind, konnte Polizeisprecher Michael Emmer am Donnerstag nicht sagen. Am Mittwochabend seien es noch rund 10 000 Haushalte gewesen, die Situation habe sich über Nacht aber etwas verbessert.

    Wie der Netzbetreiber Bayernwerk am Donnerstag berichtete, sind Menschen in Triftern, Julbach, Kirchdorf am Inn, Postmünster, Reut, Stammham, Zeilarn und Tann noch immer teilweise vom Netz abgeschnitten. Erste Gebiete in der Stadt Simbach am Inn und in den Marktgemeinden Tann und Triftern konnten am Morgen bereits wieder mit Strom versorgt werden, so das Unternehmen.

    +++ Um 14 Uhr wird es eine weitere Pressekonferenz geben, kündigt Landrat Fahmüller an. Diese findet dann in Simbach vor Ort statt.

    +++ Der Regierungspräsident von Niederbayern, Heinz Grunwald, fragt nach Sicherungsmöglichkeiten. "Wir müssen lernen, dass es keine absolute Sicherheit gibt", sagt er. Bei solchen Katastrophen sei es schwierig, Warnsysteme zu installieren.

    +++ Die Landtagsabgeordnete Reserl Sem für ihren Kreis zitiert einen Minister, der von einem "Regen-Tsunami" sprach. Dies sei zutreffend, weil die Menschen nicht weglaufen konnten. Es sei besonders erschütternd, dass es kleine Bäche waren, die dieses Leid verursachten.

    Wasserversorgung bleibt brüchig

    +++ Auch Sibler appelliert daran, dass die ehrenamtlichen Helfer nicht unkoordiniert ins Gebiet fahren sollen. Bislang sei das nicht nötig und die Koordination läuft derzeit gut.

    +++ Staatssekretär Bernd Sibler sichert den Betroffenen schnell Hilfe zu. Im gleichen Maßstab wie 2013 bei Deggendorf. "Es ist schrecklich, dass es vier Tote gibt und weiterhin noch Menschen vermisst werden", sagt er. In den nächsten Tagen werden wohl einigen Schulen geschlossen bleiben. Das hänge von der Lage der jeweiligen Schule ab.

    +++ Der Leiter der Einsatzkräfte betont, es sei in naher Zukunft wichtig, die Vermissten zu suchen. Außerdem müssen Häuser gestützt werden, einige Wasserleitungen müssen repariert werden. Die weitere Priorität ist, dass die mit Heizöl kontaminierten Keller geräumt werden. Bis nächste Woche wird die Wasserversorgung noch brüchig sein. Das THW wird Wasseraufbereitungsanlagen zur Verfügung stellen und das gereinigte Wasser dann mit Hilfe von Tankwägen verteilen.

    Pressekonferenz zur Hochwasser-Situation

    +++ Bei einer Pressekonferenz sagt Landrat Michael Fahmüller, dass die Situation weiterhin ernst, sehr ernst ist. Es wird von 7 bis 19 Uhr für die Flutopfer 1500 Euro Soforthilfe ausgezahlt. Wichtig sei die unbürokratische Abwicklung.

    Am Mittwoch hat der Landkreis Rottal-Inn Katastrophenalarm ausgelöst. Dauerregen ließ die Bäche anschwellen, diese entwickelten sich zu reißenden Strömen. Zahlreiche Orte wurden weggeschwemmt, Stadtkerne entstellt, Häuser zerstört und Straßen unterspült. Fünf Menschen sind gestorben, weitere werden vermisst. Alle Entwicklungen können Sie in unserem Ticker vom Mittwoch nachlesen.

    dpa/AFP/MS/ja/joh/mg

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