Keim-Skandal: Kliniken ziehen Konsequenzen

Berlin - Der Klinik-Skandal um verkeimte Baby-Nährlösung (drei Säuglinge starben) schockt ganz Deutschland. Während die Regierung strengere Gesetze erlassen will, ziehen Kliniken bereits Konsequenzen.

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Sie zogen Infusionslösungen aus dem Verkehr, checkten alle Verfahren oder mahnten die Mitarbeiter zu noch mehr Vorsicht. Deutsche Krankenhäuser reagierten umgehend auf den Tod dreierBabys, die in der Mainzer Uniklinik verseuchte Nährlösung bekommen hatten. “Wir sind jetzt noch sorgfältiger“, sagte etwa der ärztliche Leiter der Intensivstation für Neu- und Frühgeborene der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, Dr. Georg Frey, in einer Umfrage.

In Thüringen werden Chargen der in Mainz verwendeten Infusionslösungen vorsorglich so lange nicht verwendet, bis die Umstände der Tragödie vollständig geklärt seien, hieß es dort vom Gesundheitsministerium. Auch an einigen Kliniken in Baden-Württemberg und an den Universitätskliniken Frankfurt und Leipzig verabreichen die Ärzte diese Produkte erst einmal nicht mehr. Das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte eine Sprecherin des Klinikums Stuttgart. 

Es gibt aber auch abwartende Reaktionen: So wies die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern alle 38 Krankenhäuser im Land auf den Mainzer Fall hin. Konsequenzen würden gezogen, sobald die Ursache geklärt sei, sagte Geschäftsführer Wolfgang Gagzow. 

Bislang ist nicht klar, ob die drei Babys in Mainz durch die Bakterien in der Nährlösung starben. Zwei hatten Herzfehler, eines war ein extremes Frühchen. Möglicherweise kam es bei der Herstellung der Infusion in der Klinikapotheke zu der Verunreinigung, als Schläuche an eine Maschine angeschlossen wurden. 

Nach der Tragödie sind beispielsweise im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg alle möglichen Infektionswege nochmals genau durchgegangen worden. Nach Auskunft von Oberarzt Lutz von Müller vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene besteht dort ein geringeres Infektionsrisiko. Auch deshalb, weil die Infusionen direkt auf der Station und nicht in der Krankenhausapotheke hergestellt werden. 

Der Klinikkonzern Gesundheit Nordhessen in Kassel kündigte ebenfalls an, alle Abläufe zu überprüfen. Das Düsseldorfer Universitätsklinikum kontrollierte - wie andere Krankenhäuser in Deutschland auch - alle Nährlösungen. In Sachsen-Anhalt wollen die Kliniken ihr Qualitätsmanagement unter die Lupe nehmen. “Wir werden in den kommenden Tagen darüber beraten und diskutieren, wie wir es noch verbessern können“, sagte Geschäftsführer Gösta Heelemann. 

Er warnte jedoch vor Panikmache. Erst müsse genau feststehen, ob tatsächlich die verschmutzte Infusionslösung Ursache für den Tod der Babys war. Auch der Leiter der Apotheke des Uniklinikums Heidelberg, Thorsten Hoppe-Tichy, betonte: “Solange wir nicht ganz genau wissen, was passiert ist, haben wir nichts in der Hand, um die eigenen Prozesse zu verbessern.“ 

Das Universitätsklinikum Jena erhöhte derweil die ohnehin strengen Sicherheitsstandards bei der Anfertigung von Infusionslösungen nochmals, wie Pressesprecher Heiko Leske sagte. Und die vier kommunalen Krankenhäuser in Bremen checkten das Verfahren, mit dem die Nährlösungen in der eigenen Apotheke hergestellt werden. Dabei seien aber keine Mängel aufgefallen, sagte Sprecherin Karin Matiszick. Deshalb werde die Leitung auch vorerst keine Konsequenzen aus dem tragischen Fall ziehen. 

An den Brandenburger Kliniken, die Stationen für Neugeborene haben, sind die Geschehnisse in Mainz intensiv ausgewertet worden. Bislang wird aber keine Notwendigkeit gesehen, von der bewährten Methode abzugehen. “Es gibt derzeit keinen Grund, etwas zu ändern“, sagte der Leiter der Apotheke der Ruppiner Kliniken in Neuruppin, Christian Heyde. Dort werden ebenso wie im Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann die Nährlösungen zur Versorgung der jüngsten Patienten selbst hergestellt. 

Das Klinikum Dritter Orden in München sieht nach den Worten des ärztlichen Direktors Peter Weidinger derzeit ebenfalls keinen Grund, an den bestehenden Kontrollen etwas zu ändern. Grundsätzlich könnten Fehler nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. “Wo Menschen arbeiten, ist immer die Gefahr gegeben, dass etwas passiert.“ 

dpa 

Rubriklistenbild: © dpa

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