Immer mehr Kinder in Ein-Eltern-Familien

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Immer öfter wachsen Kinder in Deutschland mit nur einem Elternteil auf: Ein Drittel der  Alleinerziehenden muss dabei mit weniger als 1100 Euro pro Monat auskommen.

Berlin - Immer mehr Kinder wachsen mit nur einem Elternteil auf. Inzwischen ist jede fünfte Familie in Deutschland alleinerziehend - Tendenz steigend. Ein Drittel der Alleinerziehenden muss mit äußerst beschränkten Finanzen kalkulieren.

Vor 13 Jahren war es nur jede siebte Familie. Dies berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Basis des Mikrozensus 2009.

Weiter zeigte sich, dass Ein-Eltern-Familien häufiger in Großstädten wohnen. Zudem ist ihr Anteil in Ostdeutschland deutlich höher. Sind die Kinder jung, ist zudem oft das sehr Geld knapp. Wenig überraschend: Alleinerziehen ist Frauensache. In neun von zehn Fällen betreute im Jahr 2009 die Mutter den Nachwuchs. Immerhin zwei von fünf alleinerziehenden Mütter arbeiteten Vollzeit. 58 Prozent schafften es, sich überwiegend aus eigener Arbeit zu finanzieren.

Ein Drittel der alleinerziehenden Mütter hatte aber weniger als 1.100 Euro monatlich zur Verfügung, zwei Drittel kamen immerhin auf 1.100 bis 2.600 Euro. Sind Kleinkinder im Krippenalter im Haus, sieht es jedoch bei den Finanzen düster aus: Nur jede vierte alleinerziehende Mutter von Unter-Dreijährigen war 2009 überhaupt berufstätig. Bei Kindern zwischen 15 und 17 Jahren waren es hingegen drei Viertel.

In Ostdeutschland liegt der Anteil der Alleinerziehenden an allen Familien deutlich höher: Hier beträgt er 27 Prozent, im Westen dagegen nur 17 Prozent. Auch in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern sind Alleinerziehende häufiger: Sie stellen hier 26 Prozent aller Familien. In den großen Städten Ostdeutschlands, wo alternative Familienformen generell weiter verbreitet sind, sind es mit knapp einem Drittel (31 Prozent) sogar noch deutlich mehr. Knapp zwei Drittel der westdeutschen Alleinerziehenden waren 2009 geschieden oder lebten in Trennung vom Ehepartner. Anders im Osten: Hier war über die Hälfte (54 Prozent) ledig. Gründe sind, das Kinder in den neuen Ländern öfter unehelich geboren werden und zudem die Mütter tendenziell jünger sind.

Mehr Betreuungsplätze gefordert

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte, dass nach wie vor viele Ein-Eltern-Familien auf Hartz IV angewiesen sind und ihr Armutsrisiko damit hoch ist. Im März bezogen rund 636.000 Alleinerziehende mit rund einer Million Kindern Arbeitslosengeld II, wie Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach berichtete. Sie forderte als Konsequenz bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Existenz sichernde Jobs. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) erklärte, die meisten Alleinerziehenden wollten arbeiten und seien auch ebenso gut motiviert und ausgebildet wie Mütter in Paarbeziehungen. Deswegen habe für sie der Ausbau der Kinderbetreuung “Priorität“.

Ab 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung, sobald ihr Kind ein Jahr alt ist. Städte und Gemeinden bezweifeln aber, dass sich dieser Anspruch erfüllen lässt, weil der Ausbau stockt. Die SPD verlangte, die Bundesregierung müsse sich für einen flächendeckenden Mindestlohn, einen bedarfsgerechten Ausbau hochwertiger Kinderbetreuungsangebote sowie für bedarfsgerechte Hartz-IV-Kinderregelsätze einzusetzen.

Die Sprecherin der Grünen im Bundestag für Kinder- und Familienpolitik, Katja Dörner, erklärte, die nun geplante Abschaffung des Elterngelds für Hartz-IV-Bezieher und die Anrechnung des Elterngelds bei Mini-Jobbern und Aufstockern werde das Armutsrisiko gerade bei Alleinerziehenden verschärfen. Weiter verlangte sie, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Unter-Dreijährige müsse unbedingt umgesetzt werden. Im Bundesgesetz müsse zudem klargestellt werden, dass Anspruch auf einen ganztägigen Betreuungsplatz bestehe.

dapd

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