Jugendwort 2013

Was ist denn ein "Babo"?

+
Die Jugend von heute hat ihre eigene Sprache.

Berlin - Wer älter als 18 ist, wird mit "Babo" wahrscheinlich nicht viel anfangen können, doch der Ausdruck ist zum Jugendwort des Jahres 2013 gewählt worden. Wir erklären ihn.

Jugendliche hatten im Internet ihre Vorschläge eingereicht, am Ende entschied eine Jury im Alter von 13 bis 58 Jahren , bestehend aus Schülern und Studenten sowie Journalisten, welcher von 30 Ausdrücken ausgezeichnet wurde. Schließlich gewann der aus dem Türkischen stammende Ausdruck "Babo", der etwa mit Boss oder Anführer zu übersetzen ist. In die Welt gesetzt hat das Wort „Babo“ der deutsch-kurdische Rapper „Haftbefehl“ aus Offenbach - mit seinem Lied „Chabos wissen wer der Babo ist“ (Jungs wissen, wer der Boss ist). Selten war das Ergebnis so eindeutig: Fast die Hälfte (47 Prozent) aller Stimmen konnte „Babo“ laut FOCUS auf sich vereinigen. Notiz am Rande: Auf Koreanisch heißt „Babo“ Dummkopf oder Narr.

In die Top 5 schafften es außerdem  "fame", was eigentlich englisch für "Ruhm" ist, aber heutzutage hierzulande von jungen Menschen offensichtlich als Adjektiv benutzt wird und ein Synonym für toll, super oder berühmt darstellt.

Auf Platz 3: "gediegen". In der Unter-20-Generation hat dieses urdeutsche und etwas veraltet anmutende Wort mittlerweile augenscheinlich Ausdrücke wie super, cool und lässig verdrängt. 

Auf dem vierten Rang findet sich wieder ein Anglizismus: "In your face" kann man mit "Dir hab ich’s gegeben!" oder "Da hast Du’s!" übersetzen.

"Hakuna Matata“ schließlich kennt man bereits aus dem Disney-Klassiker "Der König der Löwen". Als der Zeichentrickfilm im Jahr 1994 herauskam, waren die meisten Jugendlichen von heute zwar noch nicht geboren, doch sie verwenden den aus dem afrikanischen Swahili stammenden Spruch trotzdem korrekt, wenn sie sagen wollen: "Kein Problem." oder "Alles klar."

Ist die Wahl nur ein Marketinggag?

Von der Wahl des Jugendwortes des Jahres hält Jugendforscher Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München nicht viel: „Wenn Spaßformulierungen herausgehoben werden, als ob sie das Sprach- und Denkniveau der Jugend heute wären, verzerrt dies das Bild über die Jugend von heute“, sagte Gaiser. „Wir haben aber eine gut ausgebildete, weltoffene, sprachkompetente Jugend in Deutschland. Und wenn man dann unter solchen komischen Labels den Eindruck erweckt, dass das die Kommunikationsformen wären und dass dies die Themen wären, dann finde ich das eigentlich nicht angemessen, auf die Weise das Bild der Jugend ins Negative zu ziehen.“

Mit der alljährlichen Wahl wirbt der Verlag auch für sein Lexikon „100% Jugendsprache“. „Mit solchen Spielereien Aufmerksamkeit für Verlagsprodukte zu erzielen und Leserschaften zu binden, ist ein geschickter Marketing-Gag“, sagte Gaiser vom DJI.

Jugendsprache dient der Abgrenzung

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bezeichnete die Wahl hingegen als eine schöne Idee. Der Leiter der GfdS-Sprachberatung, Lutz Kuntzsch, sagte aber auch: „Das Ganze ist ein Sprachspiel. Ich würde daraus nicht ableiten, dass die Jugend tatsächlich so spricht.“ Dass das Wort nun in die Allgemeinsprache aufgenommen wird, glaubt er nicht. „Ich vermute, dass das Wort etwas mehr frequentiert wird, die Wahl aber keinen großen Einfluss auf die langfristige Verbreitung haben wird.“ Deshalb brauche auch niemand befürchten, dass die Jugendsprache die Allgemeinsprache verhunze.

Er selber hatte das Wort „Babo“ erst einmal im Interview mit einer Studentin gehört - Ziel erreicht: Denn laut Gaiser vom DJI, der das Wort auch nicht kannte, soll genau das mit Jugendsprache erreicht werden: Abgrenzung - von Erwachsenen und anderen Jugendlichen.

Futterkoma & Co. - Ganz schön kompliziert!

Futterkoma & Co. - Ganz schön kompliziert!

Bewertet wurden unter anderem die sprachliche Kreativität des Wortes, seine Originalität und sein Verbreitungsgrad, wie der Langenscheidt-Verlag am Montag bekanntgab. In den vergangenen Jahren machten Wörter wie „Yolo“ (2012), „Swag“ (2011), „Niveaulimbo“ (2010), „hartzen“ (2009) oder „Gammelfleischparty“ (2008) das Rennen um die Auszeichnung als Jugendwort des Jahres.

hn/dpa/kna

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Melbourne - Über drei Straßenblocks hinterlässt ein Amokfahrer in Melbourne eine Spur der Verwüstung. Vier Menschen hat er mit dem Auto getötet. Der …
Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Bus wird bei Verona zur Todesfalle: Heldenhafter Sportlehrer

Verona - Mitten in der Nacht prallt ein Bus gegen einen Pfeiler und fängt Feuer, ein Schülerausflug endet auf grausame Weise. Ein Lehrer rettet …
Bus wird bei Verona zur Todesfalle: Heldenhafter Sportlehrer

Bomben-Alarm: Eurowings-Flieger nach Köln evakuiert

Köln - Offenbar ist eine Eurowings-Maschine, eine Lufthansa-Tochter, die auf dem Weg von Oman nach Köln war, umgeleitet worden. Als Grund wird …
Bomben-Alarm: Eurowings-Flieger nach Köln evakuiert

Kommentare