Nach Todesfällen

Kinder in Indien boykottieren Schulessen

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Noch immer liegen 30 Kinder wegen des vergifteten Mittagessens im Krankenhaus

Dehli - Nach dem Tod von mehr als 20 Kindern durch ein vergiftetes Schulessen trauen die Schüler in Indien den Kantinenmahlzeiten nicht mehr und werfen sie lieber in den Müll.

Nach dem Tod von mehr als 20 Kindern durch ein vergiftetes Mittagessen boykottieren im Osten Indiens tausende Schüler die kostenlos angebotenen Schulspeisen. Die verängstigten Kinder hätten ihre Mahlzeiten in Mülleimer geworfen oder gar nicht erst angerührt, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag. Obwohl die Schulbehörden gelobt hätten, dass eine solche Tragödie nicht mehr vorkommen werde, seien viele Kinder von ihren Eltern angewiesen worden, die Finger vom Kantinenessen zu lassen.

Im armen ostindischen Bundesstaat Bihar sind mindestens 22 Kinder an den Folgen einer kostenlos verteilten Schulmahlzeit aus Reis, Gemüse und Linsen gestorben. Etwa 30 weitere Kinder werden weiterhin im Krankenhaus behandelt. Ersten Erkenntnissen zufolge enthielt das am Dienstag an einer staatlichen Schule verteilte Essen möglicherweise Insektengift.

Insektengift wurde im Haus der geflüchteten Direktorin gefunden

Im Haus der geflüchteten Schulleiterin seien zwei Behälter mit Insektiziden nebst Gemüse, Reis und Hülsenfrüchten für das Mittagessen gefunden worden, sagte ein ranghoher Ermittler. "Nur die Direktorin kann sagen, ob es sich bei dem Vorfall um ein Komplott oder fahrlässiges Versehen handelt", fügte er hinzu. Aus Regierungskreisen hieß es, der Schulkoch habe sich bei der Direktorin noch über den Geruch des Bratöls beschwert. Die Frau habe ihn aber angeblich beschwichtigt, woraufhin er weiterkochte.

Rektoren sollen künftig vorkosten

Die Konsequenz aus dem Vorfall ist nun, dass Rektoren und Köche die Speisen an den Schulen künftig vorkosten sollen. Die Regierung des betroffenen Bundesstaates Bihar ließ am Donnerstag in allen Lokalzeitungen Anzeigen veröffentlichen, in denen die Regel erklärt und Maßnahmen bei Verstößen dagegen angedroht werden.

Rund 120 Millionen Kinder erhalten in Indien kostenloses Essen an staatlichen Schulen. Durch das Programm soll die Ernährung verbessert und auch die Anwesenheitsquote gesteigert werden. Wegen Hygienemängeln und minderwertiger Zutaten gibt es jedoch immer wieder Lebensmittelvergiftungen. In den letzten Jahren haben steigende Lebensmittelpreise stetig den Leidensdruck der 455 Millionen Inder erhöht, die unter der Armutsgrenze leben.

AFP/dpa

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