Kein kleiner Homo sapiens: "Hobbit" lange auf Flores heimisch

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Ausgabungsarbeiten in Mata Menge auf der indonesischen Insel Flores im Mai 2016. Dabei wurden Knochen eines Vorfahren des Homo floresiensis gefunden. Foto: Gerrit van den Bergh/University of Wollongong/Australia

Nur ein Meter groß und ein Gehirn von der Größer einer Orange: Der Fund des "Hobbit" vor einigen Jahren erregte Aufsehen - und führte zu Forscherstreit. Ein kürzlich entdeckter Urahn des Flores-Bewohners schaffe nun endgültig Klarheit, sagen Wissenschaftler nun.

Flores (dpa) - Vorfahren der oft scherzhaft "Hobbit" genannten Menschenart Homo floresiensis haben vermutlich schon vor 700 000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores gelebt.

Das schließt ein Forscherteam um den Anthropologen Yousuke Kaifu aus einer Analyse von Zähnen und Knochen, die 2014 auf der Insel gefunden wurden.

"Diese neue Studie belegt eindeutig, dass es sich beim "Hobbit" nicht um einen modernen Menschen mit einer Fehlbildung handeln kann, weil es den Homo sapiens vor 700 000 Jahren noch gar nicht gab", sagt Jean-Jacques Hublin, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der an der Studie nicht beteiligt war.

Homo floresiensis war nur etwa einen Meter groß und hatte ein Gehirn von der Größe einer Orange. Die Wissenschaftler um Kaifu vom Nationalmuseum der Naturwissenschaften in Tokio gehen davon aus, dass es sich um einen kleinwüchsigen Nachfahren des asiatischen Homo erectus handelt, der schon vor etwa einer Million Jahren in Indonesien lebte.

Die Ergebnisse der Teams um Kaifu sowie Adam Brumm von der Griffith University in Nathan (Australien) sind im Fachblatt "Nature" veröffentlicht. Die Forscher hatten die Funde von 2014 mit den Daten anderer ausgestorbener Menschenarten sowie mit denen des modernen Menschen Homo sapiens verglichen.

Der Fundort aus dem Jahr 2014 liegt in Mata Menge, etwa 70 Kilometer von der "Hobbit-Höhle" in Liang Bua entfernt, wo 2003 erste Überreste gefunden wurden. In der Region wurde auch Steinwerkzeug entdeckt, das etwa eine Million Jahre alt sein soll. Neben Fossilien ausgestorbener Tierarten fanden die Wissenschaftler in Mata Menge ein Unterkiefer-Fragment und sechs Zähne, die sie mindestens einem Mann und zwei Kindern zuordnen.

Seit die etwa 60 000 bis 100 000 Jahre alten versteinerten Skelettteile des "Hobbits" in der Höhle von Liang Bua gefunden wurden, streiten Experten darüber, ob es sich um einen krankhaft veränderten Homo sapiens oder eine eigene Menschenart handelt.

Die Ergebnisse belegten nun nicht nur, dass der Hobbit schon sehr lange auf der Insel lebt, sondern auch, dass er sich in relativ kurzer Zeit vom bis zu 1,80 Meter großen Homo erectus zum Zwerg entwickelt hat, erklärt Max-Planck-Direktor Hublin. "Erstaunlich ist, dass sich diese Entwicklung offenbar in einem sehr kurzen Zeitraum abgespielt hat." Der Grund für die sehr schnelle Schrumpfung liege vermutlich in der isolierten Lebensweise auf der Insel. Wie der Homo erectus dorthin gelangte, ist bislang ungeklärt.

Erst mit weiteren Funden könne geklärt werden, ob der Zwergenmensch in den etwa 600 000 Jahren zwischen den nun entdeckten Ahnen und ihrem zuvor gefundenen Verwandten in seiner Gestalt weitestgehend unverändert blieb, so Hublin. Einen ersten Hinweis zumindest gibt es: Die etwa 700 000 Jahre alten untersuchten Zähne und der Kiefer aus Mata Menge gleichen denen des Homo floresiensis aus Liang Bua.

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