Konzertveranstalter: Profilierungssucht ist schuld

Berlin - Für Deutschlands führenden Konzertveranstalter Marek Lieberberg haben Profilierungssucht der Stadt Duisburg und eine amateurhafte Organisation die Loveparade-Katastrophe mit 19 Toten ausgelöst.

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Das “war keine höhere Gewalt wie ein Treppeneinsturz oder ein Unwetter, sondern das Ergebnis eines verhängnisvollen Zusammenwirkens von völlig überforderten Behörden und inkompetenten Organisatoren, die weder mit derartigen Großveranstaltungen vertraut noch in der Lage waren, auf Notsituationen zu reagieren“, teilte Lieberberg am Montag in Frankfurt mit.

Trauer um die Toten der Loveparade

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Aus Sicht Lieberbergs war das Konzept eines einzigen Ein- und Ausgangs “eine Todesfalle“. Sämtliche Grundlagen für Versammlungen seien missachtet worden. “Ein einziger Eingang über einen Tunnel ist nach der Gesetzeslage eigentlich überhaupt nicht zulassungsfähig. Aber offensichtlich wollten die Verantwortlichen der Stadt Duisburg die Veranstaltung um jeden Preis und haben deshalb offensichtlich über alle notwendigen Sicherheitserwägungen hinweggesehen.“

Profilierungssucht führte laut Marek Lieberberg zur Massenpanik.

Der Ordnungsdienst hätte die Besucherströme leiten müssen. “Nach meinem Eindruck hätten bei einem Event dieser Größenordnung mindestens 4000 bis 5000 Ordner im Einsatz sein müssen. Es kann sich tatsächlich nur um einen Bruchteil dieser Anzahl, vielleicht 1000, gehandelt haben.“ Außerdem müsse deren Professionalität entschieden angezweifelt werden. “Eher waren es wohl völlig unerfahrene Helfer, deren einzige Qualifikation im Tragen eines T-Shirts bestand.“

Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Völlig gefehlt haben laut Lieberberg stabile Ein- und Auslassschleusen. Ein einziger Tunnel und Notausgänge über die Autobahn seien “von vorneherein ein Rezept für den Untergang“ gewesen. “Bei Gefahr im Verzug muss der Veranstalter einschreiten, um auf bestimmte Situationen spontan zu reagieren. Natürlich setzt dies Kompetenz und Erfahrung voraus.“

Überdies erinnerte Lieberberg daran, dass Polizisten bei Großveranstaltungen nicht als Ordner eingesetzt, sondern für Notfälle und die Regelung des Verkehrs bereitstünden.

dpa

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